Dossier Nr. 48

in Wissenschaft & Frieden 2005-1: Triebfedern der Rüstung

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Neue Masterstudiengänge für Friedens- und Konfliktforschung an deutschen Hochschulen

Frieden studieren

von Tanja Brühl / Thomas Held / Britta Krause / Christiane Lammers / Regine Mehl / Jörg Meyer / Thomas Nielebock / Lars Schmitt / Patricia Schneider / Lutz Schrader

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Friedensforschung Bonn (AFB)

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von Christiane Lammers

Friedensprozesse zu befördern ist nicht nur eine Frage des politischen Willens und der hierfür zur Verfügung gestellten finanziellen Ressourcen. Es bedarf der Kenntnisse sowohl der Gewalt - und Kriegsursachen als auch der friedensstiftenden Maßnahmen, Strukturen und Perspektiven. Hierfür soll und will die Friedens- und Konfliktforschung als fächerübergreifende Wissenschaft Ergebnisse ihrer Arbeit zur Verfügung stellen. Wissenschaft im Allgemeinen lebt davon, dass sie Ergebnisse aufeinander aufbaut, dass eine stetige Auseinandersetzung über vermeintlich objektivierbare Erkenntnisse stattfindet und nachwachsende Generationen an der Arbeit vorangegangener partizipieren können. Dabei erhebt sie, und dies gilt für die Friedenswissenschaft besonders, den Anspruch, »ihr Wissen nicht für sich selbst behalten zu wollen«, sondern dieses der Praxis zur Verfügung zu stellen. Dieser Transfer, mit dem auch ein gesellschaftlicher Bedarf korrespondiert, eröffnet wissenschaftlich Ausgebildeten, also Akademikerinnen und Akademikern, nicht nur die Möglichkeit weiterhin als Forschende im Wissenschaftsbetrieb tätig zu sein, sondern in der Mehrheit in den Anwendungsbereichen, der sogenannten Praxis, ihren (Arbeits)Platz zu finden.

In Kürze sind damit die Begründungen des unbedingten Zusammenhangs von Forschung und Lehre umschrieben. Nun mag es erstaunen, dass sich die Friedensforschung in der Bundesrepublik bisher ohne eine adäquate, durch Curricula strukturierte Lehre fortentwickeln musste. Die Gründe (mangelnder politischer Wille, starres disziplinäres Hochschulsystem, Dominanz der »realistischen Schule«) sowie die Konsequenzen sind vielschichtig und können hier nur angedeutet werden: unzureichende Grundlagenforschung, wenig aufeinander bezogene Forschung und geringe Forschungsdiskussionszusammenhänge, geringe Ausprägung spezifischer Theorie- und Methodenansätze insbesondere in Bezug auf Interdisziplinaritäts- und Praxis-Ansprüche, ungenügende öffentliche Wahrnehmung, zu geringe Anzahl an Nachwuchswissenschaftler/innen.

Naheliegend in diesem Zusammenhang und trotzdem bemerkenswert, da der sonst üblichen Praxis von Forschungsförderungseinrichtungen nicht gerade entsprechend, war es, dass die Deutsche Stiftung Friedensforschung unmittelbar nach ihrer Gründung den Beschluss fasste, prioritär die Entwicklung und Umsetzung von friedenswissenschaftlichen Studiengängen zu fördern. Aufgrund dieser Initiative sind die im Folgenden dargestellten Studiengänge erwachsen.

Strukturell möglich geworden ist die Umsetzung im Wesentlichen durch den sogenannten »Bologna-Prozess«: Der Vereinbarung der europäischen Bildungsminister und -ministerinnen (1999), die Studiengänge und Studienabschlüsse in ganz Europa bis 2010 aneinander anzugleichen. (Näheres hierzu z.B. unter www.bildungsserver.de.) Neue Begriffe prägen seitdem den Alltag an den Hochschulen: Bachelor und Master, Module und Modularisierung, ECTS (European Credit Transfer System) und Leistungspunkte, Interdisziplinarität und soft skills. Dabei handelt es sich nicht nur um Worthülsen, sondern mit dieser Umstellung ist eine in ihren Folgen noch nicht absehbare Veränderung der Hochschullandschaft verbunden. Die Diskussion darüber findet, wenn überhaupt, nur unter den unmittelbar Betroffenen (Hochschulmitarbeiter/innen und Studierenden) statt. Ein nicht gerade wünschenswerter Zustand, da die Konsequenzen gesellschaftlich relevant sein werden. Schließlich geht es nicht um didaktische Probleme, sondern um die Frage, welches Wissen mit welcher Intention vermittelt werden soll.

Für die Friedenswissenschaft wurden Antworten hierauf gefunden. Diese dokumentiert dieses Dossier: Manchmal sind sie unterschiedlich, in vielem aber auch sehr ähnlich. Gemeinsam ist ihnen das Bemühen, qualifizierte Ausbildung für die Friedensarbeit zu ermöglichen.

Christiane Lammers, Koordinatorin der LAG Friedenswissenschaft NRW und stellv. Vorsitzende des Stiftungsrats der Deutschen Stiftung Friedensforschung

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Peace & Conflict Studies in Masterstudiengängen an Hochschulen im globalen Vergleich

von Regine Mehl

Die allmähliche Unwandlung der Abschlussprüfungen an Universitäten und Hochschulen von spezifisch deutschen Studienabschlüssen hin zu weltweit anerkannten Bachelor-, Master- und PhD-Zertifikaten (undergraduate-, graduate- und postgraduate-studies), hat es im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland ermöglicht, dass bisher an fünf Universitäten neue Masterstudiengänge entwickelt und eingerichtet wurden, die zwar unterschiedlich benannt sind, aber - trotz aller Unterschiede - Ähnliches vermitteln möchten. Ob diese formale Angleichung an das im wesentlichen anglo-amerikanisch geprägte System der Wissensvermittlung und des Wissenschaftsverständnisses auch einen Qualitätsschub für den akademischen und gesellschaftspolitisch relevanten Transfer friedenswissenschaftlicher Inhalte in Deutschland erbringen wird, kann gleichwohl zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden.

Dass Inhalte und Methoden, die die Friedenswissenschaft (d.h. Friedens- und Konfliktforschung sowie Friedenspädagogik) prägen, bislang nicht zum Gegenstand eines eigenständigen Lehrstoffs erhoben wurden, könnte auch auf der Annahme basieren, dass diese multidisziplinär (und erwünscht auch interdisziplinär) angelegt sei, ihre Gegenstände daher die Inhalte des gesamten universitären Fächerkanons zu bereichern hätten. Dies realisierte sich allerdings - vor allem im Bereich der Theoriebildung - nur selten, womit sich die Friedenswissenschaft mit der feministischen Wissenschaftstheorie bzw. den policy-orientierten »gender-studies« in guter Gesellschaft befindet.

Ganz anders hingegen sind die Erfahrungen in jenen Ländern, in denen »Peace and Conflict Studies« schon lange - in den USA seit 1948 - in der universitären Lehre als eigenständiges Fach verankert sind.

Friedenslehre hat Geschichte - aber nicht in Deutschland

1948 wurde im Manchester College (Indiana, USA) das erste »Peace Studies« Programm weltweit für einen Bachelorstudiengang entwickelt und als eigenständiges Lehrfach im College verankert.1 Seither - auch aufgrund der positiven Erfahrungen durch das große Interesse der Studierenden an Friedensthemen nach den Verwerfungen des II. Weltkriegs und dem entsprechenden Engagement der Vereinigten Staaten auf den europäischen und asiatischen Kriegsschauplätzen - sind die »Peace and Conflict Studies« (PACS) in etlichen Universitäten auf dem amerikanischen Kontinent, in West- und Nordeuropa sowie vereinzelt auf anderen Kontinenten in ausgefeilten Curricula entwickelt worden. Heute sind sie in mehr als 100 Universitäten weltweit als eigenständiges Lehrfach mit interdisziplinärem Anspruch vertreten.2

Der Impuls ging von den Vereinigten Staaten gewissermaßen »zurück nach Europa«, nachdem zuvor britische und irische Quäker, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in die neue Welt emigriert waren, dort die Idee gewaltfreier Konfliktbearbeitung in zwischenstaatlichen Beziehungen sowohl zivilgesellschaftlich (in Friedensbewegungen sowie in universitärer Forschung und Lehre) als auch auf der staatlichen Ebene etablierten.

Vor allem der britische Mathematiker Lewis Fry Richardson (1881-1953), Quäker und überzeugter Pazifist, hat diesen positiven »Backlash« der emigrierten Kollegen aus den Vereinigten Staaten aufgegriffen und sich - beeinflusst durch die Verwüstungen der beiden Weltkriege - vehement für die akademische Etablierung der »Peace Studie« als pazifistischer Alternative zur bereits weithin etablierten Lehre von den internationalen Beziehungen eingesetzt. Daher ist auch eines der weltweit anerkanntesten friedenswissenschaftlichen Institute nach ihm benannt: das »Richardson Institute for Peace and Conflict Research« an der Universität Lancaster in England (gegründet 1959).

Im selben Jahr initiierte der norwegische Friedensforscher Johan Galtung die Gründung des »Peace Research Institute Oslo« (PRIO). Bei dieser und weiteren Institutsgründungen innerhalb und außerhalb von Hochschulen in Großbritannien und Skandinavien ist bemerkenswert, dass man sich zwar stets um die curriculare Vermittlung von Friedensforschungsinhalten nach dem anglo-amerikanischen Vorbild bemühte, d.h. um eine Verbindung von theoretischer Forschung und praktischer Anwendung. Nichtsdestoweniger nahm die rein akademische Forschung stark Überhand. Erst Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre kamen im Zuge der Entwicklung einer modernen Friedenspädagogik und unter dem Druck, über die praktische Vermittlung und Umsetzung der Forschungsresultate aus dem »Elfenbeinturm« Rechenschaft ablegen zu sollen, neue Initiativen auf, einschlägige Curricula zu entwickeln - allerdings nicht in der Bundesrepublik Deutschland.3

Friedenslehre - aber welche?

Im Laufe der letzten 30 Jahre führten Wissenschaftspositivismus und -pragmatismus überall auf der Welt, wo »Peace and Conflict Studies« als curriculare Studiengänge entwickelt worden sind, alsbald zu einer gegenständlichen Begriffsausdehnung - weit über den von L. F. Richardson konsequent befürworteten pazifistischen Ansatz hinaus. Immer mehr Elemente (Methoden, Theorien) der klassischen Disziplin der Internationalen Beziehungen wurden in den Forschungs- und Lehrbereich der Friedenswissenschaften integriert. Ohne diese »Bodenhaftung« wäre eine rein normative Orientierung wissenschaftlich auch nicht valide und hielte seriöser Überprüfung nur in den seltensten Fällen stand.

Diese Wissenschaft, die das Interdisziplinäre programmatisch und daher in allen Peace-Studies-Programmen weltweit einfordert, hatte es in Deutschland bis zur Gründung der in diesem Dossier dargestellten Studiengänge nicht geschafft, dass für sie ein eigenständiges Curriculum im Rahmen des Fächerkanons an den Hochschulen entwickelt worden war. Diejenigen, die sich als akademische Vertreter/innen und Lehrer/innen der Friedenswissenschaft verstanden, fühlten sich vielmehr berufen, deren inhaltliche Anliegen in ihre traditionell vorgegebenen Forschungs- und Lehrgebiete zu integrieren. In anderen europäischen Ländern, im angelsächsischen Raum, aber auch in Universitäten in Asien, Afrika und Lateinamerika wurde die immanent geforderte Interdisziplinarität als Herausforderung verstanden, um daraus Studiengänge zu entwickeln, die breiten formalen und inhaltlichen Ansprüchen genügen sollten - interdisziplinär angelegt, wissenschaftlich valide, am gewalthaltigen Konfliktgeschehen und am gewaltfreien Umgang mit Konflikten und Krisen orientiert.

Eine multidisziplinäre Sonderrolle im internationalen Vergleich nehmen Masterstudienkurse an japanischen Universitäten ein: Hier sind die »Peace Studies« stets nur ein kleiner Teilbereich der breiter verstandenen »Global Studies« oder »International Studies«. Studierende, die sich für die friedenswissenschaftliche Ausbildung interessieren, müssen in der Regel ihren Masterabschluss innerhalb dieser äußerst umfangreichen Rahmenstudien anstreben.4

Betrachtet man die vielen verschiedenen Studiengänge »Peace and Conflict Studies« im Einzelnen und vergleicht sie untereinander, so fallen nicht nur inhaltlich-definitorische Unschärfen ins Auge, sondern es verfestigt sich ein Eindruck, der auch der forschenden Friedenswissenschaft seit jeher zum Vorwurf gemacht wird: Es handelt sich um einen thematisch schwierig einzugrenzenden »Gemischtwarenladen«, der von allem etwas, aber nur wenig fokussiert vertieftes Wissen anbietet. Man mag daher die Konsequenz, die in Deutschland bis vor einigen Jahren noch daraus gezogen worden war, keine eigenen Studiengänge zu entwickeln, dafür aber die thematische Breite im klassischen Fächerkanon anzubieten, für gerechtfertigt halten. Ebenso sind aber aus dieser Situation auch Argumente für die Entwicklung eigener, fokussierter Curricula abgeleitet worden und haben zu den bislang fünf neuen Studiengängen geführt.

