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Das Lehren lernen

Didaktik-Workshop des AK Curriculum der AFK, 4.-7. März 2013, Bad Urach

von Tatjana Reiber

Der Start in die Lehre ist für viele ein Sprung ins kalte Wasser. Zwar mehren sich hochschuldidaktische Qualifizierungsangebote, aber gerade fachspezifische Fortbildungen sind Mangelware. In diese Lücke stieß der Workshop »Das Lehren lernen« des AK Curriculum der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK). Vier Tage lang diskutierten, erprobten und erlebten 14 Nachwuchslehrende, was gute Lehre in der Friedens- und Konfliktforschung sein kann. Der Workshop im Haus auf der Alb in Bad Urach wurde von Verena Brenner, Thomas Nielebock und Tatjana Reiber geleitet und von der Deutschen Stiftung Friedensforschung und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gefördert.

Das Programm des Workshops setzte sich aus vier Elementen zusammen:

  1. Konzeptionen von Lehren und Lernen und Rollenverständnis,
  2. inhaltliche Gestaltung von Seminaren,
  3. aktivierende Methoden und
  4. Lernatmosphäre.

Reflektion und Austausch stand somit im Mittelpunkt des ersten Workshop-Tages. Wann lernen wir gut? Was macht eine gute Hochschullehrerin/einen guten Hochschullehrer aus? Und was sagt die Lehr- und Lernforschung zum Thema Motivation? Hans-Christoph Bartscherer, der viele Jahre lang die hochschuldidaktische Fortbildung an der TU München vorangetrieben hat, sensibilisierte für diese Fragen. Wichtig war ihm auch, den engen Zusammenhang von Lernzielen, Prüfungen und Lernaktivitäten zu verdeutlichen. Alle drei Aspekte, so sein Plädoyer, müssen sich ergänzen und aufeinander abgestimmt sein. Gerade die Konzeption von Prüfungen werde häufig unterschätzt, sei aber von zentraler Bedeutung , da Studierende sich in ihrem Lernverhalten an diesen orientieren.

Der zweite Tag drehte sich um die inhaltliche Zielsetzung und Gestaltung von Seminaren. Tanja Brühl, Professorin für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Frankfurt, gewährte mit einer Art Werkstattbericht Einblicke in ihre eigenen Lehrerfahrungen. Welche Lernziele gibt es, wie lassen sich diese kategorisieren, warum ist die Lernzieldefinition überhaupt sinnvoll, wie lassen sich Prioritäten bestimmen? Was sind Lernziele, die gerade für die Friedens- und Konfliktforschung von zentraler Bedeutung sind? Und vor allem: Wie komme ich zu einem stringenten Seminarplan? Dargestellt wurden dabei auch Möglichkeiten, Seminare jenseits des Klassikers »Referat und Diskussion« zu gestalten. Um das Gehörte und Diskutierte auch gleich umzusetzen, entwickelten die Teilnehmenden in Kleingruppen Seminarkonzeptionen zu einschlägigen Themen der Friedens- und Konfliktforschung und reflektierten ihre Seminarpläne wechselseitig.

Der Einsatz von aktivierenden Methoden wurde am dritten Tag eingeübt. Methoden, so das zentrale Credo der Referentinnen Verena Brenner und Tatjana Reiber, sind ein Hilfsmittel und kein Selbstzweck: Sie sollen Aktivitäten der Studierenden initiieren, die der Erreichung von Lernzielen dienen. Und da Lernen ein selbstgesteuerter und aktiver Prozess der Wissenskonstruktion ist und nur von den Lernenden selbst geleistet werden kann, spielt Aktivierung eine zentrale Rolle. Die Teilnehmerinnen erlebten zunächst eine Vielzahl von Methoden und reflektierten deren Funktion und Wirkung, danach machten sie sich an die eigene Umsetzung und übten die Anleitung von Methoden in spezifischen Situationen ein.

Emotionale Faktoren und eine gute Lernatmosphäre sind von zentraler Bedeutung für den Lernerfolg. Hierfür sensibilisierte die Anglizistin und hochschuldidaktische Trainerin Ira Gawlitzek am Abschlusstag. Um eine gute Lernatmosphäre herzustellen, sind Schlüsselsituationen von zentraler Bedeutung: Das sind insbesondere die erste Seminarsitzung, aber auch die Abschlusssitzung und grundsätzlich der Ein- und Ausstieg in den einzelnen Sitzungen. In den Diskussionen wurde hierbei auch wieder der Bogen zum ersten Tag geschlagen – welche Stimmung in einem Seminar herrscht, hängt zu einem wesentlichen Teil vom Kommunikationsverhalten und der eigenen Einstellung und dem Rollenverständnis ab.

Tatjana Reiber

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