in Wissenschaft & Frieden 2014-3: Die Kraft der Künste, Seite 46–49

zurück vor

Pazifismus vor 1914

Die Vorläufer der Zukunft als Quelle der Inspiration

von Peter van den Dungen

Der folgende Text ist ein Auszug aus einem Referat, das der Autor bei der 11. Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden, «1914-2014: 100 Jahre Krieg, 100 Jahre Pazifismus und Friedensbewegung«, im Februar 2014 hielt. In seinem Referat fokussierte er vor allem darauf, wie und mit welchen Themen die Friedensbewegung die zahlreichen Gedenkveranstaltungen in Europa und der übrigen Welt nutzen könne, um für ihre Agenda zu werben und diese voranzubringen. Die Dokumentation der Strategiekonferenz steht unter koop-frieden.de.

Bisher wurde weitgehend ignoriert, dass es eine Antikriegs- und Friedensbewegung schon vor 1914 gab. Die Friedensbewegung setzte sich damals zusammen aus Individuen, anderen politischen und sozialen Bewegungen sowie Organisationen und Institutionen, die die vorherrschenden Ansichten über Krieg und Frieden nicht teilten. Sie strebten ein System an, in dem Krieg kein akzeptables Instrument zur Lösung von Konflikten zwischen Staaten mehr ist.

Eigentlich begehen wir 2014 nicht nur den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges, sondern auch den 200. der Friedensbewegung. Mit anderen Worten: Schon 100 Jahre vor Kriegsbeginn hatte sich die Friedensbewegung dafür eingesetzt, die Menschen über die Gefahren und Leiden des Kriegs aufzuklären und ihnen die Vorteile und Möglichkeiten des Friedens vor Augen zu führen. In ihrem ersten Jahrhundert, vom Ende der Napoleonischen Kriege bis zum Ersten Weltkrieg, war die Friedensbewegung – anders als gemeinhin behauptet – durchaus erfolgreich. Zwar konnte sie die Katastrophe des »Großen Krieges« nicht abwenden, das mindert aber in keinster Weise ihre Bedeutung und ihre Verdienste. Bislang wurde dieses 200. Jubiläum nirgendwo erwähnt – als hätte die Bewegung gar nicht existiert oder verdiene es nicht, ihrer zu gedenken.

Die Friedensbewegung entstand in der Zeit unmittelbar nach den Napoleonischen Kriegen, sowohl in Großbritannien, als auch in den USA. Die Bewegung verbreitete sich nach und nach über ganz Europa und darüber hinaus. Sie legte den Grundstein für viele Institutionen und Innovationen der internationalen Diplomatie, die sich erst später im Jahrhundert, teilweise erst nach dem Ersten Weltkrieg, entfalten konnten, darunter die Idee von Schiedsgerichtsverfahren als gerechtere und rationalere Alternative zur brachialen Gewalt. Weitere Vorschläge der Friedensbewegung waren Abrüstung, föderale Union, Europäische Union, Völkerrecht, internationale Organisationen, Dekolonisierung und Frauenemanzipation. Viele dieser Vorschläge wurden im Nachgang der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert wieder aufgegriffen, und manche wurden auch verwirklicht, zumindest zum Teil.

Philanthrop Andrew Carnegie

Die Friedensbewegung war in den zwei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg besonders produktiv, als ihre Agenda auf höchster Regierungsebene aufgegriffen wurde, was u.a. zu den Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907 führte. Diesen beispiellosen Konferenzen war der Appell Zar Nikolaus’ II. vorausgegangen, das Wettrüsten zu stoppen und den Krieg durch friedliche Schlichtung zu ersetzen. Als direktes Ergebnis der Konferenzen wurde 1913 in Den Haag der Friedenspalast eröffnet, der seit 1946 Sitz des Internationalen Gerichtshofes der Vereinten Nationen ist. Den Friedenspalast verdankt die Welt der Großzügigkeit von Andrew Carnegie, dem schottisch-amerikanischen Stahlmagnaten, der zum Pionier der modernen Philanthropie wurde und leidenschaftlicher Gegner des Krieges war. Wie kein anderer unterstütze er großzügig Institutionen, die sich dem Streben nach Weltfrieden widmeten – viele von ihnen existieren bis heute.