Peace and Conflict Studies: zwei Begriffe - viele Themen

Allen Peace-Studies-Masterstudiengängen, die für diesen Beitrag zum Vergleich herangezogen wurden (etwa 50) ist gemeinsam, dass sie nach einem Creditpoint-System bewertet werden. Allerdings werden Pflicht- und Wahlkurse sehr unterschiedlich gewichtet und zum Teil auch inhaltlich völlig anders aufgebaut.5

Die stets in Anspruch genommene Interdisziplinarität nimmt sich in der praktischen Zusammensetzung der Studiengänge als bunte Multidisziplinarität aus, sowohl was die wahlweise Inanspruchnahme sozial- und geisteswissenschaftlicher Methoden als auch was die thematischen Inhalte aus dem gesamten Fächerkanon der Sozial-, Geschichts- und anderen Geisteswissenschaften,(weniger der Naturwissenschaften) betrifft.

Formal sind die einzelnen Module fast aller Curricula ähnlich gestaltet: Der Studiengang beginnt stets mit der Geschichte der »Peace Studies« und entsprechender Theoriebildung als Grundlagenwissen. Es schließen sich Pflichtkurse an, die im ersten oder zweiten Jahr des in den meisten Fällen viersemestrigen Studiengangs durch Praktika von unterschiedlicher Länge ergänzt werden. Spätestens im zweiten Studienjahr, mancherorts schon im ersten, können Wahlkurse zur Vertiefung und Spezialisierung - je nach Interesse - belegt werden.

Im Gegensatz zu den Peace-Studies-Curricula, die jetzt in Deutschland eingeführt wurden und die unter friedenswissenschaftlicher Perspektive und beginnend mit einem grundlegenden Basismodul sich inhaltlich in einer Spanne zwischen sicherheitspolitisch, auf die staatliche Ebene orientierten Themen und eher zivilgesellschaftlich orientierten Themen, wie Konfliktbearbeitungsmethoden und -fähigkeiten, bewegen, bieten die Masterstudiengänge an den amerikanischen Universitäten und Colleges einen bunten Strauß sehr viel ausdifferenzierterer Themenbereiche an. In Deutschland könnte dieses Phänomen Anlass sein, einmal mehr die multidisziplinäre und wenig fokussierte Beliebigkeit der »Peace Studies« kritisch zu hinterfragen und zum anderen das eigene Curriculum auf thematische Lücken hin zu überprüfen.

Das »Flaggschiff« in den USA - und für viele der Maßstab schlechthin, was Friedenslehre überhaupt sein kann oder sein sollte - ist das »Joan B. Kroc Institute for International Peace Studies« an der University of Notre Dame (Indiana).6 Sich mit einem Zertifikat aus dem Kroc-Institut auf dem entsprechenden Arbeitsmarkt zu bewerben, bedeutet bis heute, ganz vorne auf einer Bewerbungsliste zu landen. Am Aufbau sowohl des BA- als auch des Masterstudiengangs haben sich seit Gründung des Instituts im Jahr 1986 weltweit viele Peace and Conflict Studies-Programme orientiert. Für die Studierenden des Masterprogramms sind fünf Hauptmodule Pfichtbestandteil eines Studiums, das durch die zusätzliche Wahl verschiedenster weiterer Module viele Ausdifferenzierungen gemäß den eigenen Neigungen und Interessen erfährt: (1) Globale Politik und internationale Normen; (2) Religion und ethische Aspekte von Konflikt; (3) Politische Ökonomie von Krieg, Frieden und nachhaltiger Entwicklung; (4) Kultur, Krieg und Frieden sowie (5) Konfliktanalyse und Konflikttransformation.7

Naturgemäß sind die Curricula überall im Grunde davon geprägt, welche Kernkompetenzen die jeweiligen Lehrenden in Aufbau und inhaltliche Gestaltung des Studiengangs einbringen und in der Lehre umsetzen können. Neben der grundsätzlichen Orientierung am Curriculum des Kroc-Instituts finden sich bei den Studiengängen sowohl in den USA als auch in der übrigen Welt eine signifikante Anzahl thematischer Schwerpunktsetzungen, die vom jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld und den sozioökonomischen Kontexten des eigenen Landes geprägt sind. In den US-amerikanischen Masterstudiengängen spielt die Lehre über die Konflikte, Krisen und Kriege, in denen die US-Administration involviert ist, eine herausragende Rolle. An Hochschulen, die von religiösen Gemeinschaften finanziell stark unterstützt bzw. getragen werden, stehen religiöse und ethische Fragen in Konflikten und Friedensprozessen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.8

Insgesamt weisen die »Peace and Conflict Studies« in den USA und Kanada eine relativ ausgeprägte zivilgesellschaftliche Komponente auf, da viel über Friedens- und Menschenrechtsbewegungen und deren Kontexte gearbeitet und gelehrt wird. Die Betrachtung der sog. Meso-Ebene, die die Friedensfähigkeit von Gesellschaften, zivilgesellschaftliches Engagement bei Gruppenkonflikten und Konfliktbearbeitungsfähigkeiten zu beschreiben oder gar zu messen versucht, ist häufig stärker ausgeprägt, als die Betrachtung der Themenbereiche der sog. Makroebene, die die jeweiligen staatlichen (Macht-) Strukturen und ihre handelnden Akteure beschreiben will.9

Einige Masterstudiengänge in den USA nennen sich »Peace and Justice Studies« und verweisen damit auf thematische Schwerpunkte oder haben wie in Australien (Adelaide), Kolumbien, Argentinien oder Südafrika entsprechende Schwerpunkte in den Curricula, in denen ein gerechter gesellschaftlicher Wiederaufbau nach Bürgerkriegen und Versöhnung sowie ausgleichende Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung für kriegsgeschädigte Regionen wissenschaftlich erforscht und gelehrt werden.10

Drei Masterstudiengänge der besonderen Art sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, weil man sie aufgrund massiver Demokratiedefizite (Indonesien und Nigeria) und eines besonders schwierigen Umfelds (Israel) dort nicht unbedingt vermuten würde: An der Universität Ibadan (Nigeria), an der Universität Gadjah Mada (Indonesien) und an der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan (Israel) leisten die Masterstudiengänge nicht nur eine umfassende grundlegende und weiterführende Ausbildung, sie sind darüber hinaus trotz ihrer immensen thematischen Vielfalt in allen Bereichen auf das Wesentliche fokussiert, was »Peace and Conflict Studies« ausmacht: die Analyse konfliktursächlicher Gewalt und Verwerfungen sowie die praktische und visionäre Entwicklung ausgleichender Politikkonzepte, deren Kernpunkt die Überwindung staatlicher und gesellschaftlicher Gewalt ist.11

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass das »Alte Europa« mit dem 1973 gegründeten »Department of Peace Studies« und dessen BA-, Master- und PhD-Studiengang an der Universität Bradford (England) ebenfalls globale Maßstäbe setzte, an dem sich inzwischen andere Universitäten (vor allem in Großbritannien und Irland sowie in den skandinavischen Ländern) orientieren.12 Die Vielfalt der Abschlüsse ist Vorbild: Bradford bietet nicht nur einen undergraduate- und einen PhD-Studiengang an, sondern auch drei verschiedene Masterabschlüsse innerhalb des Peace-Studies-Curriculums:

Thematische Breite und Tiefe, die durch eine sehr gute personelle und infrastrukturelle Ausstattung des Fachbereichs gewährleistet werden können, suchen in Europa ihresgleichen.

In England ist außerdem das schon erwähnte »Richardson Institute for Peace and Conflict Research« mit seinem Masterangebot beispielgebend, etwa für den Aufbau der entsprechenden Studiengänge in Irland an der Universität Limerick und am Trinity College in Dublin. Diese beiden zuletzt genannten stellen im Aufbau ihrer Studiengänge außerdem den Nordirlandkonflikt ins Zentrum der Lehre und damit das beispielhafte Lernen über einen gewalthaltigen und in den Ursachen historisch weit zurückgehenden Konflikt.13

Insgesamt findet man das dichteste Netz von Peace and Conflict Studies-Masterangeboten in Europa in Großbritannien und Irland, gefolgt von den skandinavischen Ländern, etwa an den Universitäten Göteborg und Uppsala (Schweden) sowie an den Universitäten Oslo und Tromsø (Norwegen).14

Vielfalt der Peace and Conflict Studies - eine Herausforderung

Dieser Beitrag konnte nur einen kleinen und punktuellen Einblick in die thematisch und methodisch multidisziplinäre und äußerst bunte Welt der »Peace and Conflict Studies« geben. In einem permanenten Prozess der Weiterentwicklung sind die Protagonist/inn/en dieser Studiengänge dazu aufgerufen, sich - bei aller Schwierigkeit und methodischen Komplexität - fortlaufend um Interdisziplinarität, begriffliche Klarheit in der Vielfalt, um normative Orientierung versus positivistischer Linearität und um die angemessene akademische und populäre Vermittlung der Inhalte dieser »Überlebenswissenschaft« (Gustav Heinemann) zu bemühen.

Ob als Appell verstanden oder als Selbstverständlichkeit - der Beitrag der »Peace and Conflict Studies«, Bewusstsein friedensfördernd zu verändern, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Weiterführende Websites

Für umfassende Informationen empfehlen sich diese beide Meta-Websites, über die nahezu alle akademischen Peace and Conflict Studies Programme global verlinkt sind http://directory.google.com/Top/Society/Issues/Peace/Peace_Studies/ www.incore.ulst.ac.uk/services/cds/ metadata/programs.html.

Dr. Regine Mehl ist Leiterin der Arbeitsstelle Friedensforschung Bonn (AFB), www.priub.org.

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Zielsetzungen und Förderaktivitäten

von Thomas Held

Die Ausschreibung von Fördermitteln zur Einrichtung von geistes- und sozialwissenschaftlichen Masterstudiengängen »Friedens- und Konfliktforschung« an deutschen Hochschulen vom Dezember 2001 stieß auf ein unerwartet großes Interesse. Aus den insgesamt acht Bewerbungen konnten nach dem Begutachtungsverfahren drei Studiengangprojekte, die ihre eigenen Ausbildungsschwerpunkte setzen und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, in die Förderung aufgenommen werden:

Der Studienbetrieb konnte in allen drei Projekten zum Wintersemester 2004/2005 erstmals aufgenommen werden. Die über einen Zeitraum von fünf Jahren geförderten Studiengangprojekte wurden jeweils mit einer Personalstelle (C3-Professur, Juniorprofessur, wissenschaftliche Mitarbeiterstelle) ausgestattet, um den umfangreichen Lehrverpflichtungen nachkommen zu können.

Darüber hinaus fördert die Stiftung ein einjähriges interdisziplinäres Aufbaustudium »Friedensforschung und Sicherheitspolitik«, das vom Kooperationsverbund der deutschen Friedensforschungsinstitute getragen und an der Universität Hamburg zertifiziert wird.

Mit dem Programm zur Struktur- und Nachwuchsförderung verfolgt die Stiftung die Zielsetzung, grundlegende Defizite in Forschung und Ausbildung im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung zu beseitigen und mit der Umsetzung der Fördermaßnahmen neue Akzente in Wissenschaft und Hochschule zu setzen.

Die Curricula der Masterprogramme sollen Raum für innovative Lehrkonzepte und Ausbildungswege bieten, die sich durch ihre inter- und transdisziplinäre Offenheit auszeichnen und zudem praxisorientierte Studienelemente enthalten, die eine Rückkopplung des Theorie- und Methodenwissens ermöglichen.

Des weiteren ist eine Internationalisierung des Studienangebots, z. B. über englischsprachige Lehrangebote, Austauschprogramme und Praktika, gefordert, um zum einen die interkulturelle Kompetenz zu fördern und zum anderen internationalen Ausbildungsstandards zu genügen. Die Stiftung legt großen Wert darauf, dass die Studienangebote sowohl den Erwerb wissenschaftlicher als auch berufsrelevanter Qualifikationen und Kompetenzen einbeziehen.

Die Förderung der Masterstudiengänge zielt somit zum einen auf die Ausbildung und Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses, zum anderen soll der Studienabschluss geeignet sein, die vielfältigen Berufsfelder in Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur zu erschließen. Die Stiftung wird die Fördermaßnahmen mit Evaluierungen begleiten, um Rückschlüsse über die Realisierung der Zielsetzungen ziehen zu können.

