in Wissenschaft & Frieden 1997-1: Neben-einander – Gegen-einander – Mit-einander

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W&F LeserInnen-Umfrage

von Gert Sommer und Anneke Ulrich

Die Zeitschrift »Wissenschaft & Frieden« erscheint bereits im 14. Jahr. Redaktion und Vorstand haben für die weitere Entwicklung der Zeitschrift ein großes Interesse daran, von ihren LeserInnen zu erfahren, wie zufrieden diese mit der Zeitschrift sind und welche konkreten Veränderungswünsche bestehen. Dazu wurde in Heft 3/96 ein zweiseitiger Fragebogen beigelegt mit der Bitte, diesen bis spätestens vier Wochen nach Erscheinen des Heftes an uns einzusenden.

Der Fragebogen bestand aus insgesamt 13, z.T. weiter aufgegliederten Fragen. Die Fragen konnten z.T. auf Bewertungsskalen (7-stufig) und z.T. offen beantwortet werden. Im folgenden stellen wir die wesentlichen Ergebnisse dar. Zur besseren Veranschaulichung geschieht dies z.T. in Grafiken; zusätzlich werden Mittelwerte (M) und Streuungen (SD) der Antworten angegeben.

Vom 25.10. bis zum 5.12.1996 gingen insgesamt 75 Fragebögen ein (bis 15.1.97 gingen noch weitere 5 Fragebögen ein, die aber aus technischen Gründen nicht mehr berücksichtigt werden konnten). Die Ergebnisse können also nur als vorsichtig zu interpretierende Hinweise verstanden werden, da wir über die Merkmale der EinsenderInnen hinsichtlich ihrer Repräsentativität für die LeserInnen von W&F kaum Aussagen machen können.

1. Intensität des Lesens

W&F wird mit einer mittleren Intensität gelesen, nur wenige EinsenderInnen lesen sie weitgehend vollständig (Mittelwert = 4,4; 1 = „blättere nur durch“; 7 = „lese vollständig“). - Dieses Ergebnis erscheint wenig auffällig, da die Inhalte von W&F sehr breit gestreut sind und somit ein selektives Lesen erwartet werden kann.

2. Zufriedenheit mit Inhalten von W&F; inhaltliche Anregungen

Die EinsenderInnen tendieren deutlich zu einer „zufriedenen“ Bewertung (Mittelwert = 5,5; 1 = „unzufrieden“; 7 = „zufrieden“). Allerdings sind 14 EinsenderInnen bestenfalls im mittleren Ausmaß zufrieden. - Dies mag u.a. mit der Heterogenität der LeserInnen zusammenhängen, die aus sehr unterschiedlichen Berufsgruppen stammen und daher unterschiedliche Wünsche an die Inhalte haben. Bezüglich der Inhalte von W&F werden viele Anregungen gegeben. Wir haben zunächst alle Hinweise weitgehend wörtlich übertragen und dann eine Zusammenfassung ähnlicher Inhalte vorgenommen. Im folgenden nennen wir zur besseren Übersichtlichkeit nur solche Themen, die mehrfach genannt wurden.

2.1 Inhalte, die häufiger bzw. ausführlicher behandelt werden sollten

Es werden häufiger Artikel zur aktuellen Politik und zu Hintergrundinformationen bei Konflikten (7x) sowie solche zur deutschen Außenpolitik, u.a. in Zusammenhang mit Bündnissen bzw. Organisationen (EU, UNO, NATO, OSZE) (6x) gewünscht. Gewaltfreie Konfliktbearbeitung (5x), (sozial-) psychologische Themen (6x), ökonomische Analysen (4x) und Ökologie (4x) sollten häufiger bzw. ausführlicher aufgegriffen werden. Einerseits werden Berichte aus der praktischen Friedensarbeit (3x) und andererseits die verstärkte Beachtung von Theorie und Forschung (3x) gefordert. Zudem werden als Stilmittel Streitgespräche und Interviews (auch mit der »Gegenseite«) angeregt (4x).

2.2 Themen, die vermißt werden

Vermißt werden ein internationaler Blick (6x), historische Aspekte (4x) und der Bezug zu Aktivitäten im eigenen Umfeld (3x). Auch diese Frage wird von einigen LeserInnen mit dem Fehlen ökonomischer Analysen (z.B. in Zusammenhang mit Ökologie, Kriegen) (4x) beantwortet.

2.3 Inhalte, die seltener bzw. weniger ausführlich behandelt werden sollten

Seltener bzw. weniger ausführlich sollten technische, naturwissenschaftliche Ausführungen (5x) und politische, soziologische Themen (3x) behandelt werden. Sowohl Ökologie als auch Ökonomie wurden je zweimal genannt.