Während der Friedenspalast mit dem Internationalen Gerichtshof seine wichtige Aufgabe, nämlich den Krieg durch den Rechtsweg zu ersetzen, weiterhin treu erfüllt, hat sich Carnegies großzügigstes Vermächtnis für den Frieden, die Stiftung »Carnegie Endowment for International Peace«, ausdrücklich vom Credo seines Gründers, der Abschaffung des Krieges, abgewandt. Dadurch wurde die Friedensbewegung um dringend benötigte Finanzmittel gebracht. Das ist vielleicht eine Erklärung dafür, dass die Bewegung nie zu einer Massenbewegung wurde, die wirksamen Druck auf Regierungen ausüben kann. Es lohnt sich, kurz darüber nachzudenken: Im Jahr 1910 gründete Carnegie, damals der berühmteste Friedensaktivist der USA und der reichste Mann der Welt, seine Friedensstiftung und stattete sie mit zehn Millionen US$ aus. Diese Summe entspricht heute 3,5 Milliarden US$. Stellen Sie sich mal vor, wie die Friedensbewegung bzw. die Bewegung für die Abschaffung des Krieges heute aussehen würde, wenn sie Zugang zu einer solchen Summe gehabt hätte, oder auch nur zu einem Bruchteil davon. Carnegie wollte mit seiner Stiftung eine Interessensvertretung und Aktivismus fördern, die Treuhänder seiner Stiftung legten den Schwerpunkt aber leider auf die Forschung. Schon 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, schlug einer der Treuhänder sogar vor, die Stiftung in »Carnegie Endowment for International Justice« umzubenennen.

Als die Stiftung kürzlich ihr 100. Jubiläum feierte, sprach die Stiftungspräsidentin, Jessica T. Mathews, vom „ältesten Think-Tank für internationale Angelegenheiten in den USA“. Ziel der Stiftung sei es in den Worten ihres Gründers, „die Abschaffung des Krieges, des widerlichsten Schandflecks unserer Zivilisation, zu beschleunigen“. Dann fügte sie aber hinzu: „[D]ieses Ziel war schon immer unerreichbar“.1 Eigentlich wiederholte sie damit nur das, was der damalige Stiftungspräsident in den 1950er und 1960er Jahren bereits sagte. Ein kürzlich von der Stiftung selbst veröffentlichter historischer Rückblick auf die Stiftungstätigkeit beschreibt, dass Joseph E. Johnson, zuvor Beamter im US-Außenministerium, als Präsident „den Schwerpunkt der Stiftung verschob, weg von ihrer unbeirrbaren Unterstützung für die Vereinten Nationen und weitere internationale Instanzen“. Weiter heißt es dort: „[…] zum ersten Mal bezeichnete ein Präsident des Carnegie Endowment die Friedensvision Andrew Carnegies mehr als Artefakt eines vergangenen Zeitalters denn als Inspiration für die Gegenwart. Jede Hoffnung auf dauerhaften Frieden sei eine Illusion“.2 Der Erste Weltkrieg zwang Carnegie zwar, seinen optimistischen Glauben zu überdenken, dass der Krieg „in naher Zeit als für den zivilisierten Menschen beschämend verworfen“ werden würde, es ist aber kaum anzunehmen, dass er die Vision der Abschaffung des Krieges komplett aufgab. Enthusiastisch unterstützte er US-Präsident Woodrow Wilsons Konzept für eine internationale Organisation und war hocherfreut, als der Präsident den von ihm vorgeschlagenen Namen »Völkerbund« akzeptierte. Er war voll Hoffnung, als er 1919 starb. Was würde er heute wohl über diejenigen sagen, die seine großartige Friedensstiftung auf einen ganz anderen Weg brachten, weit entfernt von seiner Hoffnung und seiner Überzeugung, dass der Krieg abgeschafft werden kann und muss? Und die damit auch der Friedensbewegung entscheidende Mittel für die Verwirklichung ihres großen Ziels entzogen haben? UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat Recht, wenn er immer wieder betont: „Die Welt ist überbewaffnet, und der Frieden ist unterfinanziert.“ Der weltweite Aktionstag gegen Militärausgaben, der ursprünglich vom Internationalen Friedensbüro vorgeschlagen wurde und am 14. April dieses Jahres zum vierten Mal begangen wird, beschäftigt sich genau mit dieser Thematik.3

Bertha von Suttner und Alfred Nobel

Ein weiteres Vermächtnis der internationalen Friedensbewegung aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist mit dem Namen eines erfolgreichen Geschäftsmannes, Friedensaktivisten und Philanthropen verbunden, der zugleich ein bemerkenswerter Wissenschaftler war: der schwedische Erfinder Alfred Nobel. Der Friedensnobelpreis, erstmals verliehen im Jahr 1901, ist vor allem seiner engen Zusammenarbeit mit Bertha von Suttner zu verdanken. Die österreichische Baronin war sogar einmal seine Sekretärin in Paris – allerdings nur eine Woche lang.