Dr. Thomas Held ist Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) (www.bundesstiftung-friedensforschung.de)

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Masterstudiengang »Friedensforschung und Internationale Politik«

von Thomas Nielebock

Seit dem Wintersemester 2004/05 bietet das Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen den zweijährigen interdisziplinären Masterstudiengang »Friedensforschung und Internationale Politik« an. Bei einem erfolgreichen Abschluss dieses Studiengangs verleiht die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Tübingen den akademischen Grad »Master of Arts Friedensforschung und Internationale Politik«.

Zum Wintersemester 2004/05 haben 15 Studierende das Studium in diesem Studiengang aufgenommen, darunter sieben ausländische Studierende oder solche, die ihren ersten Studienabschluss im Ausland erworben haben.

Studienziel

Das Studienangebot richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit einem sozialwissenschaftlichen Erststudium, die in friedenswissenschaftlichen und friedenspolitisch relevanten Bereichen tätig werden wollen. Mit der erneuten Zunahme der Komplexität von Politik durch vermehrte grenzüberschreitende sowie globale Konfliktlagen und Herausforderungen durch Globalisierung und Fragmentierung im Zuge der Denationalisierung von Politik wächst zugleich auch der Bedarf an sozialwissenschaftlicher Kompetenz, insbesondere auf den Gebieten der Krisenprävention, Konfliktbearbeitung, Friedensförderung und des Weltregierens. Im Masterstudiengang »Friedensforschung und Internationale Politik sollen die notwendigen Kompetenzen vermittelt werden, um mit den neuen Herausforderungen für den Frieden umgehen zu können.

Als mögliche Berufsfelder der Absolventinnen und Absolventen dieses Studiengangs sind zu nennen der Diplomatische Dienst, die Arbeit in internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs; Wirtschaft), Wissenschaft und Forschung, Entwicklungszusammenarbeit und Konfliktmanagement, die Medien und die politische Bildung.

Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs stehen sowohl das forschende als auch das erprobende Lernen friedenswissenschaftlicher Zusammenhänge. Zum einen sollen die Dynamiken, Prozesse und Strukturen gewaltförmiger Konflikte analysiert und diese Analyse durch praxisrelevante Erfahrungen vertieft werden. Zum anderen geht es darum, Chancen und Möglichkeiten von Kooperation zur Bewältigung internationaler und innergesellschaftlicher gewaltträchtiger Konflikte kennen zu lernen. Gestützt auf methodisch gesicherte und theoretisch fundierte Grundlagenforschung werden Konzepte, Institutionen und Strategien der Gewaltprävention und friedlicher Konfliktbearbeitung kritisch überdacht, entworfen und weiterentwickelt. Ferner werden Einblicke in die ethischen Fragen der Internationalen Politik vermittelt, wird Frieden als normativer Leitwert beruflicher und insbesondere wissenschaftlicher Arbeit nahe gebracht.

Die Seminare und Vorlesungen geben einen fundierten Einblick in verschiedene Bereiche der internationalen Politik unter friedenswissenschaftlicher Perspektive (z.B. Sicherheit, Umwelt, Menschenrechte, Wirtschaft). Es stehen Probleme wie Krieg und Frieden in verschiedenen Weltregionen auf dem Programm sowie

Die Analyse der Außenpolitik ausgewählter Länder und Theorien über internationale Beziehungen und Frieden sowie Methodenprobleme der Analyse internationaler Politik aus friedenswissenschaftlicher Perspektive sind ebenfalls fester Bestandteil des Lehrangebots.

Die Lehrmethoden sind vielfältig und sollen ein forschendes und selbst erprobendes Lernen der Studierenden ermöglichen. Aus diesem Grunde wird ein Großteil der Lehrveranstaltungen in Form von Seminaren durchgeführt. Im Zentrum steht dabei der Seminartyp, bei dem die Studierenden eine Problemstellung durch Recherche und Analyse selbst bearbeiten müssen. Daneben werden aber Seminare auch in Form von Lektürekursen, als Projektkurse (u.a. im Bereich der Friedenspädagogik), als Kurse zur Konzipierung von Forschungsprojekten sowie mit mehrtägigen Simulationselementen (Model United Nations; Mediation in internationalen Konflikten) durchgeführt. Einige der Lehrveranstaltungen schließen Exkursionen (u.a. Wien, Straßburg, Brüssel zum Thema Europäische Sicherheit; New York im Rahmen des Simulationsprojekts Model United Nations) und Kompaktphasen mit ein. Außerdem werden Seminare auch von Lehrbeauftragten angeboten, die in für die Schwerpunkte relevanten Berufsfeldern als ausgewiesene Expertinnen und Experten tätig sind und so neben dem politischen Praxisbezug auch zugleich einen Einblick in ein Berufsfeld geben. Das Lehrprogramm sieht auch englischsprachige Veranstaltungen vor.

Friedensforschung in Tübingen

Mit der Einführung des Masterstudiengangs »Friedensforschung und Internationale Politik« knüpft die Universität Tübingen an eine langjährige und erfolgreiche Tradition friedenswissenschaftlicher Grundlagenforschung und Lehre an.

Nachdem sich Ende der sechziger Jahre Lehrende und Studierende, die an Fragen der Friedensforschung interessiert waren, als Arbeitgruppe Friedensforschung (AGFF) konstituiert hatten, wurde 1972 mit der Einrichtung des Lehrstuhls »Internationale Beziehungen/ Friedens- und Konfliktforschung« und dessen Besetzung mit Professor Volker Rittberger, Ph.D., eine erste dauerhafte Verankerung dieses Forschungs- und Lehrschwerpunktes an der Universität Tübingen erreicht. 1991 wurde die Abteilung »Internationale Beziehungen/ Friedens- und Konfliktforschung« gebildet und 1996 der Magisterstudiengang »Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen« eingerichtet.

Seit 1968 hat die AGFF und spätere Abteilung Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung eine ganze Reihe von Projekten durchgeführt, die von der Friedenserziehung, über Abrüstungsfragen bis hin zu Theorien der Internationalen Beziehungen reichten. Die inhaltlichen Forschungsschwerpunkte des Instituts lagen in den letzten Jahren insbesondere auf der Analyse internationaler Regime und internationaler Organisationen, der vergleichenden Außenpolitikanalyse unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Außenpolitik seit der Vereinigung und der Analyse der Rolle nicht-staatlicher internationaler Organisationen (NGOs).

Ein erst jüngst etablierter Forschungsbereich untersucht im Zuge der zunehmenden Entstaatlichung des Krieges und Denationalisierung im Sicherheitsbereich die wachsende Rolle nicht-staatlicher Akteure. Der Forschungsschwerpunkt gilt dabei insbesondere dem eskalationsfördernden bzw. de-eskalierenden Potenzial von Unternehmen und Religionsgemeinschaften in Konflikten.

In der Lehre werden seit Anfang der 1970er Jahre regelmäßig Veranstaltungen angeboten, die in die Hauptfragestellungen der Friedens- und Konfliktforschung einführen und die zu ausgewählten Problemstellungen Vertiefungen zulassen. Mit der Etablierung des Masterstudiengangs »Friedensforschung und Internationale Politik« und der damit einhergehenden und von der Deutschen Stiftung Friedensforschung geförderten Einrichtung einer gleichnamigen Professur erfährt diese langjährige Lehrtradition eine deutliche Verstärkung. Die Professur wurde mit Dr. Andreas Hasenclever besetzt, dessen Forschungsschwerpunkte die Rolle von Religionsgemeinschaften in Konflikten sowie die Theorie des demokratischen Friedens darstellen.

Mit dem Institut für Friedenspädagogik Tübingen, der Stiftung Weltethos, dem Zentrum für Konfliktmanagement und dem Graduiertenkolleg »Globale Herausforderungen - transnationale und transkulturelle Lösungswege«, zu denen vielfältige Kooperationsbeziehungen bestehen, gibt es zudem ein anregendes und herausforderndes Umfeld.

Studienprogramm

Das Studienprogramm teilt sich inhaltlich in sieben verschiedene Module. Insgesamt sind 120 Leistungspunkte für ein erfolgreiches Studium nachzuweisen.

Das obligatorische Grundlagenmodul 1 und 2 führt in die Grundfragen der Friedensforschung ein, behandelt ihre Methoden, Probleme und Theorien und vermittelt darüber hinaus Kenntnisse über die Grundzüge der Weltpolitik. Die Wahlpflicht-Module (3-7) decken möglichst breit das Gesamtspektrum der Themenfelder der Friedensforschung ab und bieten eine Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten an.

Thematisch geeignete Lehrveranstaltungen aus anderen Fächern gehören ebenfalls zum Studienprogramm.

Übersicht über die Lehrveranstaltungen

Modul 1: Grundlagen der Analyse internationaler Politik aus friedenswissenschaftlicher Perspektive (Pflichtbereich)

Friedens- und Konfliktforschung: normative Grundlagen, Entwicklung, Hauptfragestellungen (Kompaktseminar vor Semesterbeginn)
Methodenprobleme der Analyse internationaler Politik aus friedenswissenschaftlicher Perspektive
Theorien über internationale Beziehungen und Frieden
Ethische Fragen der Internationalen Beziehungen aus friedenswissenschaftlicher Perspektive

Modul 2: Analyse zentraler Konflikte der internationalen Politik und ihrer Bearbeitung (Pflichtbereich

Grundzüge der Weltpolitik (VL) oder Geschichte der Internationalen Beziehungen
Internationale Institutionen (VL)
Modernisierungs-, Transformations- und Entwicklungstheorien (VL)
Internationale Ordnungsprobleme/ Internationale Politikfeldanalysen
Gewaltträchtige Konflikte und deren Austrag in und zwischen Gesellschaften

Modul 3: Akteure und ihr Handeln in globaler Perspektive (Wahlpflichtbereich)

Außenpolitik-Analyse (VL)
Vergleichende Außenpolitik-Analyse (Industrieländer)
Internationale Beziehungen einer außereuropäischen Region
EU in der internationalen Politik
NGOs in der internationalen Politik
Verhandlungen und Mediation (mit Simulation)
Friedenskompetenz und Konfliktfähigkeit/ Friedenspädagogik
Globales Lernen/ Friedenspädagogik
Thematisch passende Lehrveranstaltung aus affinen Fächern (z.B. Rechtswissenschaften,
Wirtschaftswissenschaften, Ethnologie, Psychologie, Sprachwissenschaften)

Modul 4: Weltordnungsprobleme und Internationales Regieren (Wahlpflichtbereich)

Grundzüge der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung I und II (VL)
Völkerrecht (VL)
Weltordnungspolitik/ global governance
UN System (mit Model United Nations)
Internationale Beziehungen einer außereuropäischen Region
oder Internationale Sicherheit in Europa (mit Exkursion)
Globales Lernen/ Friedenspädagogik
Integrationstheorien- und prozesse
Entwicklungen der europäischen Integration
Thematisch passende Lehrveranstaltung aus affinen Fächern (z.B. Psychologie, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften)

Modul 5: Krieg und Frieden (Wahlpflichtbereich)

Politische Philosophie des Friedens und des Krieges
Konfliktanalyse und Internationales Konfliktmanagement
Weltordnungspolitik/ global governance
Gesellschaftliche Voraussetzungen von Frieden und Friedlosigkeit
Verhandlungen und Mediation (mit Simulation)
Integrationstheorien und -prozesse oder Struktur- und Entwicklungsprobleme in außereuropäischen Regionen
Friedenskompetenz und Konfliktfähigkeit/ Friedenspädagogik
Entwicklungs- und Strukturprobleme einer Region (VL)
oder Internationale Sicherheit in Europa (mit Exkursion)
Thematisch passende Lehrveranstaltung aus affinen Fächern (z.B. Ethnologie, Psychologie, Sprachwissenschaften)

Modul 6: Gewaltträchtige Konflikte in außereuropäischen Regionen (Wahlpflichtbereich)

Grundzüge der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung I u. II (VL)
Entwicklungs- und Strukturprobleme einer Region (VL)
Internationale Beziehungen einer außereuropäischen Region (VL)
Entwicklungstheorie und -politik
Entwicklungs- und Strukturprobleme einer Region
Konfliktanalyse und Internationales Konfliktmanagement
Weltordnungspolitik/ global governance
Gesellschaftliche Voraussetzungen von Frieden und Friedlosigkeit
Thematisch passende Lehrveranstaltung aus affinen Fächern (z.B. Ethnologie, Psychologie, Geographie, Kulturwissenschaften)

Modul 7: Europa als Friedenszone (Wahlpflichtbereich)

EU als politisches System (VL)
Europarecht (VL)
Weltordnungspolitik/ global governance
EU in der internationalen Politik
Integrationstheorien und -prozesse
Entwicklungen der europäischen Integration
Internationale Sicherheit in Europa (mit Exkursion)
Gesellschaftliche Voraussetzungen von Frieden und Friedlosigkeit
Thematisch passende Lehrveranstaltung aus affinen Fächern (z.B. Ethnologie, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften)

Abschluss

Forschungsseminar
Examensarbeit

Studienbeginn und Studiendauer

Ein Studienbeginn des MA-Studiengangs »Friedensforschung und Internationale Politik« ist immer nur zum Wintersemester möglich. Die Studiendauer für den MA-Studiengang »Friedensforschung und Internationale Politik« beträgt in der Regel vier Semester (Regelstudienzeit). In dieser Zeit sind insgesamt 120 Leistungspunkte (LP) zu erwerben.