Die hier angesprochenen Themen und Stilmittel sind wichtige Anregungen für die Redaktion, die diese in ähnlicher Form auch immer wieder diskutiert. Die widersprüchlichen Wünsche z.B. zu Ökonomie, deren Behandlung viermal „häufiger“, zweimal aber „weniger häufig“ gewünscht wird, verdeutlichen an einem Beispiel die Schwierigkeit und auch die Grenzen der Redaktion, den unterschiedlichen Ansprüchen der LeserInnen gerecht werden zu können.

3. Informationswert von W&F

Die Informationen in W&F werden überwiegend als (weitgehend) zuverlässig (M = 6,1: 1 = „unzuverlässig“; 7 = „zuverlässig“) und entsprechend die AutorInnen als (weitgehend) kompetent bewertet (M = 6,0: 1 = „inkompetent“; 7 = „kompetent“). - Die Bewertungen dieser beiden Fragen stimmen in hohem Maße überein; sie sind für W&F sehr erfreulich, da sie die Professionalität und die hohe Kompetenz von Redaktion und AutorInnen widerspiegeln.

Die Informationen in W&F (Fakten und Bewertungen) werden in einem mittleren Ausmaß als neu bezeichnet, sie sind also zu einem Teil den LeserInnen bereits bekannt (vgl. Abb. 1; 1 = „bereits bekannt“; 7 = „neu“). - Nach unserer Einschätzung ist dieses Ergebnis nicht auffallend. Die LeserInnenschaft von W&F besteht zu einem großen Teil aus Menschen, die sich intensiv mit dem Thema »Frieden« beschäftigen und daher sehr gut informiert sind. Zudem ist eine gewisse Redundanz an Informationen aus psychologischer Sicht sogar erforderlich: Friedensthemen werden in unseren Massenmedien eher vernachlässigt oder primär unter militärischen oder machtpolitischen Perspektiven abgehandelt. Daher ist es zur Bewußtseinsbildung wichtig, immer wieder Fakten und Bewertungen zu erhalten, bei denen als Mittel (oder Wege) gewaltfreie Konfliktaustragungen und als Ziele eine gerechte(re) und lebenserhaltende Welt dargestellt werden.

Die Artikel in W&F werden insgesamt als recht gut verständlich bewertet (vgl. Abb.2; 1 = „unverständlich“; 7 = „verständlich“). Allerdings finden 31 von 73 EinsenderInnen (ca 40 %) die Artikel nicht in wünschenswertem Ausmaß verständlich (Bewertung ). Bei den Anmerkungen zu dieser Frage wurde entsprechend kritisiert, die Inhalte seien zu oft wissenschaftlich abgehoben bzw. sprachlich schwer verständlich (10x). - In einer Zeitschrift, die die Friedensthematik aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven behandelt (u.a. Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Psychologie, Pädagogik), ist es eine ständig neue Herausforderung, die AutorInnen zu motivieren, ihre Gedanken so zu formulieren, daß auch gebildete Laien diese verstehen können.

4. Nutzen von W&F

Die EinsenderInnen konnten bei dieser Frage mehrere der fünf vorgegebenen Antwortmöglichkeiten bejahen (vgl. Abb. 3). Fast alle EinsenderInnen nutzen W&F, um sich über Friedensthemen zu informieren - dieses schlichte Ergebnis belegt, daß die Zeitschrift W&F ihr primäres Ziel erreicht. Jeweils über die Hälfte der EinsenderInnen nutzt zudem W&F für ihr friedenspolitisches Engagement (ca. 70 %) und aus Interesse an multidisziplinärer Diskussion (60 %). Zusätzlich wird W&F auch für Lehre und Vorträge (ca. 40 %) und in geringerem Ausmaß für Forschung und Wissenschaft (ca. 20 %) genutzt. Zudem wurde mehrfach angegeben, daß W&F für Öffentlichkeitsarbeit (5x) und Schule (3x) genutzt werde. - Insgesamt stellt sich somit der Nutzen von W&F für die LeserInnen erfreulich breit dar.

5. Darstellung der Schwerpunktthemen

Die Schwerpunktthemen werden als insgesamt recht zufriedenstellend bewertet. Begründet wurden die Bewertungen mit Aussagen wie „gut“ (5x), „differenziert“ und „ausführlich“ (4x), „informativ“ (4x). Kritisch angemerkt wurden, daß die Sprache zu fachspezifisch sei (3x) und Grafiken fehlten (3x). - Bei der Bewertung dieser Frage ist zu berücksichtigen, daß die Pole hier extrem formuliert vorgegeben wurden (“überhaupt nicht“ vs. „ausgezeichnet“), während die bei anderen Fragen vorgegebenen Extremausprägungen eher vorsichtig formuliert waren (“unzufrieden“ vs. „zufrieden“). Diese Diskrepanz ist beim Erstellen des Fragebogens leider übersehen worden.