Von Suttner wurde, als 1889 ihr Bestseller »Die Waffen nieder!« erschien, zur unangefochtenen Anführerin der Friedensbewegung. Sie blieb es bis zu ihrem Tod 25 Jahre später, am 21. Juni 1914, eine Woche vor den Schüssen von Sarajevo. Dieses Jahr gedenken wir ihres hundertsten Todestages und des 125. Jahrestages der Veröffentlichung ihres berühmten Romans. Lew Tolstoi. Autor des Romans »Krieg und Frieden«, schrieb ihr im Oktober 1891: „Ich schätze ihr Werk sehr hoch, und ich glaube, dass die Veröffentlichung Ihres Romans ein glückliches Vorzeichen ist. Die Abschaffung der Sklaverei wurde durch das berühmte Buch einer Frau, Mme. Beecher-Stowe, vorbereitet. Gebe Gott, dass die Abschaffung des Krieges durch das Ihre bewirkt wird!“.4 Keine Frau hat wohl mehr zur Verhinderung von Krieg getan als Bertha von Suttner.5

Man kann wohl behaupten, dass »Die Waffen nieder!« das Buch hinter der Stiftung des Friedensnobelpreises ist. Bertha von Suttner wurde selbst im Jahr 1905 als erste Frau mit dem Preis ausgezeichnet. Dieser Preis war im Wesentlichen ein Preis für die gesamte Friedensbewegung, wie sie von Bertha von Suttner vertreten wurde. Dass der Friedensnobelpreis in Zukunft wieder für entsprechende Aktivitäten und für Abrüstung vergeben wird, dafür setzt sich seit Jahren nachdrücklich der norwegische Rechtsanwalt und Friedensaktivist Fredrik Heffermehl ein.6

Weitsichtige Prognosen: Norman Angell und Jan Bloch

Einige führende Köpfe der Friedenskampagnen aus der Zeit vor 1914 versuchten alles Menschenmögliche, um ihre Mitbürger vor der Gefahr eines künftigen Weltkrieges zu warnen, und drängten darauf, dass dieser um jeden Preis verhindert werden müsse. Der britische Journalist Norman Angell argumentierte in seinem 1910 erschienenen Bestseller»The Great Illusion. A Study of the Relation of Military Power in Nations to their Economic and Social Advantage «,7 aufgrund der komplexen ökonomischen und finanziellen Verflechtungen sei Krieg zwischen den kapitalistischen Staaten irrational und kontraproduktiv, er würde zu großen wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen führen. Sowohl während als auch nach dem Krieg war »Desillusionierung« das vorherrschende Gefühl bezüglich des Krieges – eine klare Bestätigung für Angells These. Die Art der Kriegsführung und die Konsequenzen des Krieges unterschieden sich deutlich von dem, was allgemein erwartet worden war, nämlich ein »war as usual«. Dies spiegelte sich im kurz nach Kriegsbeginn beliebten Spruch wider: „Bis Weihnachten sind die Jungs wieder aus den Schützengräben und zu Hause.“ Gemeint war natürlich Weihnachten 1914. Es kam aber anders: Diejenigen, die die Massenschlächtereien überlebten, kamen erst vier Jahre später tatsächlich nach Hause zurück.

Einer der Hauptgründe für die Fehleinschätzungen und falschen Vorstellungen über den Krieg war die mangelnde Vorstellungskraft derjenigen, die den Krieg planten und führten.8 Sie sahen nicht voraus, dass durch die Fortschritte in der Waffentechnik – insbesondere die Erhöhung der Feuerkraft durch das Maschinengewehr – traditionelle Infanteriegefechte hinfällig und Geländegewinne auf dem Schlachtfeld dadurch fast unmöglich wurden. Vielmehr verschanzten sich die Truppen in Schützengräben, es kam zum Patt. Wie Krieg sich zum industrialisierten Massenmord entwickelte, wurde erst im Verlauf des Krieges erkannt (und selbst dann lernten die Feldherren nur langsam, wie im Falle des britischen Oberbefehlshabers, General Douglas Haig, gut dokumentiert ist).