Für die Studienanfänger beginnt das Wintersemester jeweils eine Wochevordem regulären Beginn mit dem Seminar »Friedens- und Konfliktforschung«.

Zulassungsvoraussetzungen

Zum Masterstudiengang »Friedensforschung und Internationale Politik« kann zugelassen werden, wer über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügt und die BA-Prüfung oder eine gleichwertige Prüfung im Fach Politikwissenschaft oder in einem vergleichbaren sozialwissenschaftlichen Studiengang mindestens mit der Note »gut« (2,5 und besser) abgeschlossen hat. Die Bewerbung muss bis zum 15. Juli (Ausschlussfrist) erfolgen. Gute Englisch-Kenntnisse müssen nachgewiesen werden. Ausländische Studierende müssen darüber hinaus gute Kenntnisse der deutschen Sprache und ggfs. die Sprachprüfung HDS nachweisen.

Weitere Informationen

Detaillierte Informationen finden sich unter:

www.uni-tuebingen.de/polmasterfip/ (Informationen zum Studiengang)

www.uni-tuebingen.de/pol/lehre.htm (Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis)

http://www.uni-tuebingen.de/studentensekretariat/download.html (Bewerbungsunterlagen für deutsche. Staatsangehörige)

http://www.uni-tuebingen.de/abz/abzinfo/Auslinfo/Zulassung_deutsch.pdf (deutsch) (Bewerbungsunterlagen für ausländische Staatsangehörige)

Über das Institut insgesamt informiert am ausführlichsten die Homepage des Instituts

www.uni-tuebingen.de/pol/

Dr. Thomas Nielebock ist Wiss. Mitarbeiter des Instituts für Politikwissenschaften, Abt. Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung, der Eberhard Karls Universität Tübingen

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Masterstudiengang »Friedens- und Konfliktforschung«

von Lars Schmitt

Mit dem Wintersemester 2004/05 hat die Marburger Philipps-Universität ihren Hauptfachstudiengang Friedens- und Konfliktforschung aufgenommen, der mit einem Master of Arts Degree nach vier Semestern Regelstudienzeit und einem Gesamtarbeitsaufwand von 120 Leistungspunkten abgeschlossen wird. Der Studiengang wird von der Deutschen Stiftung Friedensforschung umfangreich unterstützt. Er soll dazu qualifizieren, politische Konflikte mit globalem Bezug analysieren, Konfliktregelungsmöglichkeiten erarbeiten und darüber hinaus selbst bei der Bearbeitung von Konflikten mitwirken zu können. Die hierzu notwendigen analytischen und Handlungskompetenzen sowie weitere Schlüsselqualifikationen werden durch ein praxisorientiertes, international ausgerichtetes, interdisziplinäres Curriculum vermittelt, das mit einer problemorientierten Didaktik des dialogischen Lernens und Lehrens arbeitet, auf Kleingruppenarbeit zurückgreift und dabei Methoden wie Rollen- und Planspiele, Szenariotechniken und Videopräsentationen zur Anwendung bringt.

Mit dem Masterstudiengang erweitert die Philipps-Universität Marburg ihr Ausbildungsangebot in der Friedens- und Konfliktforschung. Seit 1996 gibt es einen sehr erfolgreichen Magister- und Diplomnebenfachstudiengang mit zuletzt 300 Studierenden pro Semester. Die große Nachfrage durch Studierende und der von einschlägigen Institutionen angemeldete Bedarf an qualifiziertem Personal - etwa im Bereich der zivilen Konfliktbearbeitung - haben uns dazu bewogen, mit dem Wintersemester 2004/05 einen Masterstudiengang anzubieten.

Das Studienprogramm wird vom interdisziplinären Zentrum für Konfliktforschung entwickelt und durchgeführt. Das Zentrum wurde vor drei Jahren gegründet. In ihm arbeiten zur Zeit 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 14 Fachbereichen. Forschungsschwerpunkte des Zentrums sind Interdisziplinäre Theorieentwicklung, Gewaltforschung, Intergruppenkonflikte, Konfliktregelung, Trans- und internationale Konflikte, Normkonflikte und Normbildung.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs stehen politische Konflikte, die einen weltgesellschaftlichen Bezug aufweisen. Dies stellt eine notwendige Reaktion auf den globalen politischen und gesellschaftlichen Wandel dar, der u.a. dadurch gekennzeichnet ist, dass eine Vielzahl von Konflikten nicht mehr primär innerhalb eines Nationalstaates und zwischen souveränen Nationalstaaten ausgetragen werden. Vielmehr zeigen Phänomene wie die »neuen Kriege«, humanitäre Interventionen, wie Gewaltmärkte und interethnische Konflikte, aber auch die Etablierung transnationaler Institutionen der Konfliktregelung und die Entwicklung globaler normativer Standards eine Veränderung der traditionellen, oftmals an nationalstaatlichen Grenzen entlang verlaufenen Konfliktlinien. Dieser Wandel macht in sich bereits deutlich, dass die inhaltliche Ausrichtung der Wissensvermittlung nur einen Teil darstellen kann, jenem Wandel zu begegnen. Vielmehr ist bereits die Analyse von Konflikten zunehmend auf interdisziplinäre Kooperation angewiesen. Auch scheint die Fähigkeit an Bedeutung zu gewinnen, sich in »fremde« Perspektiven hineinversetzen, eigene (lebensweltliche, politische, kulturelle und wissenschaftstheoretische) Positionen relativieren zu können. Derartige Kompetenzen sind nur durch Übung zu erwerben. Dies macht eine didaktische Konzeption erforderlich, die ein eigenverantwortliches dialogisches Lernen in Kleingruppen fördert und mit Methoden wie Rollen- und Planspielen dieses Einüben ermöglicht. Dadurch soll nicht nur das Wissen »tiefergehend« vermittelt und der analytische Blick geschärft werden. Vielmehr ist für das zweite wichtige Qualifikationsziel, nämlich bei der Bearbeitung von Konflikten im internationalen Kontext in Konzeption und Praxis mitwirken zu können, die didaktische Ausrichtung sehr bedeutsam. Das Erreichen dieses praxisorientierten Qualifikationsziels soll darüber hinaus durch feste curriculare Bestandteile ermöglicht werden, wie zum Beispiel durch ein ca. zehnwöchiges internationales Praktikum aus dem Bereich der Konfliktregelung, eine transdisziplinär entwickelte Konfliktregelungsübung sowie durch Workshops zu Konfliktanalysen in englischer Sprache. Die Fähigkeit, im interdisziplinären Kontext forschen zu können, soll v.a. durch interdisziplinäre Forschungsseminare erworben werden.

Zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung werden das gesamte Masterprogramm sowie die einzelnen Module und Lehrveranstaltungen fortlaufend evaluiert. Diese Evaluation nehmen die Lehrenden und Studierenden des Masterprogramms vor. Darüber hinaus wird der Studiengang auch extern evaluiert.

Gegenstand und inhaltliche Ausrichtung

Wie bereits erwähnt stehen Konflikte im Mittelpunkt, die im Zuge des weltgesellschaftlichen Wandels virulent werden und sich lokal, regional und global in breitenwirksamen Auseinandersetzungen zwischen Akteuren mit unterschiedlichen Interessen und Identitäten äußern. Im folgenden sind einige Beispiele von Themenbereichen des Studiengangs aufgeführt:

Ein Schwerpunkt des Masterstudiengangs liegt bei den Konfliktregelungen. Damit wird einerseits der für die Friedens- und Konfliktforschung charakteristische Praxisbezug und andererseits das analytische Interesse an Friedens-, Präventions- und Deeskalationsprozessen zur Geltung gebracht. Mit einem solchen Schwerpunkt sollen zugleich die jüngsten und weiterhin zu erwartenden Entwicklungen hin zu einer politischen Weltgesellschaft - sichtbar etwa am Internationalen Strafgerichtshof, am postnationalen Konzept von Staatsbürgerschaft oder an der Differenz zwischen einem neorealistischen und einem neoinstitutionalistischen Konzept von Außen- und Sicherheitspolitik - in systematischer Weise berücksichtigt werden. Von hier aus lässt sich dann eine Brücke schlagen zu den transnationalen Politikbezügen von lokal und lebensweltlich handelnden Akteuren.

Didaktik

Das didaktische Konzept, mit dem die Einheit von analytischen und praktischen Kompetenzen im Studiengang gewährleistet werden soll, stellt den studentischen Lernprozess und die qualitative Wissensveränderung - statt einer additiven Wissensvermehrung - in den Mittelpunkt. Im Kern geht es dabei um die Ermöglichung studentischen Lernens durch eine dazu geeignete Lernumgebung, die einerseits studentisches Tiefenlernen fördert und die es andererseits ermöglicht, dass sich die Studierenden kommunikative und interkulturelle Kompetenzen aneignen können. Dies wird dadurch gewährleistet, dass die Lehrveranstaltungen dialogisch konzipiert sind und die Vermittlung von analytischen Fähigkeiten selbst als einen interaktiven Prozess verstehen. Dafür geeignete Methoden sind beispielsweise Rollen- und Planspiele, Simulationen, die Erstellung von Videopräsentationen oder die Durchführung von Workshops und Diskussionsrunden, vor allem aber das Konzept des projekt- und problembasierten Lernens, bei dem Projekte mit einem klaren Problembezug von Kleingruppen selbständig erarbeitet und entsprechende Problem- und Konfliktlösungen präsentiert werden.

Neben den analytischen Kompetenzen erwerben die Studierenden Fähigkeiten, die als Schlüsselqualifikationen der Friedens- und Konfliktforschung gelten können. So wird durch diese Lernform nicht nur soziale Kompetenz im Sinne der Fähigkeit, Perspektivenwechsel vorzunehmen, eingeübt. Trainiert wird durch die Kleingruppenarbeit ferner die Teamfähigkeit der Studierenden, die lernen müssen, ein Thema gemeinsam zu erarbeiten. Diese Gemeinsamkeit kann sich dabei nicht auf die gewohnte Form der Arbeitsteilung beschränken, weil die Präsentation eine Interaktion und die dementsprechende Koordination sowie Kooperation der Gruppe erforderlich macht. Die selbständige Erarbeitung des Konflikts und die selbst gewählte Präsentationsform führt aber nicht nur zu erhöhter Kooperationsfähigkeit, sondern auch zu Selbstverantwortlichkeit und Kritikfähigkeit seitens der Studierenden, da sie die Präsentation in höherem Maße als »ihr« Projekt auffassen können, als dies bei herkömmlichen Referaten der Fall ist. Das Betreuungssystem ist vor allem eine Hilfe zur Selbsttätigkeit und sichert die notwendigen Rahmenbedingungen für ein solches Lernen. Es fängt darüber hinaus die Risiken des Scheiterns ab, die sich aus dieser Lernform zwangsläufig ergeben.

Bevor die interdisziplinären und internationalen Komponenten sowie die konkrete curriculare Umsetzung dieses Ansatzes in aller Kürze vorgestellt werden, sei noch darauf hingewiesen, dass die mit der Gesamtkonzeption einhergehende Vermittlung von Schlüsselqualifikationen (soziale Kompetenz, Organisations- und Medienkompetenz) auch für Tätigkeitsfelder außerhalb der Friedens- und Konfliktforschung immer bedeutsamer wird.

Interdisziplinarität

Am Studienangebot des Masterstudiengangs beteiligen sich unterschiedliche Disziplinen wie etwa die Politikwissenschaft, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Theologie, Rechtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Medizin, Informatik oder die Biologie. Dies gilt insbesondere für die Seminare zu den Konfliktanalysen und die begleitenden Vorlesungen.

Daneben umfasst das Studienprogramm eine transdisziplinäre Übung zur Konfliktregelung und Mediation, die von verschiedenen Disziplinen gemeinsam entwickelt wurde.

Einen besonderen Stellenwert nehmen die interdisziplinären Forschungsseminare im Studienprogramm ein. Sie werden von wenigstens zwei Lehrenden aus unterschiedlichen Disziplinen angeboten, die gemeinsam mit den Studierenden ein interdisziplinäres Forschungskonzept entwickeln und im Anschluss daran kleinere Projekte dazu durchführen.

Internationalität

Der Masterstudiengang ist durch seine curriculare Modularisierung und die Verwendung des European Credit Transfer Systems (ECTS) Teil des europäischen Prozesses zur Entwicklung vergleichbarer Studienabschlüsse und Studienprogramme. Dadurch ist gewährleistet, dass einzelne Studieninhalte auch im europäischen Ausland erworben werden können und der Abschluss europaweit anerkannt wird.