6. Politische und friedenswissenschaftliche Orientierung von W&F

Bei dieser Frage waren nur offene Antworten möglich, eine Bewertungsskala wurde nicht vorgegeben. Der Forderung, die Zeitschrift solle radikaler und kritischer werden, deutlicher ethische Standpunkte vertreten (4x) steht die Einschätzung gegenüber, W&F sei sachlich, fakten- und wissenschaftsorientiert (3x). Einige EinsenderInnen kommentieren, W&F böte ein breites Spektrum (3x), während andere den Wunsch nach Darstellung von Gegenpositionen (5x) äußern. Die gewaltfreie und antimilitaristische Haltung (5x) wird positiv hervorgehoben. Die politische Einordnung streut von links-kritisch (4x) bis hin zu konservativ-liberal (1x) und politisch nicht orientiert (2x). Kritisch wird angemerkt, die Zeitschrift solle handlungsorientierter sein, sei zu abgehoben, zu trocken (5x).

7. »Blaue Seiten«

Die Informationen aus Initiativen und Projekten (»blaue Seiten«) werden „eher zufriedenstellend“ bewertet, diese Bewertungen streuen aber beträchtlich über die gesamte vorgegebene Skala (M = 5,2: Vorgabe bei dieser und den folgenden Fragen jeweils 1 = „unzufrieden“; 7 = „zufrieden“). - Diese eher mäßige Bewertung ist kaum zu vermeiden. Mit den »blauen Seiten« wird den Initiativen bzw. Vereinen, die Herausgeber bzw. Träger von W&F sind, die Möglichkeit gegeben, über Vereinsaktivitäten zu berichten. Dies hat eine wesentliche Funktion für die Herausgeberorganisationen, da diese in der Regel kein weiteres Informationsorgan außer W&F für ihre Mitglieder haben. Die Gestaltung der »blauen Seiten« liegt zudem weitestgehend in der Verantwortung der Initiativen. Ein Großteil der »blauen Seiten« ist für die Mehrheit der LeserInnen, die der jeweiligen Organisation nicht angehören, von keinem oder nur geringem Interesse. Wir hören aber auch immer wieder von unseren LeserInnen, daß sie auch die Berichte aus anderen Vereinen mit Interesse überfliegen.

8. »Gelbe Seiten«

Das Dossier (»gelbe Seiten«) wird von der überwiegenden Mehrheit der EinsenderInnen (über 80 %) als zufriedenstellend bewertet (Werte 6 und 7). - Das Dossier hat für W&F eine große Bedeutung. Dort werden einzelne friedenspolitische Themen (z.B. Landminen; Energiekonflikte; UNO) zusammenfassend bearbeitet. Das Dossier wird - nach vielen informellen Informationen - häufig bei friedenspolitischen Aktivitäten eingesetzt. Für W&F haben die gelben Seiten zudem die Funktion, systematisch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen bzw. Initiativen zu fördern. Es ist daher sehr erfreulich, daß das Dossier von den EinsenderInnen hoch geschätzt wird.

Die bisherigen Fragen hatten eher inhaltliche Aspekte von W&F zum Thema, mit den folgenden drei Fragen werden formale Aspekte angesprochen.

9./10. Gesamte Aufmachung von W&F; Titelblatt von W&F

Die EinsenderInnen sind sowohl mit der gesamten Aufmachung als auch mit dem Titelblatt von W&F „eher zufrieden“. Die Mittelwerte (M = 5.6) und die Verteilung der Antworten auf die beiden Fragen sind nahezu identisch. Es werden mehr aussagekräftige Bilder, gute Photos und Graphiken gewünscht (6x) und diese dann stets mit beschreibendem, erklärendem Titel (3x). Es wird angeregt, Fakten und Hintergrund- bzw. Basisinformationen optisch hervorzuheben (in Kästen o.ä.) (2x).

Die Fotos des Titelblattes werden z.T. als zu abstrakt kritisiert, der Bezug zum Thema sei teilweise nicht deutlich, die Bilder zu statisch. Es wird vorgeschlagen, mehr Personen (z.B. Foto eines/r Interviewten) abzudrucken (3x).

11. Länge der Artikel

Etwa ein Drittel der EinsenderInnen ist mit der Länge der Artikel zufrieden, nahezu 60 % wünschen sich kürzere Artikel, und nur für ganz wenige sind die Artikel zu kurz. - Über die Länge der Artikel wird in der Redaktion von W&F ständig und heftig debattiert. In Vorstand und Redaktion gibt es aber eine Mehrheit für kürzere Artikel - offensichtlich in Übereinstimmung mit der Mehrheit der EinsenderInnen.

