in Wissenschaft & Frieden 2008-3: Religion als Konfliktfaktor

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Frieden mit dem Unfrieden? Wissensbestände im Wandel

Jahreskolloquium der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung e.V.

von Petra Hoffmann

Unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Schlotter, Vorsitzender der AFK, und in Kooperation mit Uwe Trittmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie Villigst, gefördert aus Mitteln der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF), hatte die Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung aus Anlass ihres vierzigjährigen Bestehens zu ihrer Jahrestagung vom 29. 2. bis 2. 3.2008 erstmals in die neuen Bundesländer, nach Leipzig, geladen. Mit der Wahl des Tagungsortes Leipzig unterstrichen die Veranstalter ihr Bestreben, künftig mehr Präsenz im Osten der Republik zu zeigen und die deutsche Friedens- und Konfliktforschung auch dort stärker zu etablieren. Gerade Leipzig habe, so Schlotter, für eine zukünftige Ausrichtung der Friedens- und Konfliktforschung Symbol- und Strahlkraft, gelte die Stadt doch durch die »Montagsdemonstrationen« und die »friedliche Revolution« ganz allgemein als Zentrum bürgerschaftlichen Engagements. Als Kooperationspartner konnten das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig - zugleich Haupttagungsort, die Universität Leipzig, Institut für Philosophie, das Bürgerkomitee Leipzig e.V. sowie namhafte Persönlichkeiten, nicht zuletzt auch der Nikolaikirche gewonnen werden. Zu unterschiedlichen Zeiten an je unterschiedlichen Orten hießen sie die FriedensforscherInnen in Leipzig willkommen: Dr. Anne Martin für das Zeitgeschichtliche Forum, Prof. Dr. Georg Meggle für die Universität, Tobias Hollitzer für das Bürgerkomitee. Zu einem Empfang lud zudem der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung in die Alte Handelsbörse am Naschmarkt.

Prof. Schlotter eröffnete den Kongress, indem er die Fragestellung des Kongresses »Frieden mit dem Unfrieden?« mit den im Wandel befindlichen Wissensbeständen verband. Was wissen wir wirklich über die Ursachen von Gewalt und Krieg- und über die Ursachen von Frieden? Welche Forschungsergebnisse sind für die aktuellen und künftigen Herausforderungen bedeutsam? Welche neuen Fragen gibt es, denen sich die Friedens- und Konfliktforschung noch nicht gestellt hat? Als zentrale Bedingung für den Frieden, über die innerhalb der Friedensforschung ein Konsens bestehe, stellte Peter Schlotter die demokratische Gesellschaft im Inneren heraus. Welche allein selbstverständlich nicht genüge, dennoch aber über großes Potential verfüge. Nur Gesellschaften, die im Inneren befriedet seien, seien dauerhaft nach außen friedensfähig.

Dr. Martina Fischer, die die Kongressteilnehmer im Namen der DSF begrüßte, verwies auf die Gelegenheit, im Rahmen der Feier des 40-jährigen Bestehens der AFK eine Standortbestimmung der Friedensforschung vorzunehmen, namentlich der Auseinandersetzung mit den Wissensbeständen und damit auch mit den Wissenslücken. Drei Aspekte der AFK-Arbeit seien besonders herauszustellen: Dazu gehöre die Nachwuchsförderung, der es gelungen sei, junge Wissenschaftler zu gewinnen. Als wichtigen Beitrag wertete sie die Einladung ausländischer Diskussionspartner, um die AFK international stärker zu vernetzen, insbesondere den Brückenschlag in den angelsächsischen Raum voranzubringen. Zugleich hob sie die Inter- und Mulitdisziplinarität der kommenden Diskussionen zum Stand der Perspektivenherausbildung hervor. Darüberhinaus ermögliche die AFK den Dialog zwischen theoriegeleiteter Friedens- und Konfliktforschung und den anwendungsbezogenen Herangehensweisen der Friedensarbeit und Friedenspolitik.

Willkommene Anerkennung erfuhren die Tagungsteilnehmer, resp. die Mitglieder der AFK, in der Begrüßung von Edelgard Bulmahn, MdB., Bundesministerin für Forschung und Bildung a.D. Sie unterstrich die Rolle der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung als einer „Mahnerin, wenn es um Aufrüstung und militärische Konfliktlösungsstrategien ging“. Die AFK schärfe maßgeblich das Bewusstsein für nichtmilitärische Konfliktlösungsstrategien, sei immer streitbar und nie bequem in Fragen der Friedens- und Sicherheitspolitik. „Die Friedensforschung ... ist angesichts der vielfältigen aktuellen Konfliktlagen und Herausforderungen wichtiger denn je. Politik und Gesellschaft brauchen eine kritische Wissenschaft, die dazu beiträgt, dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.“ Friedensforschung sei wertgebunden, den Menschenrechten und dem Ziel der Gewaltfreiheit verpflichtet. Jedoch stehe die Friedensforschung immer auch in der Gefahr, in politische Auseinandersetzungen hineingezogen, missverstanden und missbraucht zu werden. „Gesellschaftlich ertragreiche Friedensforschung ist frei und unabhängig. Sie ist interdisziplinär und keine alleinige Angelegenheit der politischen Wissenschaft.“ Nicht zuletzt deshalb müsse die Friedenforschung politisch und finanziell unabhängig sein. Frau Bulmahn sicherte auch weiterhin ihren unermüdlichen Einsatz für die Förderung der Friedensforschung zu.

Nach den Eröffnungsreden leitete Prof. Dr. Dieter Senghaas, Universität Bremen, mit seinem Vortrag über „40 Jahre Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland - Erinnerung an die Zukunft“ den inhaltlichen Teil der Veranstaltung ein. (...) Unter dem TitelWeltregieren: Vom ‘exklusiven’ Multilateralismus zu inklusiver Institutionalisierung zeichnete, den zweiten Kongresstag einleitend, Prof. Dr. Volker Rittberger Entwicklungslinien einer sich vertiefenden Kooperation zwischen staatlichen und zivilen Protagonisten im Bereich trans- bzw. internationaler Norm- und Regelsetzung nach und zeigte auf, wie diese sich als Teil einer sich neu herausbildenden „heterarchischen Weltordnung“ verstehen lassen. (...)

In fünf Panels organisiert, wurden weit fortgeschrittene Arbeiten an einer sorgfältig strukturierten und von einem Herausgeberteam des AFK-Vorstandes geleiteten Bestandsaufnahme der in 40 Jahren zusammengetragenen Wissensbestände der deutschsprachigen Friedens- und Konfliktforschung vorgestellt und hinterfragt.

Ein umfassender Bericht zur AFK-Tagung ist auf der AFK-Homepage aufrufbar:
www.afk-web.de.

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