Zur internationalen Ausrichtung des Masterprogramms gehört das internationale Praktikum, das die Studierenden mit einem Bericht in englischer Sprache abschließen. Darüber hinaus finden regelmäßig Lehrveranstaltungen in englischer Sprache statt, darunter eine der Grundlagenvorlesungen - »Conflict and Conflict Resolution« - sowie verschiedene Konfliktanalysen.

Teil des Studiengangs ist ferner ein Dozentenaustausch mit ausländischen Partneruniversitäten und die Durchführung von Workshops mit ausländischen Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Konfliktregionen und Institutionen, die sich mit Prozessen der Konfliktregelung befassen.

Curriculum und Studienablauf

Das Studienprogramm des Masterstudiengangs folgt einem curricularen Aufbau, erstreckt sich auf vier Semester und umfasst die folgenden sechs Module:

IEinführungen in die Friedens- und Konfliktforschung

IIKonfliktanalysen und Konfliktregelung

IIIInternationales Praktikum

IVInterdisziplinäre Forschungsseminare

VInter- und multidisziplinäre Rahmenvorlesungen

VIMasterarbeit und Abschlussprüfung

Das Modul I beinhaltet die Einführungsveranstaltungen in das Fach. Neben einer Einführungsvorlesung werden eine Übung und darüber hinaus Seminare zu sozialwissenschaftlichen Konflikttheorien und zu Formen der Konfliktregelung angeboten. Hier sollen die grundlegenden fachgeschichtlichen, begrifflichen und theoretischen Kenntnisse erworben werden.

Darauf aufbauend stehen im Modul II Konfliktanalysen im Mittelpunkt, die jeweils einen Schwerpunkt auf politische, kulturelle, ökonomische und ökologische Faktoren legen. Ebenfalls Bestandteil ist eine transdisziplinäre Übung zur Konfliktreglung und Mediation. Die grundlegenden Kenntnisse des ersten Moduls werden in Modul II an ausgewählten Konflikten vertieft, die Kompetenzen im Bereich der Konfliktregelung durch eine praktische Übung erweitert.

Im Modul III absolvieren die Studierenden ein ca. zehnwöchiges internationales Praktikum im Bereich der Konfliktregelung, das vom Zentrum begleitet und mit den Studierenden vor- und nachbereitet wird.

Das Modul IV überführt die analytischen Fähigkeiten und praktischen Erfahrungen aus den Seminaren, Übungen und dem Praktikum in interdisziplinäre Forschungszusammenhänge. Es besteht aus interdisziplinären Forschungsseminaren zu politischen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Faktoren politischer Konflikte.

Das Modul V rahmt die ersten vier Module durch Grundlagenvorlesungen zum Völkerrecht, zu den Internationalen Beziehungen und zu »Conflict and Conflict Resolution«. Hier werden Grundlagen aus Kernbereichen der Friedens- und Konfliktforschung vermittelt, die für die Analyse politischer Konflikte in der Weltgesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Außerdem werden in der Interdisziplinären Ringvorlesung globale Konfliktszenarien diskutiert.

Im Modul VI wird im Anschluss an eines der beiden Forschungsseminare die 40-60seitige Masterarbeit verfasst und eine einstündige Abschlussprüfung abgelegt.

Die inhaltlichen und thematischen Schwerpunkte der einzelnen Module werden studienbegleitend geprüft und gehen größtenteils in die Masternote anteilsmäßig ein.

Zulassungsvoraussetzungen und Studienabschluss

Zu Beginn des Studiengangs im Wintersemester 2004/05 konnten erstmals knapp 20 Studierende aufgenommen werden. Zulassungsvoraussetzungen sind ein Bachelor- oder diesem gleichwertiger Abschluss sowie gute Englischkenntnisse. Die Zulassung kann mit der Auflage verbunden werden, Veranstaltungen aus dem Bereich der empirischen Sozialforschung zu belegen, sofern keine ausreichenden Methodenkenntnisse in dem grundständigen Studiengang erworben wurden.

Als Abschluss wird ein Master of Arts (M.A.) in Friedens- und Konfliktforschung verliehen und ein Diploma Supplement ausgestellt, das alle Studien- und Prüfungsleistungen dokumentiert.

Dipl.-Soz. Lars Schmitt ist Wiss. Mitarbeiter im Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg Weitere Informationen unter: www.uni-marburg.zfk

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Masterstudiengang »Friedens- und Konfliktforschung«

von Britta Krause und Jörg Meyer

Der Studiengang Friedens- und Konfliktforschung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist ein viersemestriger Aufbaustudiengang (Master), der sowohl interdisziplinär wie praxisorientiert angelegt ist und jeweils zum Wintersemester aufgenommen werden kann. Er soll auf eine spätere Tätigkeit in der Friedensforschung, in internationalen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen und/oder in der Friedens- und Menschenrechtserziehung vorbereiten und gliedert sich in einen Pflichtbereich (Modul I), vier Schwerpunktbereiche (Module II-V) und einen Praxisbereich (Modul VI).

Das Modul I besteht aus fünf Pflichtveranstaltungen, die im ersten Studienjahr zu belegen sind und deren Lehrinhalte studienbegleitend nach dem zweiten Semester geprüft werden. Die Studierenden sollen in diesem Modul Kenntnisse erwerben, die als Essentials der FKF gelten können. In der Veranstaltung »Theorien und Methoden« werden umstrittene Begriffe wie Frieden, Krieg und Gewalt analysiert, konkurrierende methodische Lehren diskutiert sowie das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis problematisiert. In den weiteren Veranstaltungen wird ein Überblick über aktuelle »Strategien und Instrumente« der Konfliktbearbeitung, rechtliche Argumentationsmuster (Einführung in das Völkerrecht), verschiedene Ansätze der »Internationalen Politischen Ökonomie« und aktuelle Formen der »Menschenrechtspolitik und Menschenrechtserziehung« sowie deren möglichen zivilisierenden Leistungen gegeben.

Abgesehen von den Veranstaltungen des Pflichtmoduls ist der Studiengang bewusst so angelegt, dass die Studierenden eine individuelle Schwerpunktbildung auf einen bis maximal drei Bereiche vornehmen und sich ihr Studienprogramm selbst zusammenstellen. Deshalb werden in jedem Semester Veranstaltungen in allen vier Wahlpflichtmodulen angeboten, wobei die einzelnen Bereiche jeweils von mehreren der an dem Studiengang beteiligten Fächer (u.a. Politikwissenschaft, Soziologie, Kulturwissenschaften, Philosophie, Geschichte, Psychologie) bedient werden, um eine disziplinäre Engführung zu vermeiden. Die vier Schwerpunktbereiche umfassen Veranstaltungen zur Analyse konkreter Konfliktformationen (Modul II), zur Rolle und Wirkungsweise von internationalen Institutionen und Nicht-Regierungsorganisationen in verschiedenen Feldern wie Abrüstung, Ökonomie und Ökologie (Modul III), zu Fragen der inter-/transkulturellen Kommunikation und Bildung einschließlich der diskursiven Produktion von Gewalt (Modul IV) und zu den Möglichkeiten und Grenzen einer regionalen und lokalen Konfliktbearbeitung unter besonderer Berücksichtigung des Engagements »externer« Akteure (Modul V).

Ergänzt wird das Studium um Veranstaltungen mit klarer Praxisorientierung (Modul VI), d.h. Simulations-, Mediations- und Exkursionsseminare, die ebenfalls von verschiedenen Disziplinen bzw. auch in interdisziplinärer Form angeboten werden. Zudem ist ein mindestens vier- bis sechswöchiges Praktikum mit der Anfertigung eines Praktikumsberichts vorgesehen, das zwar durch einen Leistungs- und einen Studiennachweis kompensiert werden kann, was aber nicht empfohlen wird und von den Studierenden bisher auch noch nicht in Anspruch genommen wurde. Den Abschluss des Studiums bildet eine viermonatige Masterarbeit, die durch ein obligatorisches Kolloquium begleitet wird.

Inhaltliche Ausrichtung

Neben der fachlichen Wissensvermittlung hat die Ausbildung kommunikativer Fähigkeiten und kreativer Problembewältigungskompetenzen besonderes Gewicht. Ohne die Vermittlung von faktischen Kenntnissen z.B. über bestehende Institutionen unterbewerten zu wollen, erachten wir vor allem die Förderung methodischer Fähigkeiten für besonders wichtig, die den Studierenden wichtiges Handwerkszeug in Studium und Beruf sein sollen. Dazu zählen nicht nur die bekannten Formen der Datenerhebung und -auswertung bzw. der gebräuchliche Umgang mit Texten als Quelle für Ursachenerklärungen von Kriegen oder Bedingungen des Friedens. Vielmehr sollen Texte auch dahingehend geprüft werden, in welcher Art und Weise Wissen produziert wird, welcher Formen des Begründens sich die AutorInnen bedienen und welche Wirkung wissenschaftliche Theorien entfalten.

Ziel ist es, die Kompetenzen zur eigenständigen Formulierung von Fragestellungen und multiplen Analyse friedenspolitischer Herausforderungen sowie zur kritischen Beurteilung tradierter und der Entwicklung alternativer Formen der Konfliktbearbeitung zu stärken. Dies schließt die Fähigkeit zur Reflektion des eigenen Standpunktes und zu einem kreativen statt dogmatischen Umgang mit Theorien ein, um Distanz zu vorherrschenden Denkweisen einnehmen und neue Perspektiven einbringen zu können. Deshalb sollen an die Studierenden unterschiedliche (u.a. neopositivistische, postmoderne, feministische, postkoloniale) Zugriffe aus verschiedenen Disziplinen herangetragen werden. Obwohl der Studiengang bewusst keine eindeutige inhaltliche Fokussierung vornehmen will, liegen doch die Schwerpunkte weniger im Feld der (militärischen) Sicherheitspolitik als in den Bereichen Kultur, Kommunikation, Mediation, Verhandlung und Ethik.

Didaktik

Grundsätzlich sollten sich die angebotenen Lehr- und Lernformen an den Inhalten und den Vorstellungen über die Erarbeitung dieser ausrichten. Entsprechend herrscht eine Pluralität bzw. »Freiheit der Lehrenden«. Neben eher traditionellen Veranstaltungen wie Vorlesungen (mit Klausur o.ä. für den Erwerb von Studiennachweisen) und Hauptseminaren (mit Referat, Thesenpapier und Hausarbeit für Leistungsnachweise) ist der Studiengang explizit um eine Erweiterung der Lehrformen bemüht. Das Angebot umfasst demzufolge gemäß den jeweiligen Lernzielen die unterschiedlichsten Lehrformen. Dazu zählen u.a.

Darüber hinaus wird versucht, die Studierenden in die Gestaltung von Aktivitäten über das eigentliche Studium hinaus einzubeziehen, wozu u.a. die Organisation von und Teilnahme an (internationalen) Konferenzen zählt.

Adressaten

Der Studiengang richtet sich vor allem an Absolventen und Absolventinnen sozial- und geisteswissenschaftlicher Studiengänge (mindestens BA). Prinzipiell ist auch eine Zulassung aufgrund eines anderen abgeschlossenen Hochschulstudiums oder Fachholschulabschlusses möglich. In diesem Fall geben ein Motivationsschreiben und praktische Erfahrungen etwa in der Friedensarbeit oder Entwicklungszusammenarbeit den Ausschlag. Das Studium kann jeweils nur zum Wintersemester aufgenommen werden. Bewerbungsschluss für ausländische Bewerber ist der 15. Juli, für deutsche der 15. September. Der Studiengang wird vom DAAD im Rahmen des Programms »Aufbaustudiengänge mit entwicklungsländerbezogener Thematik« gefördert, so dass eine gewisse Zahl von Studienplätzen durch Stipendiaten aus Entwicklungsländern belegt ist. Da es sich um einen Aufbaustudiengang handelt, wird davon ausgegangen, dass die Studierenden bereits mit wissenschaftlichen Arbeitsweisen vertraut sind. Es besteht jedoch die Möglichkeit, Einführungen u.a. in die empirische Sozialforschung, die Politikwissenschaft oder die Kulturwissenschaften zu belegen. Die Lehrveranstaltungen werden teils in deutscher und teils in englischer Sprache abgehalten, weshalb entsprechende Sprachkenntnisse eine Zulassungsvoraussetzung sind.

Studienplan

(siehe Tabelle)

Inhaltsbereiche/Modul Credits insgesamt Leistungsnachweise Studiennachweise
1. Studienjahr
Modul I 24 2 3
1. und 2. Studienjahr
Modul II 56 6 LN aus mindestens zwei und max. drei Modulen 5 SN aus mindestens drei der vier Module
Modul III
Modul IV
Modul V
Modul VI 10 1 1
Für ein fakultatives Praktikum einschl. Praktikumsbericht werden 10 Credits vergeben.
Für die Master’s Thesis werden 20 Credits veranschlagt.
Endsumme 120 9 9

Modul I Grundlagen: Theorien und Methoden der Friedens- und Konfliktforschung; Einführung in das Völkerrecht; Strategien und Instrumente der Konfliktlösung und Konflikttransformation; Internationale Politische Ökonomie, Menschenrechtspolitik und Menschenrechtserziehung.