Dabei hatte der polnisch-russische Unternehmer und Pionier der modernen Friedensforschung, Jan Bloch (auch Johann von Bloch, 1836-1902), bereits im Jahr 1898, also schon 15 Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges, in seiner prophetischen sechsbändigen Studie über den Krieg der Zukunft erklärt, dass dieser Krieg vollkommen anders sein würde. „Vom nächsten großen Krieg kann man als von einem Rendez-vous des Todes sprechen!“, schrieb er im Vorwort zur deutschen Ausgabe seines Mammutwerks »Der Krieg«.9 Er begründete und bewies, warum ein solcher Krieg „unmöglich“ geworden sei – unmöglich, es sei denn um den Preis des Selbstmords. Und als genau das erwies sich der Krieg dann auch: als Selbstmord der europäischen Zivilisation, der zum Zerfall des Österreichisch-Ungarischen, des Osmanischen, des Romanovschen und des Wilhelminischen Reiches führte. Das Kriegsende brachte auch das Ende der Welt, die die Menschen bis dahin kannten. Das brachte der Titel der erschütternden Memoiren eines Autors, der „über dem Kampf stand“, auf den Punkt: Stefan Zweigs »Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers« (postum 1942 in Stockholm erschienen).

Diese Pazifisten, (zu denen Zweig gehörte, auch wenn er sich nie aktiv an der Friedensbewegung beteiligte), die die Zerstörung ihrer Länder durch einen Krieg verhindern wollten, waren echte Patrioten. Sie wurden aber häufig verhöhnt und als naive Idealisten, Utopisten, Feiglinge und sogar Verräter abgestempelt. Das waren sie aber keineswegs. Zu Recht nannte Sandi E. Cooper ihre Studie zur Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg »Patriotic Pacifism: Waging War on War in Europe, 1815-1914« (1991, Oxford University Press). Hätte die Welt besser zugehört, was diese Menschen zu sagen hatten, wäre die große Katastrophe vermutlich vermeidbar gewesen. Karl Holl, der Doyen der deutschen Friedenshistoriker, beschrieb das im Vorwort zu seinem grandiosen Handbuch über die Friedensbewegung im deutschsprachigen Europa so: „[…] den Skeptikern mag manche Information über die historische Friedensbewegung vor Augen führen, wieviel Leid Europa erspart geblieben wäre, wären die Warnungen der Pazifisten auf weniger taube Ohren gestoßen und hätten praktische Initiativen und Vorschläge des organisierten Pazifismus Eingang in die offizielle Politik und Diplomatie gefunden“.10

Die Vorläufer der Zukunft als Quelle der Inspiration

Wenn einerseits, wie Holl wohl zu Recht behauptet, die Erkenntnis über die Existenz und die Arbeit der organisierten Friedensbewegung vor dem Ersten Weltkrieg deren Kritiker mit einem gewissen Maß an Demut erfüllen sollte, so sollte sie zugleich den heutigen Nachfolgern dieser Bewegung als Ermutigung dienen. Um noch einmal Holl zu zitieren: „Die Gewissheit, auf den Schultern von Vorgängern zu stehen, die ungeachtet der Feindseligkeit oder der Gleichgültigkeit ihrer Zeitgenossen unbeirrbar an ihrer pazifistischen Überzeugung festhielten, mag die Friedensbewegung von heute manche Anfechtung von Mutlosigkeit besser bestehen lassen.“ 11 Doch diesen „Vorläufern der Zukunft“ (wie es Romain Rolland treffend ausdrückte) wurde nie der ihnen gebührenden Respekt zuteil. Wir erinnern uns nicht an sie; sie sind nicht Teil unserer Geschichte, wie sie in den Lehrbüchern steht; es gibt keine Denkmäler für sie, und es sind auch keine Straßen nach ihnen benannt. Was für eine einseitige Sicht auf Geschichte vermitteln wir den nächsten Generationen! Es ist hauptsächlich den Bemühungen von Historikern wie Karl Holl und seinen Kollegen aus dem Arbeitskreis Historische Friedensforschung zu verdanken, dass in jüngerer Zeit das ganz »andere Deutschland« offengelegt wurde.

In diesem Kontext möchte ich gerne dem vom Bremer Friedenshistoriker Helmut Donat gegründeten Verlag meine Hochachtung aussprechen. Ihm ist es zu verdanken, dass wir heute über eine stetig wachsende Sammlung von Biographien und weiteren Studien über die Geschichte der deutschen Friedensbewegung aus der Zeit vor 1914 und der Zwischenkriegszeit verfügen.12

Auch anderswo, vor allem in den USA, schlossen sich Friedenshistoriker (mobilisiert durch den Vietnamkrieg) in den letzten 50 Jahren zusammen, sodass die Geschichte der Friedensbewegung zunehmend besser dokumentiert ist. So wird nicht nur die Geschichte von Krieg und Frieden präziser, ausgewogener und wahrheitsgemäßer dargestellt, sondern sie dient den heutigen Friedens- und Antikriegsaktivisten zugleich als Quelle der Inspiration. Ein Meilenstein in diesem Unterfangen ist das »Biographical Dictionary of Modern Peace Leaders«.13, das Friedenspersönlichkeiten von 1800 bis 1980 aus der ganzen Welt vorstellt.