12. Weitere Anmerkungen

Am Ende des Fragebogens hatten die LeserInnen die Möglichkeit, weitere Anmerkungen zu formulieren. Die im folgenden aufgeführten Anregungen wurden von einzelnen EinsenderInnen angegeben.

Inhaltliche und Themen-Vorschläge:

Formale Vorschläge:

In der Gesamtbeurteilung betonen einige EinsenderInnen, daß W&F für sie eine wichtige Publikation sei. Sie biete Information und Aufklärung, sowie wissenschaftlich fundierte Kritik an Gewalttätigkeit, könne aber auch für die Friedensarbeit genutzt werden. Wünschenswert sei es, wenn die Zeitschrift bekannter würde und so mehr Menschen erreicht und zu konkretem Tun motiviert werden könnten.

Gesamtbeurteilung:

13. Die EinsenderInnen

Die 75 Personen, die einen ausgefüllten Fragebogen rechtzeitig einsandten, sind durchschnittlich 53 Jahre alt, 22 sind über 60 und nur 17 sind unter 40 Jahre alt. Nahezu 90 % sind Männer. - Diese Altersstruktur und die Geschlechterverteilung sind für W&F sehr ungünstig. Zu prüfen wäre, ob diese Daten repräsentativ für die gesamte LeserInnenschaft sind. Für die Geschlechtervariable trifft dies bekanntermaßen nicht zu. Angaben zum Alter aller LeserInnen von W&F liegen nicht vor; nach Einschätzung verschiedener KennerInnen von Teilen der LeserInnenschaft dürfte das Durchschnittsalter in der Tat kaum wesentlich jünger liegen als bei den EinsenderInnen. Zum Fortbestand von W&F wäre es daher eine wichtige Aufgabe, jüngere Personen für dieses Projekt zu interessieren und zu aktivieren.

45 % der EinsenderInnen gehören wissenschaftlichen Berufen an (ProfessorInnen, Natur- und SozialwissenschaftlerInnen), damit sind ProfessorInnen (mit nahezu 20 %) bei den EinsenderInnen überrepräsentiert.

Ein Drittel der EinsenderInnen gehört keiner Trägerorganisation von W&F an, nur drei Organisationen sind mit mehr als 5 EinsenderInnen vertreten (Forschungsinstitut für Friedenspolitik, Naturwissenschaftler-Initiative und Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung). Wegen der zu geringen Repräsentanz sowohl der einzelnen Trägerorganisationen als auch der Berufsgruppen konnten wir einen ursprünglich geplanten Vergleich zwischen einzelnen Gruppen nicht durchführen.

Zusammenfassung

Von fast 4.000 LeserInnen von W&F haben 80 unseren Fragebogen beantwortet. Die EinsenderInnen können nicht als repräsentativ für die W&F-Leser gelten, sie können aber der Redaktion und den AutorInnen wichtige Anregungen für ihre Arbeit geben.

1. Es werden insbesondere mehr (Hintergrund-)Informationen zu aktueller Politik und zu aktuellen Konflikten gewünscht.

2. Als Stilmittel werden mehr Streitgespräche und Interviews (auch mit VertreterInnen von Gegenpositionen) angeregt.

3. Bei den einzelnen Artikeln (dies gilt auch für das Dossier) werden Zusammenfassungen angeregt, geringere Länge, verständlichere Sprache und die Darstellung wichtiger Fakten in Form von Tabellen, Grafiken, Statistiken u.ä. Damit könnte der Nutzen von W&F für die LeserInnen weiter erhöht werden.

4. Insgesamt werden der Wert von W&F und die Kompetenz der AutorInnen deutlich positiv eingeschätzt.

Wir danken den ZusenderInnen für Ihre Mühen und Anregungen!

Sind die Fakten und Bewertungen in der Regel neu für Sie?
grafik 1
Halten Sie die Darstellungen in der Regel für verständlich?
grafik 2
Wozu nutzen Sie Wissenschaft & Frieden
grafik 2
a) Informieren über Friedensthemen
b) Friedenspolitisches Engagement
c) Lehre und Vorträge
d) Forschung und Wissenschaft
e) Interesse an multidisziplinärer Diskussion

Gert Sommer ist Professor für Klinische Psychologie an der Universität Marburg und Vorsitzender des „Forum Friedenspsychologie“ (FFP),
Anneke Ulrich ist studentische Mitarbeiterin.

in Wissenschaft & Frieden 1997-1: Neben-einander – Gegen-einander – Mit-einander

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