Modul II Konfliktanalysen: Methoden der multidimensionalen Konfliktanalyse, historische Fallstudien, Aufarbeitung aktueller internationaler und nationaler Konfliktformationen.

Modul III Internationale Institutionen und NGO`s/Globales Regieren: Veranstaltungen zur Geschichte und Wirkungsweise internationaler Organisationen, zur Rolle von NGO`s, zu weltwirtschaftlichen Institutionen und sozialen Polarisierungsprozessen.

Modul IV Kommunikation und Erziehung: Fragen der Menschenrechtspolitik und -bildung, politische Ethik, Rolle von Medien, diskursive Produktion von Gewalt.

Modul V Regionale und lokale Konfliktbearbeitung: Konzepte eines »Good Governance«, Analyse von Peace Keeping-Einsätzen und Maßnahmen eines Aufbaus ziviler Institutionen.

Modul VI Praxisorientierte Seminare: Veranstaltungen zur Konfliktmediation, zur Simulation von Verhandlungs- und Entscheidungsprozessen, Forschungsexkursionen.

Aktuelles Veranstaltungsverzeichnis Wintersemester 2004/05

Modul I

Modul II

Modul III

Modul IV

Modul V

Modul VI

Adressen

Studienberatung: Dr. Dietmar Fricke Tel. 0391-6716673; mail: dietmar. fricke@gse-w.uni-magdeburg.de

Britta Krause M.A. Tel. 0391-6716691; mail: britta. krause@gse-w.uni-magdeburg.de

Dr. Jörg Meyer Tel. 0391-6716673; mail: joerg. meyer@gse-w.uni-magdeburg.de

Hilfskraft: Torsten Hans mail: torhans@yahoo.de

Webpage mit Bewerbungsformularen: www.uni-magdeburg.de/ipw/fkf/ index.html

Britta Krause, M.A., ist Wiss. Mitarbeiterin des Instituts für Politikwissenschaften und Dr. Jörg Meyer ist Studienfachbetreuer des Studiengangs an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

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Postgradualer Aufbaustudiengang Friedensforschung und Sicherheitspolitik

von Patricia Schneider

Der Postgraduiertenstudiengang »Master of Peace and Security Studies« (M.P.S.) der Universität Hamburg ist ein zweisemestriges, trans- und interdisziplinäres Studienprogramm, das auf einer Kombination friedenswissenschaftlicher und sicherheitspolitischer Wissensaneignung und praxisgerichteten Übungen basiert. Ziel des Studienganges ist es, hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen in- und ausländischer Hochschulen sowie akademisch gebildete Praktiker in grundlegende friedenswissenschaftliche und sicherheitspolitische Themen und Ansätze zu ihrer praktischen Bearbeitung einzuführen. Der Studiengang wird von der Universität Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) getragen und gemeinsam mit führenden wissenschaftlichen und sicherheitspolitisch tätigen Einrichtungen im Rahmen des »Kooperationsverbundes Friedensforschung und Sicherheitspolitik (KoFrieS)« durchgeführt.

Folgende Institute nehmen bereits am Kooperationsverbund teil:

Derzeit finden weitere Kooperationsverhandlungen statt.

Der Studiengang wird aus Mitteln der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) gefördert.

Am Studiengang können Studierende aus dem In- und Ausland teilnehmen. Da Lehre und Forschung in deutscher und in englischer Sprache durchgeführt werden, sind gute Kenntnisse beider Sprachen Voraussetzung. Sie müssen durch standardisierte Tests, wie im Ausschreibungstext spezifiziert, in den Bewerbungsunterlagen nachgewiesen werden. Prüfungsleistungen, einschließlich Master-Arbeit, können durch die Studierenden wahlweise in englischer oder deutscher Sprache erbracht werden. Über die Zulassung zum Studium und die Vergabe von Stipendien entscheidet der Gemeinsame Ausschuss der Universität Hamburg und des IFSH. Die Anzahl der Zulassungen ist auf 20-30 Studierende pro Jahrgang beschränkt und unterliegt einem qualitativen Auswahlverfahren. Der Studiengang beginnt jeweils zum Wintersemester (1. Oktober - 31. August). Die Bewerbungsfrist ist vom 15. Dezember bis zum 15. März. Da es sich um einen nicht-konsekutiven, postgradualen Aufbaustudiengang handelt, der den vorherigen Erwerb von mind. 240 Leistungspunkten (ECTS) voraussetzt, reicht ein 3-jähriger BA-Studiengang i.d.R. als Vorleistung nicht aus: Die Bewerberinnen und Bewerber müssen 240 Leistungspunkte (ECTS) (i.d.R. durch ein vierjähriges Studium zu erwerben) und ein mit überdurchschnittlichem Erfolg abgeschlossenes Studium an einer deutschen oder ausländischen Hochschule nachweisen. Es können sich Absolventen aller Fachrichtungen bewerben. Bevorzugt berücksichtigt werden Bewerbungen, die Rückschlüsse auf berufliche Interessen und wissenschaftliche oder praktische Erfahrungen in Themenfeldern erlauben, welche sich auf Probleme des Friedens und der internationalen Sicherheit beziehen.

Mit Beginn des Studienjahres 2004/05 tritt eine überarbeitete, an das europäische Leistungspunktesystem angepasste Studienordnung in Kraft. In 2005 durchläuft der Studiengang als einer der ersten Studiengänge der Universität Hamburg ein Akkreditierungsverfahren durch eine externe Akkreditierungsagentur.

Der Studiengang wurde erstmals im akademischen Jahr 2002/2003 durchgeführt. Inzwischen nahmen in den ersten drei Jahren Studierende aus 18 Ländern an dem Studiengang teil (Albanien, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Mazedonien, Niederlande, Palästina, Rumänien, Russland, Serbien-Montenegro, USA).

Das Studium ist in zwei Semester gegliedert. Der Aufbau des Studiums ist modular. In der vorgeschalteten Orientierungseinheit werden die Studierenden in grundlegende Themen der Friedensforschung und Sicherheitspolitik eingeführt und die Residenzinstitute des KoFrieS stellen ihre jeweiligen Forschungs- und Lehrprofile vor. Die parallel durchgeführten fünf Schwerpunkt- und Wahlmodule finden im Wintersemester am Sitz des Studiengangs in Hamburg statt. Die drei konsekutiven Module des Sommersemesters bestehen aus den Elementen praxisgerichtetes Studieren und Praxis, Forschungsbeteiligung und Masterarbeitsphase und finden am jeweils gewählten Residenzinstitut des Kooperationsverbunds statt. Darüber hinaus können sich die Studierenden u.a. am Aufbau eines akademischen Versöhnungsnetzwerkes in Südosteuropa aktiv beteiligen (www.akademischesnetzwerk-soe.net).

1. Semester:

2. Semester:

Die Lehrenden legen vor Beginn ihrer Kurse fest, welche Formen der Leistungskontrolle/ Modulteilprüfungen sie anbieten und geben dies der Studiengangleitung zur Kenntnis. Die Mischung der Modulteilprüfungen soll den Studierenden die Möglichkeit bieten, unterschiedliche Leistungskontrolltypen kennen zu lernen und ihre jeweiligen spezifischen Stärken ausgewogen zum Einsatz zu bringen. Sie soll ferner die durch die Lehrveranstaltungen verfolgten Ziele fördern.

Die Modulprüfungen umfassen schriftliche und mündliche Prüfungen. Zu den schriftlichen Prüfungen gehören i.d.R. Klausuren, kleine und große Hausarbeiten, ausgearbeitete Referate sowie Arbeits- und Konzeptpapiere und Berichte im Rahmen von Workshops und Exkursionen. Zu den mündlichen Prüfungen zählen i.d.R. protokollierte individuelle oder Gruppenprüfungen, Referate (mit Diskussion), Workshop- oder Konferenzbeiträge.

Die Hauptlehrveranstaltungstypen sind Vorlesungen, Vertiefungsseminare und Blocklehrveranstaltungen. Insbesondere der letzte Veranstaltungstypus lässt Raum für innovative Lehrmethoden wie Simulationen, Rollenspiele, Gruppenarbeit etc. Die ersten drei Tage der Woche sind i.d.R. für die regulären Lehrveranstaltungen reserviert, die übrigen Tage für Blocklehrveranstaltungen. Jede Lehrveranstaltung, die Forschungsphase und das Gesamtprogramm werden Selbstevaluationen der Studierenden und Dozenten unterzogen. Der Evaluationsbericht wird auf der unten angegebenen Homepage veröffentlicht. Dort findet sich zudem Prüfungsordnung, Vorlesungsverzeichnis, Ausschreibungstexte, Kursinformationen u.v.m.

Vor Beginn des Studiums wird ein kommentiertes Vorlesungsverzeichnis mit detaillierten Informationen zu Veranstaltungen, Leistungsanforderungen und Leistungspunkten zur Verfügung gestellt. Gesondert wird ein Dozentenverzeichnis mit näheren Informationen zu den Forschungsschwerpunkten bereitgestellt. Eine Vorauswahl der Kurse und des Residenzinstituts wird vor Studienbeginn von den Studierenden vorgenommen und nach intensiver Beratung in der Orientierungseinheit festgelegt. Zudem wird durch die Studienleitung Hilfestellung bei der Immatrikulation, Zimmersuche und weitere Studienberatung geleistet.

Aufgrund der Kürze der Studienzeit (11 Monate) und den damit verbundenen hohen Ansprüchen handelt es sich um ein sehr intensives Studienprogramm, das sich von den klassischen Studiengängen in Deutschland auch dadurch stark abhebt. Die Studienintensität lässt es nicht zu, nebenbei für den Lebensunterhalt zu arbeiten; auch gibt es keine Semesterferien. Daher erhält der Großteil unserer Studierenden vom Zulassungsausschuss (Mittel von der DSF und dem DAAD) ein Stipendium, bringt ein selbst eingeworbenes Stipendium mit oder wird durch den (früheren) Arbeitgeber (Ministerien, Bundeswehr, NGO usw.) weiterfinanziert.

Dr. phil. Patricia Schneider, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und Academic Coordinator MPS Weitere Infos unter: www.ifsh.de/IFSH/studium/mps.htm

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Weiterbildungsstudiengang »Master of Peace Studies«

von Lutz Schrader

Der Studiengang »Master of Peace Studies« der FernUniversität Hagen, der im August 2004 durch die Bonner Agentur AQAS erfolgreich akkreditiert wurde, versteht sich wie die anderen neu eingerichteten Masterstudiengänge als Antwort auf den wachsenden Bedarf an wissenschaftlicher Kompetenz auf dem Gebiet der Konfliktbearbeitung, des Gewaltabbaus und der nachhaltigen Friedenssicherung. Der modular aufgebaute Studiengang wurde gezielt aus der wissenschaftlichen Forschung zu den Themen Konflikt, Krieg und Frieden entwickelt, die an mehreren Universitäten und Forschungsinstituten in Nordrhein-Westfalen fest verankert ist. Seine Einrichtung wurde durch eine großzügige finanzielle Förderung über einen Zeitraum von fünf Jahren seitens der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) ermöglicht.

Im Vergleich zu den anderen Masterstudiengängen weist das Hagener Angebot eine Reihe von Besonderheiten auf:

Die universitäre Friedenslehre am Institut Frieden und Demokratie der FernUniversität kann inzwischen auf eine fast zehnjährige Tradition zurückblicken. Seit 1996 werden in Hagen qualifizierte friedenswissenschaftliche Weiterbildungsstudiengänge angeboten. Beginnend mit dem Zertifizierten Friedenswissenschaftlichen Weiterbildungsstudium (ZEF) konnte so schrittweise eine Lehrkompetenz aufgebaut werden, die sich auf eigene friedenswissenschaftliche Forschungen am Institut Frieden und Demokratie und an den im Rahmen der LAG kooperierende Einrichtungen gründet. Ein zweiter Entwicklungsschritt war im Jahr 2000 die Einrichtung des zweisemestrigen zertifizierten Interdisziplinären Friedenswissenschaftlichen Weiterbildungsstudiums »Konflikt und Frieden« (IF), das neben dem Masterstudium auch weiterhin angeboten wird.

Ziel des Masterstudiums ist es, bei den Studierenden die Fähigkeit zur kritischen, wissenschaftlich angeleiteten Selbstreflexion anzuregen und anwendungsrelevante Handlungs- und Gestaltungsfähigkeiten auszubilden. Die praxisbezogene und problemorientierte Ausrichtung in der Lehre setzt Schwerpunkte in den Bereichen interdisziplinäre Theorien des Friedens, des Krieges und Konflikts, Konzepte und Wege des Gewaltabbaus, der zivilen Konflikttransformation und der nachhaltigen Friedenssicherung sowie Kenntnisse zu Organisationen und Verwaltungshandeln im Bereich der Friedens- und Konfliktarbeit.

