in Wissenschaft & Frieden 1995-4: Menschenrechte und Militär

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Editorial

von Caroline Thomas

Liebe Leserinnen und Leser

In der öffentlichen Debatte um den Schutz von Menschenrechten wird immer stärker aufdie militärische Karte gesetzt. Mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien ist endgültigder gesellschaftliche Konsens aufgebrochen, der uns in der Bundesrepublik Deutschland mehrmilitärische Zurückhaltung auferlegte als anderen Ländern. Bereits während des 2.Golfkrieges zeigten sich deutliche Meiungsverschiedenheiten in der – jetzt schonalten – Neuen Friedensbewegung, im Ja oder Nein zum Militäreinsatz. Wie tief derRiß heute geht, wird vielleicht am sichtbarsten in der Diskussion innerhalb der ParteiDie Grünen/Bündnis 90 und im Abstimmungsverhalten ihrer Bundestagsfraktion,repräsentierten die Grünen doch bisher ein antimilitaristisches und pazifistischesgesellschaftliches Spektrum.

Das Fatale an der Diskussion des „Für und Wider Militär-Einsatz“ ist, daßdie Beteiligten in der militärischen Logik gefangen bleiben. Zu kurz kommt die Diskussionder Konfliktursachen, der -bedingungen, der zivilen Lösungsmöglichkeiten, derNotwendigkeiten für die Gestaltung einer gerechteren Welt.

Wir wollen in dieser Ausgabe trotz der Erkenntnis, daß wir in einer kriegerischen Weltleben, uns nicht dem Militär zuwenden. Ansätze, wie Menschenrechte mit anderen Mitteln– mit nicht-militärischen – im Handlungsrahmen der Vereinten Nationengeschützt werden können, stehen im Vordergrund. Es wird über die Reichweite und überdie Universalisierbarkeit von Menschenrechten diskutiert und darüber, was Frauen nach 50Jahren Frauenmenschenrechtsarbeit für sich erreicht haben. Darüber hinaus finden Sieeine philosophische Betrachtung zum Thema Humanitäre Intervention und Ausführungen zurPräventiven Diplomatie als wichtigem Aktionsfeld nicht-militärischer Konfliktlösung.

Im Dossier dieses Heftes steht die Friedenskultur im Mittelpunkt. Es ist als Beitrag zudem äußerst ambitionierten UNESCO-Projekt gedacht, der Kriegskultur eine Friedenskulturentgegenzusetzen.

Ich persönlich verabschiede mich mit diesem Heft bei Ihnen. Dies ist die letzteAusgabe von W&F, welche ich als verantwortliche Redakteurin betreut habe. Ich bedankemich für die vielen Anregungen aus dem Kreis der LeserInnen und für die guteZusammenarbeit mit allen Beteiligten. Dem Projekt W&F wünsche ich noch vieleerfolgreiche Jahre. Ihnen allen wünsche ich erholsame Feiertage im Kreise netter Menschenund ein friedliches 1996.

Ihre Caroline Thomas

in Wissenschaft & Frieden 1995-4: Menschenrechte und Militär

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