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Antipersonenminen in Südkorea

von Joo-hi Lee

Vor einem Jahr haben die USA ihre Zustimmung zu dem internationalenVertrag über ein Verbot der Anti-Personen-Minen verweigert. Ihre Zustimmung hatten sie von einer Ausnahmegenehmigung für Südkorea abhängig gemacht. Eine Haltung, die weltweit heftigen Protest hervorgerufen hat. Die Position der US-amerikanischen Regierung in Bezug auf die Anti-Personenminen in Südkorea kann wie folgt zusammengefaßt werden:

Invasionsgefahr

Seit Ende des Korea-Krieges beschwören sowohl die US-Regierungen als auch die südkoreanischen Regierungen die Gefahr eines Angriffs aus Nordkorea. Es herrscht auf der koreanischen Halbinsel seit 1953 ein Kalter Krieg zwischen der Volksrepublik Nordkorea auf der einen Seite und der Republik Südkorea und den Vereinigten Staaten auf der anderen. Darunter leiden vor allem mehr als 10 Millionen Koreaner, deren Familien beiderseits der Grenze leben. Aus Sicht der Friedensbewegung sind für diese Entwicklung alle drei Regierungen verantwortlich zu machen. Anstatt konsequent nach Wegen für ein Friedensabkommen zu suchen, modernisieren sie beständig ihre Waffenarsenale, rüsten sie ohne Pause weiter auf.1 Dabei ist der Süden mit Sicherheit technisch wesentlich besser gerüstet als der Norden.

Schutz amerikanischer Soldaten

Nach einer Veröffentlichung der Organisation der Vietnam-Veteranen-Stiftung in den Vereinigten Staaten wurden viele US-Soldaten mit eigenen Minen verstümmelt und getötet. US-Generäle bezeichneten die »Schutzfunktionen« der Minen für die eigenen Soldaten als eher fraglich. Die Manövrierfähigkeit der Soldaten werde durch Minen ziemlich beschränkt, in extremen Situationen wie schnell notwendigen Positionsveränderungen wachse die Gefahr für die eigenen Soldaten. Nach einer Meldung der New York Times waren Minen verantwortlich „für mehr als ein Viertel der amerikanischen Kriegstoten in Vietnam.“2 In der gleichen Zeitung heißt es etwas später: „Antipersonenminen jagten auch US- bzw. UNO-Soldaten in die Luft. Minen verursachten ein Drittel der amerikanischen Opfer in Vietnam, ein Zehntel der im Golf-Krieg und auf dem Balkan getöteten US-Soldaten.“ 3

Reduzierung der Angriffsgeschwindigkeit

Dem Planungsteam der US-Streitkräfte in Südkorea schwebt ein Kriegsszenario vor, in dem die nordkoreanische Armee mit Panzern und in einem schnellem Tempo an allen Fronten gleichzeitig angreift. Demzufolge legten sie an allen erdenklichen Strecken Panzerminen aus, und um die Minen vor einer Beseitigung durch nordkoreanische Minenspezialisten zu schützen, vergruben sie um die Panzerminen herum Antipersonenminen. Dadurch soll der Angriff gestoppt und genügend Zeit für einen Gegenangriff gewonnen werden.

Das Szenario selbst ist äußerst fraglich. Der US-amerikanische Strategieforscher Michael O´Hanlon vom Brookingsinstitut belegt aber darüber hinaus, daß die US-Armee über genügend Instrumente verfügt, um einem Angriff schnell Einhalt zu gebieten. Zum Beispiel: Tow Panzerabwehr-Raketen, M1 Abrams Kampfpanzer, südkoreanische K-1 Kampfpanzer, andere Panzerabwehr-Artillerie und Kampfflugzeuge, die mit modernster Bewaffnung ausgerüstet sind.4

Tatsächlich fühlt sich eher Nordkorea bedroht von der stärkeren militärischen Schlagkraft der gemeinsamen Streitkräfte von Südkorea und den Vereinigten Staaten (CFC: Combined Forces Command). Als der Korea-Spezialist Selig S. Harrison vom Woodrow Wilson International Center for Scholars 1992 Nordkorea besuchte, erfuhr er vom nordkoreanischen Vize-Stabchef General Kwon Jung-young: „Die südkoreanische und us-amerikanische Luftwaffe ist der Nordkoreas überlegen. Es wäre daher notwendig, unser Heer in der vordersten Reihe um die Demarkationslinie zu stationieren, um der Fähigkeit Südkoreas entgegenzutreten, tief in unseren Verteidigungsraum einzudringen.“ 5

Kein Ersatz für Landminen?

Die USA begründen den Einsatz ihrer Minen auch mit der Existenz nordkoreanischer Minen. Sie verfügen aber über ausreichende Mittel gegen diese nordkoreanischen Minen. Um Minen zu entdecken, zu klassifizieren, zu zerstören und zu beseitigen entwickelten die US-Streitkräfte verschiedene Systeme wie

Den gemeinsamen Streitkräften Südkoreas und der Vereinigten Staaten stehen schließlich noch weitere Waffensysteme zur Verfügung, um einen Angriff aus dem Norden in kürzester Zeit zurückzuschlagen. Deshalb ist die Argumentation unhaltbar, nach der aufgrund fehlender »Ersatzmittel« an den Landminen weiter festgehalten werden müsse.

Einsatztermin bis zum Jahr 2006

Dem Verfasser ist es nicht ersichtlich, warum das US-Verteidigungsministerium vorhat, seine Landminen auf der koreanischen Halbinsel bis zum Jahr 2006 einsatzbereit zu halten. Erklärbar ist das nur als Vorwand der US-Regierung

Vorschläge zur Beseitigung aller Minen

Der Verfasser ist in der Meinung, daß sich die drei Länder USA, Süd- und Nordkorea nachträglich der Konvention über das Verbot der Antipersonenminen anschließen müssen. Darüber hinaus müssen sie in Verhandlungen eintreten, um die koreanische Halbinsel zur minenfreien Zone zu verwandeln.

Dafür sind folgende Schritte notwendig:

Eine Entminung in Süd- und Nordkorea könnte ein erster Schritt sein auf dem Weg zu einer Friedenszone auf der koreanischen Halbinsel.

Anmerkungen

1) Vgl. Verteidigungsministerium, Weißbuch 1996-1997, Seoul 1997. Zurück

2) Leitartikel, Lagging on Land Mines, in: New York Times, 13.6.1997, S. A 24. Zurück

3) Tim Weiner: U.S. Is Wary of Ban on Land Mines, in: New York Times, 17.6.1997, S. A 10. Zurück

4) Vgl. Michael O´Hanlon: Stopping a North Korea Invasion. Why Defending South Korea Is Easier than the Pentagon Thinks, in: International Security, Vol. 22, No. 4 (Spring 1998), S. 148-151. Zurück

5) Selig S. Harrison: Waffenstillstandabkommen und Sicherung des Friedens, in: Tageszeitung Hankyoreh, 24.7.1995, S. 5. Zurück

6) Siehe Barbara Starr: Countermine tests to aid amphibious operations, in: Jane´s Defense Weekly, 3.9.1997, S. 11. Zurück

7) Vgl. Vertragstext: Konvention über das Verbot des Gebrauchs, der Lagerung, Produktion und Übergabe von Antipersonenminen und ihre Zerstörung (18.9.1997, Oslo), in: http://www.icbl.org. Zurück

Joo-hi Lee, Diplom-Politologe, Friedensforscher aus Südkorea, z.Z. wohnhaft in Schwäbisch Gmünd.

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