Jeweils im Wintersemester werden 40 Studierende aus einschlägigen Berufsfeldern aufgenommen, die sich durch eine besondere Studienmotivation auszeichnen. In der Pilotphase, die im Wintersemester 2004/2005 begonnen hat, wurde zunächst mit 25 Studierenden begonnen. Das Studium richtet sich vor allem an geistes- und sozialwissenschaftliche Hochschulabsolventen/innen, die in friedenswissenschaftlichen, friedenspolitischen oder konfliktbezogenen Bereichen tätig sind oder tätig werden wollen. Mögliche Arbeitsbereiche sind die auswärtige Politik, nationale und internationale Institutionen und Organisationen, Medien, Nicht-Regierungsorganisationen, Friedens- und Konfliktarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Streitkräfte und Polizei, Wissenschaft, Erziehung und Erwachsenenbildung, Sozialarbeit sowie Mediation und Beratung.

Die Organisation des Studiums

Das Studium ist modularisiert und beinhaltet neben 6 Lehrmodulen à je 12 Credits ein Einführungsseminar (1 Credit) und ein Abschlussseminar (1 Credit) sowie die anschließende Masterprüfung (16 Credits). Jedes Modul wird mit einer studienbegleitenden Prüfung (Einsendearbeiten, Hausarbeiten, mündliche Prüfungen oder Praxisberichte) abgeschlossen.

Die Belegung der Module sollte folgendermaßen innerhalb der 3 Studienjahre erfolgen: (siehe Tabelle)

1. Studienjahr 2. Studienjahr 3. Studienjahr
Einführungsseminar    
Modul 1
Modul 2
Modul 3
Modul 4
Modul 5  
  Modul 6    
  Abschlussmodul

Das Studium wird mit der Belegung des Abschlussseminars und der Masterprüfung nach sechs Semestern Teilzeit beendet. Die Master-Prüfung besteht aus der Masterarbeit (etwa 60 Seiten) und ihrer mündlichen Verteidigung (30-45 Minuten). Der Vorbereitung der Masterprüfung dient das obligatorische Abschlussseminar. Insgesamt können mit dem Studium 90 Credit Points nach dem European Credits Transfer System erworben werden.

Die Inhalte

Das Masterstudium vermittelt in modularisierter Form systematisches Wissen über Frieden, Krieg und gewaltförmige Konflikte. Theoretische Referenz ist ein prozessuales Verständnis von Frieden, das sowohl auf die Minimierung von direkter Gewalt und Gewaltstrukturen als auch auf den Aufbau nachhaltiger Friedensordnungen ausgerichtet ist. Die Förderung von Demokratie, Partizipation, Gerechtigkeit und Kooperation sind dabei zentrale Elemente und Anliegen. Ein weiterer wichtiger Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass Friedensprozesse nur gelingen können, wenn alle relevanten Ebenen (global, zwischenstaatlich, national, lokal und personal) angemessen erforscht und berücksichtigt werden.

Die inter- und transdisziplinären Kenntnisse, die im Verlaufe des Studiums erarbeitet werden, stehen unter der normativen Prämisse »Friede mit friedlichen Mitteln«. Um dieser Maxime zu entsprechen, geht das Studium von einem Wissenschaftsverständnis aus, das sich in die politischen Auseinandersetzungen einmischt und sich der gesellschaftlichen Verantwortung für seine Ergebnisse stellt. Dabei wird der Grundsatz der Gewaltfreiheit nicht nur als sittlicher Wert verstanden, sondern als empirisch belegbare conditio sine qua non jeglicher Anstrengungen für einen belastbaren Frieden.

Das Studium dient der Gewinnung sowohl analytischer und kognitiver als auch strategischer und praktischer Kompetenzen. Vermittelt wird die Fähigkeit, die erworbenen inter- oder transdisziplinären Kenntnisse und Methoden zu verknüpfen und auf konkrete Sachverhalte anzuwenden. Dabei wird ausdrücklich auf die sozial-, geistes- und naturwissenschaftlichen Vorkenntnisse und Fähigkeiten der Studierenden aufgebaut. Ihre Erfahrungen, Blickwinkel und Fragestellungen sind eine wichtige Bereicherung für den gesamten Prozess des Studiums. Durch die Erweiterung und Vertiefung ihrer friedenswissenschaftlichen Kenntnisse und die Verbesserung ihrer methodischen Qualifikation sollen die Studierenden in den Stand versetzt werden, ihre berufliche und ehrenamtliche Praxis kritisch zu reflektieren und friedenswissenschaftliche Probleme selbstständig zu bearbeiten.

Folgende Lehrinhalte sind vorgesehen:

MODUL 1: Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung / Friedenstheorien

L1(Bottom)Einführung in das Studium und in die Inhalte der Friedens- und Konfliktforschung:

  • Grundbegriffe und Methoden der Friedens- und Konfliktforschung
  • Friedenstheorien
  • Historische Friedensforschung
  • Friedenspolitik

MODUL 2: Theorien zu gewaltförmigen Konflikten bzw. Krieg

L1(Bottom)

  • Konflikttheorien
  • Zivilisationstheorie
  • Beiträge der Sozialpsychologie
  • Philosophische Dimensionen der Gewaltproblematik

MODUL 3: Aktuelle Probleme des Friedens und ihre interdisziplinäre Theoretisierung

Pflichtbereich

  • Die These des »demokratischen Friedens«
  • Frieden und Naturwissenschaften

Wahlpflichtbereich

L1(Bottom)

  • Beiträge der Pädagogik zur Gewaltforschung
  • Globalisierung und Friedenspolitik - Global Governance
  • Medien und Krieg
  • Makropolitische Konflikte der Gegenwart

MODUL 4: Konflikttransformation und Friedensprozesse

Pflichtbereich

  • Formen der Konfliktregelung
  • Pazifismus und gewaltfreie Konfliktbearbeitung
  • Einführung in das Völkerrecht

Wahlpflichtbereich

L1(Bottom)

  • Konfliktbearbeitung: analytisch-systematische Aspekte
  • Konversion und Prävention

MODUL 5: Organisationen und Verwaltung in Konflikt- und Friedensprozessen

L1(Bottom)

  • Organisationsforschung: Beiträge der Soziologie
  • Militär, Gesellschaft und Politik in der Bundesrepublik
  • Internationale Organisationen - Geschichte und Politik
  • Praxisorientierte Einführung in Verwaltungshandeln und Konflikttraining
  • Praxisorientierte Einführung in das Projektmanagement

MODUL 6: Methoden und Verfahren der Konfliktbearbeitung

L1(Bottom)

  • Einführung in die Mediation
  • Conflict Transformation by Peaceful Means
  • Transforming Civil Conflict
  • Einführung in die Transcend-Methode
  • Praxisseminare zu den Methoden zivilgesellschaftlicher Konfliktbearbeitung

Die didaktische Ausrichtung - das angeleitete Fernstudium

Differenzierte Informationen erhalten die Studierenden aus einem Handbuch, das ihnen zu Beginn des Studiums zugesandt wird. Darin werden alle wichtigen Modalitäten wie Studienaufbau, Studienformen, Betreuung und Anforderungen erläutert. Darüber hinaus bekommen sie Hinweise und Tipps zur friedenswissenschaftlichen Hochschul- und Forschungslandschaft in der Bundesrepublik wie auch zu friedenspolitischen Einrichtungen und Organisationen. Im Kern geht es darum, den Studierenden die Besonderheiten eines friedenswissenschaftlichen Fernstudiums nahe zu bringen. Schließlich soll ihnen Hilfestellung gegeben werden, damit sie sich möglichst selbstständig in einem für sie noch neuen sozialen Umfeld zurecht finden können.

Das Weiterbildungsstudium ist so zugeschnitten, dass es als Teilzeitstudium neben dem Beruf absolviert werden kann. Als Fernstudium ist es unabhängig vom Studienort Hagen durchführbar. Die weitgehend selbstständige Einteilung der Bearbeitungszeiten innerhalb des Semesters ermöglicht ein großes Maß an zeitlicher Flexibilität. Die auf selbstinduziertes Wissen ausgerichtete fernuniversitäre Lehre schafft genügend Raum, um individuelle Erfahrungs- und Wissenshintergründe produktiv einzubeziehen und kritisch zu reflektieren. Das Fernstudium arbeitet mit spezifischen Methoden. Dazu gehören z.B. das selbstständige Lernen anhand didaktisch aufbereiteter Studienbriefe, die von qualifizierten Hochschullehrerinnen und -lehrern betreut werden, sowie Präsenz- und Praxisseminare. Beständig ausgeweitet werden verschiedene Formen des e-Learning im »Lernraum Virtuelle Universität«.

Der zeitliche Aufwand des Fernstudiums liegt etwa bei 60 Stunden Bearbeitungszeit je Studienbrief bzw. Kurseinheit; dies sind bei einer Regelstudienzeit von 6 Semestern Teilzeit im Durchschnitt 20 Stunden pro Woche didaktisch angeleitetes und betreutes Selbststudium. Natürlich variiert die konkrete zeitliche Belastung je nach Vorkenntnissen, persönlichem Arbeitsstil und Studienablauf. So wird die Lektüre der Studienbriefe in aller Regel weniger Zeit in Anspruch nehmen als die Erstellung schriftlicher Prüfungsleistungen wie Einsende-, Haus- und Abschlussarbeiten.

Die Lerninhalte des Weiterbildungsstudiums werden überwiegend anhand von Studienbriefen vermittelt. Dieses Medium sind speziell für das Selbststudium aufbereitete, gedruckte Studienmaterialien, die zu Beginn jedes Semesters versandt werden. Neben den Studienbriefen gibt es drei obligatorische und mehrere fakultative Präsenzveranstaltungen in Form von Blockseminaren. In der Regel finden diese Seminare an zwei bis drei Tagen (meist an Wochenenden in einer Bildungsstätte in Nordrhein-Westfalen) statt. Die Studierenden können zusätzliche fakultative Kurse oder Seminare an den in der LAG Friedenswissenschaft kooperierenden Universitäten besuchen. Um Wissen aufzufrischen oder Wissenslücken zu schließen, besteht überdies die Möglichkeit, im Rahmen der sog. Akademiestudien gegen Gebühr weitere Kurse am Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität zu belegen.

Die Modulleistungen werden studienbegleitend abgeprüft. Modulprüfungen oder Modulteilprüfungen können in Form von angeleiteten Einsendearbeiten, Hausarbeiten, Praxisberichten oder mündlichen Prüfungen erbracht werden. Das Weiterbildungsstudium wird mit einer Abschlussarbeit und einer mündlicher Prüfung beendet.

Studierende

Zur Spezifik von Fernstudiengängen gehört nicht zuletzt die Zusammensetzung der Studierendenschaft. Die Teilnehmer sind mit ihren unterschiedlichen disziplinären Herkünften, beruflichen Hintergründen und vielfältigen Praxiserfahrungen eine wichtige Quelle für die besondere Attraktivität des Studiums. Von den im ersten Durchgang immatrikulierten 25 Studierenden (13 Frauen und 12 Männer zwischen 25 und 50 Jahren) hat ein Großteil bereits in Konfliktsituationen im Ausland gearbeitet. Andere haben z.B. als AusbilderIn, LehrerIn oder ÄrztIn in ihren konkreten Tätigkeitsbereichen mit der Bearbeitung von Konflikten und deren Folgen zu tun. Dadurch entsteht die vorteilhafte Situation, dass die Studierenden viel voneinander lernen und erfahren können. Für die Lehrenden bedeutet dies, sich den Sichtweisen und Erfahrungen einer anspruchsvollen Klientel zu stellen und diese für einen gegenseitigen Lehr- und Lernprozess produktiv zu machen.

Dr. Lutz Schrader, Wiss. Mitarbeiter des Instituts Frieden und Demokratie und Koordinator des Studiengangs Weitere Informationen unter: www.fernuni-hagen.de/frieden Mail: PeaceStudies@fernuni-hagen.de

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Master-Studiengang »Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung«

von Tanja Brühl

Voraussichtlich im Wintersemester 05/06 wird ein weiterer neuer friedenswissenschaftlicher Master-Studiengang beginnen »Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung«. Er wird von der Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) gemeinsam angeboten werden. Prüfungs- und Studienordnung des Studiengangs werden derzeit (Dezember 2004) in den universitären Gremien beraten.

Im Laufe des viersemestrigen Studiums werden theoretische, normative und empirische Kenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung sowie der Internationalen Studien vermittelt. Im Zentrum steht dabei die Weltordnungspolitik und die Weltgesellschaft in einer friedenswissenschaftlichen Perspektive. Weltordnungspolitik kann als Prozess verstanden werden, der zur Überwindung der unfriedlichen Strukturen einen Beitrag leistet. Zugleich ist die bestehende Weltordnungspolitik eine Ursache der virulenten Konflikte. Dass eine im positiven Sinne verstandene Weltordnungspolitik nicht alleine von Staaten geleistet werden kann, ist offensichtlich. Doch welche Rolle können andere Akteure wie bspw. Nichtregierungsorganisationen und internationale Organisationen überhaupt spielen? Und welchen Handlungsfreiraum haben Staaten heute?