Gedenken und Kriegsgegner ehren

Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass wir uns bei den Gedenkveranstaltungen zum Ersten Weltkrieg auch derjenigen erinnern und sie ehren sollten, die sich in den Jahrzehnten vor 1914 intensiv bemühten, eine Welt zu schaffen, aus der die Institution Krieg verbannt wäre. Mehr Bewusstsein und Unterricht in Friedensgeschichte sind nicht nur wünschenswert, ja, sogar unerlässlich, für Schüler, Studierende und andere junge Menschen, sondern für die Gesellschaft insgesamt. Daher darf bei den Gedenkveranstaltungen für die Kriegsopfer auf den zahllosen Schlachtfeldern Europas und weltweit die Möglichkeit zur ausgewogeneren Darstellung der Geschichte – und insbesondere zur Ehrung der Kriegsgegner – nicht fehlen.

„Niemand beging einen größeren Fehler als jener, der nichts tat, nur weil er nur wenig tun konnte“. (Edmund Burke)

Anmerkungen

1) Siehe ihr Vorwort in: David Adesnik (2011): 100 Years of Impact – Essays on the Carnegie Endowment for International Peace. Washington, D.C.: Carnegie Endowment for International Peace, S.5.

2) David Adesnik (2011), op.cit.

3) Siehe demilitarize.org.

4) Bertha von Suttner (1965): Memoiren. Bremen: Verlag C. Schünemann.

5) Siehe dazu Caroline E. Playne (1936): Bertha von Suttner and the struggle to avert the World War. London: George Allen & Unwin. Siehe insbesondere auch: Bertha von Suttner (1917): Der Kampf um die Vermeidung des Weltkriegs. Randglossen aus zwei Jahrzehnten zu den Zeitereignissen vor der Katastrophe. (1892-1900, 1907-1914). Zwei Bänder, herausgegeben von Dr. A.H. Fried. Zürich: Orell Fuessli.

6) Fredrik Heffermehl (2010): The Nobel Peace Prize: What Nobel Really Wanted. Santa Barbara, CA: Praeger-ABC-CLIO.

7) Norman Angell (1910): The Great Illusion. A Study of the Relation of Military Power in Nations to their Economic and Social Advantage. London: William Heinemann. Das Buch wurde mehr als eine Million Mal verkauft und in 25 Sprachen übersetzt. Auf deutsch erschienen 1911 unter dem Titel »Die falsche Rechnung. Was bringt der Krieg ein?«. Berlin: Vita Deutsches Verlagshaus.

8) Siehe z.B. Paul Fussell (1975): The Great War and Modern Memory. New York: Oxford University Press, S.12-13.

9) Johann von Bloch (1899): Der Krieg. Übersetzung des russischen Werkes des Autors: Der zukünftige Krieg in seiner technischen, volkswirtschaftlichen und politischen Bedeutung«. Berlin: Puttkammer und Mühlbrecht, hier Band I, S. XV; online unter archive.org/details/derkrieg05blocgoog. Siehe dazu Jürgen Scheffran: Der unmögliche Krieg. Jan Bloch und die Mechanik des Ersten Weltkriegs. W&F 2-2014, S.38-42.

10) Helmut Donat und Karl Holl (Hrsg.) (1983): Die Friedensbewegung: Organisierter Pazifismus in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Hermes Handlexikon. Düsseldorf: ECON Taschenbuchverlag, S.14.

11) Ibid.

12) Die Geschichte von »Donat Verlag und Antiquariat« ist interessant. Helmut Donat konnte in den 1980er Jahren keinen Verleger für seine Biographie über Hans Paasche finden – einem bemerkenswerten Marine- und Kolonialoffizier, der zu einem vehementen Kritiker der deutschen Kultur der Gewalt wurde und 1920 von nationalistischen Soldaten ermordet wurde. Also gründete Donat seinen eigenen Verlag und brachte das Buch dort heraus.

13) Harold Josephson (1985) (ed.): Biographical Dictionary of Modern Peace Leaders . Westport, Connecticut: Greenwood Pub Group.

Dr. Peter van den Dungen ist Visiting Fellow am Department of Peace Studies der University of Bradford (UK). Der Friedenshistoriker ist Gründer und seit 1992 General Coordinator ehrenhalber des International Network of Museums for Peace (inmp.net), dessen Sekretariat im Bertha-von-Suttner-Haus in Den Haag angesiedelt ist.

in Wissenschaft & Frieden 2014-3: Die Kraft der Künste, Seite 46–49

zurück vor