Aus der Sicht verschiedener Disziplinen insbesondere der Politikwissenschaft, aber auch der Soziologie, Philosophie, der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften werden Akteure, Triebkräfte, Tendenzen und Folgen der aktuellen politischen Prozesse analysiert. Der Schwerpunkt des Studiengangs liegt bei der politikwissenschaftlichen Disziplin der Internationalen Beziehungen. Es wird daher vornehmlich die inter- oder transnationale Ebene untersucht. Konflikte werden also vor allem als Ergebnisse der Interaktionen kollektiver Akteure verstanden; Friedens- und Kriegsprozesse auf der nationalen und internationalen Ebene analysiert. Ziel des Studienganges ist es, den Studierenden die Fähigkeit zu vermitteln, eine selbstständige differenzierte Analyse von Konflikten vorzunehmen und reflektiert Strategien der Konfliktregulierung und Friedensförderung zu entwickeln.

Organisation des Studiums

Die Studierenden besuchen in den vier Semestern rund 15 - 20 Lehrveranstaltungen aus sechs Modulen:

Grundlagen

Im ersten Semester werden die Grundlagen des Studiengangs gelegt bzw. angeglichen, und zwar sowohl im allgemeinen politik- wie auch im friedenswissenschaftlichen Bereich. Im ersten Teil wird ein Überblick über die Theorie-Paradigmen der Politikwissenschaft gegeben. Die Studierenden vertiefen darüber hinaus wahlweise ihre Kenntnisse in der Kritischen Theorie oder feministischen Theorien. Im zweiten Teil gilt es die Grundlagen der Friedens- und Konfliktforschung zu vermitteln (Auseinandersetzung mit den Konzepten von Gewalt, Frieden, Krieg usw.) und Theorien der Internationalen Beziehungen oder der internationalen politischen Ökonomie als Werkzeuge zur empirischen Analyse zu studieren.

Weltordnung / Zivilisierung

Im zweiten und dritten Semester setzen sich die Studierenden mit verschiedenen politischen Akteuren in den internationalen Beziehungen und mit konkreten Problemen der Weltordnungspolitik auseinander. Hierbei erwerben sie ein fundiertes Verständnis der Akteurskonstellationen und -motivationen und der Möglichkeit der Konfliktregulierung durch Institutionalisierung. Es werden Konflikte, Strukturen und Entwicklungstendenzen der verschiedenen Politikfelder (Sicherheit, Herrschaft, Wohlfahrt, Umwelt) analysiert.

Konflikte / Kriege / Friedensprozesse

Ebenfalls im zweiten und dritten Semester werden die zentralen Themen der Friedens- und Konfliktforschung behandelt. Das Modul vermittelt sowohl empirische Kenntnisse über Konflikte, Kriege und Friedensprozesse wie auch Theorien der Kriegs- und Kriegsursachenforschung und Kenntnisse der Friedensursachenforschung. Konflikte und Kriege der Gegenwart werden ebenso wie die Friedensprozesse kennen gelernt.

»Weltgesellschaft« - Theorie und politische Philosophie globaler Vergesellschaftung

Das Modul liefert einen breiten Überblick über die gegenwärtigen Tendenzen globaler Vergesellschaftung und ihrer Folgen. Eine Beschäftigung mit dem vielschichtigen Konzept der Weltgesellschaft ist ebenso vorgesehen wie eine Auseinandersetzung mit normativen Grundlagen der Weltordnung und Fragen der Demokratie und transnationaler Vergesellschaftung. Das Modul kann im ersten und zweiten Semester besucht werden.

Wahlmodul

Im Wahlmodul können die Studierenden einen Schwerpunkt wählen, den sie aus mindestens zwei Disziplinen (der Politikwissenschaft und einem anderen Fach) heraus beleuchten. Angeboten werden voraussichtlich »Globalisierung und Entwicklung« (Fragen der Weltwirtschaftspolitik und ihren Auswirkungen auf die Entwicklungsländer), »Globalisierung und Recht« (Beitrag des Völkerrechts und internationaler Organisationen zum Frieden) und »Technik und Entwicklung« (Beitrag der Technik zur Entwicklung), »Naturwissenschaftlich-technische Dimensionen des Friedens« (Beiträge der Naturwissenschaften zur Friedensforschung). Das Wahlmodul wird im dritten und vierten Semester studiert.

Abschluss

Im vierten Semester fertigen die Studierenden eine Master-Arbeit an. Dieser Forschungsprozess wird durch ein Kolloquium begleitet. Zudem ist eine halbstündige mündliche Prüfung zu absolvieren. Die anderen Prüfungen werden studienbegleitend abgelegt, wozu auch Hausarbeiten angefertigt werden.

Das Profil des Studiengangs

Eine Besonderheit dieses friedenswissenschaftlichen Studiengangs ist die inhaltliche Schwerpunktsetzung. Diese liegt, wie erwähnt, darin, dass die Friedensforschung aus einer Weltordnungs- und Weltgesellschaftsperspektive heraus analysiert wird. Damit greift der Studiengang bestehende Forschungsschwerpunkte der drei mitwirkenden Institutionen auf und ermöglicht Studierenden eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Forschung. Die Friedensforschung ist in Frankfurt/M. mit der Gründung der HSFK (1970) fest institutionalisiert. Derzeit erforscht die HSFK vor allem die Antinomien des Demokratischen Friedens. In den letzten Jahren ist die Zusammenarbeit zwischen der Frankfurter Universität und der HSFK im Rahmen des Kooperationsvertrags verstärkt worden. Seit kurzem haben auch die TU Darmstadt und die HSFK ihre Kooperation institutionalisiert, so dass man von einem südhessischen Schwerpunkt in der Friedensforschung sprechen kann. Forscher und Forscherinnen der Universitäten Frankfurt und Darmstadt (sowie Bielefeld) arbeiten seit 1994 in der Forschungsgruppe Weltgesellschaft zusammen, um Fragen des globalen Wandels in einen größeren staats- und steuerungstheoretischen Rahmen einzubetten. Diese im Bereich der Forschung bestehende Zusammenarbeit wird nun für die Studierenden (noch) fruchtbarer gemacht. Die Studierenden haben in dem geplanten Studiengang die Möglichkeit, innerhalb des Umfelds dreier miteinander interagierender Institutionen die Entstehung aktueller Forschungsprozesse mitzuerleben bzw. selbst daran mitzuwirken.

Eine weitere Besonderheit des Studiengangs ist die gemeinsame Bearbeitung der Themen aus verschiedenen Disziplinen heraus. Statt eines klassischen Nebenfachstudiums (in dem die Nebenfächer relativ unverbunden von dem jeweiligen Hauptfach stehen) tragen die verschiedenen einbezogenen Disziplinen gemeinsam und aufeinander bezogen zur Bearbeitung von Fragestellungen bei. Es liegt also ein integriertes interdisziplinäres Modell vor. Konkret bedeutet dies, dass ein interdisziplinäres Modul immer von mindestens zwei Fächern »beliefert« wird (dies gilt außer für das Wahlmodul vor allem auch für das Grundlagen- und das Weltgesellschaftsmodul). Ein solch integrierter interdisziplinärer Ansatz ermöglicht es den Studierenden, die wissenschaftstheoretischen wie methodisch-praktischen Unterschiede der Disziplinen zu erkennen, zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen.

Lehrformen

Die in den sechs Modulen skizzierten Inhalte werden größtenteils in Seminaren vermittelt, um den Studierenden die Möglichkeit einer aktiven Auseinandersetzung zu ermöglichen. Vorlesungen werden eingesetzt um allgemeine Grundlagen zu legen. Zur Förderung der Analysefähigkeiten besuchen die Studierenden zudem eine vierstündige Veranstaltung (sogenanntes Empiriepraktikum), in dem sie selbst forschend tätig werden. Hier führen sie in kleinen Arbeitsgruppen unter Anleitung kleinere Forschungsarbeiten (Fallstudien) durch. Sie wenden hierbei die zuvor erlernten wissenschaftlichen Methoden an und entwickeln ein eigenes Forschungsdesign. Auch in den anderen Lehrveranstaltungen haben Arbeitsgruppen einen hohen Stellenwert. Zusätzlich werden auch Formen der Moderation und intellektueller Interaktion eingeübt, zum Beispiel über die Inszenierung von Podiumsdiskussionen. Schließlich können die Studierenden an Exkursionen oder Simulationen, wie einer Fahrt zu den Vereinten Nationen nach Genf oder einem internationalen Planspiel am UNO-Hauptsitz (National Model United Nations), teilnehmen. Entsprechend der internationalen Ausrichtung des Studiengang finden regelmäßig Veranstaltungen in englischer Sprache statt. Den Studierenden wird empfohlen, mindestens ein Semester an einer Universität im Ausland zu studieren. In einem mindestens vierwöchigem Praktikum in einem relevanten Berufsfeld können die Studierenden ihr erworbenes Fachwissen anwenden und potentielle spätere Arbeitsbereiche kennen lernen.

Das Studium kann jeweils nur zum Wintersemester aufgenommen werden. Studierende mit einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss (i.d.R. Bachelor) in Politik- oder Sozialwissenschaften und sehr guten Englischkenntnissen können sich um die Zulassung zum Studiengang »Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung« bewerben. Weitere Informationen zum Studiengang stellen die beteiligten Institutionen nach Genehmigung der Studiengänge auf ihren homepages zur Verfügung.

Dr. Tanja Brühl, Juniorprofessur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/M Weitere Informationen: www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de

Anmerkungen

1) Vgl. dazu www.manchester.edu/Academics/Departments/Peace_Studies/aboutus.html.

2) Vgl. dazu www.brad.ac.uk/acad/peace/

3) Vgl. für Deutschland dazu die Stellungnahme des Wissenschaftsrates von 1970 in: Koppe, Karlheinz: Zur Entwicklung der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) und der Friedensforschung in der Bundesrepublik Deutschland. In: DGFK-Jahrbuch 1979/80 (Zur Entspannungspolitik in Europa, hgg. von der DGFK), Baden-Baden 1980, S. 886-897; hier besonders S. 896/897.

4) Vgl. dazu die entsprechenden Studiengänge an der Hiroshima Universität: http://home.hiroshima-u.ac.jp, and der Hitotsubashi Universität: www.soc.hit-u.ac.jp, an der Meiji Gakuin Universität: www.meijigakuin.ac.jp und an Tokyo University of Foreign Studies: www.tufs.ac.jp.

5) In den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien und Neuseeland und zum Teil in den skandinavischen Ländern werden Peace & Conflict Studies auch als undergraduate-Studiengänge mit dem Bachelorabschluss angeboten. Im Kontext dieses Beitrags wird auf diese Curricula hier nicht näher eingegangen.

6) Vgl. www.nd.edu/~krocinst/programs/masters

7) ebd.

8) Vgl. z.B. die Masterprogramme der Eastern Mennonite University: www.emu.edu/ctp/curdes.html sowie des Goshen College´s: www.goshen.edu/peace/courses.php.

9) Vgl. z.B. die Masterprogramme an der George Mason-Universität in Arlington (Virginia): www.gmu.edu/departments/ICAR/undergrad.htm, an der Universität von Syracuse (New York): www.maxwell.syr.edu/parc/ und innerhalb des Five College Program´s in Peace and World Security Studies: http://pawss.hampshire.edu.

10) Vgl. das Programm »Peace & Justice Studies« an der Tufts Universität in Medford (Massachusetts): http://ase.tufts.edu/pjs/about.html oder das Masterprogramm an der Universität von Südaustralien: www.unisanet.unisa.edu.au, das Programm Especializacion en Resolucion de Conflictos an der Pontificia Universidad Javeriana in Kolumbien: http://venus.javeriana.edu.co/cpolitic/resolucion-de-conflictos.html oder das Masterprogramm in International Relations an der Universidad des Salvador in Argentinien: www.salvador.edu.ar/ua1-112c-engl.htm.

11) Vgl. die Curricula an diesen drei Universitäten: http://pcr.csps-ugm.or.id/curriculum.hml, www.ui.edu.ng und http://faculty.biu.ac.il/~steing/conflict/faculty.html

12) Vgl. www.brad.ac.uk/acad/peace/.

13) Vgl. die Programme dieser drei Einrichtungen: www.lancs.ac.uk/users/richinst/home/index.htm, www.ul.ie/cpds/MA.htm und www.tcd.ie/ise/degree_diploma/ipsp/prog_content.html.

14) Vgl. die Programme an diesen vier Universitäten: www.padrigu.gu.se, www.pcr.uu.se/welcome_english.htm, www.uio.no/studier/program/peace-master/presentasjon/index.html und http://uit.no/cps/.

in Wissenschaft & Frieden 2005-1: Triebfedern der Rüstung

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