in Wissenschaft & Frieden 1991-1: Nach dem Golfkrieg

zurück vor

Zwischen Hurra-Patriotismus und nationaler Selbstverwaisung

Der »Blick von unten« in Buch und Film Letters Home from Vietnam.

von Adi Wimmer

In der offiziellen Geschichtsschreibung über den Vietnamkrieg durch die Joint Chiefs of Staff mit dem Titel The JCS and the War in Vietnam: History of the Indocbina Incident (der 1. Teil, 1940–54 erschien 1988, weitere 4 Bände existieren, sind aber nach top secret,1 wird wohl kaum zu lesen sein, daß sich patrouillierende US-Infanteristen ihr Essen häufig mit »peanut butter« (also Erdnußbutter) erhitzten. Peanut butter war verhaßt, weil es durstig machte, also wurden anfänglich große Mengen von Dosen weggeworfen. Die Viet Congs öffneten die Dose auf einer Seite, schoben eine kleine Menge Plastiksprengstoff hinein verschlossen die Dose mit einer Rohrzange, und brachten an einem Loch im Boden einen einfachen Detonator an. Fertig war eine sehr primitive, aber deswegen nicht uneffektive Brandmine, in der das Erdnußfett die Wirkung des Sprengstoffes auf Soldatenbeine und -weichteile intensivierte. Als die Gls dieser Technik auf die Schliche kamen, warfen sie keine Dosen mehr weg. Aber essen wollten sie das Zeugs auch nicht, also vermengten sie die Erdnußbutter mit einem öligen Insektengift. Erdnußbutter verbrennt sehr schnell, das Insektenöl an sich schlecht ; die Mischung ergab aber einen Heizofen, der ungefähr 10 Minuten zum Kochen zu gebrauchen war.

Die Perspektive von unten

Diese Information erhält man nicht aus den offiziellen Geschichtswerken, man erhält sie aus einem der Briefe der Sammlung Dear America: Letters Home from Vietnam (41)2. Man wird einwenden; daß dieses Detail für die Erstellung einer historischen Kriegschronik entbehrlich sei. lst es so? Wirft das Detail nicht ein kennzeichnendes Schlaglicht auf das Improvisationstalent der vietnamesischen Guerrillas, die sich über Jahre hinweg auch ohne Hilfe aus China oder der SU behaupten konnte; und ein zweites auf die tönerne Unbeweglichkeit des amerikanischen Armeeapparats, denn selbstverständlich wurde Erdnußbutter auch weiterhin dem Infanteristen in den Rucksack gesteckt? Historische Kriegschroniken wie das der JCS sind „wie Kriegskarten, auf denen Frontverlauf und Stellungen, militärische Bewegungen und Truppenstärken mit Pfeilen, Strichen, Ziffern (…) eine Rationalität vortäuschen, aus der die Realität des Leides (…) jenes Geschehens nie sichtbar werden kann“ 3. Der Salzburger Historiker Fritz Fellner fordert daher für die Historiographie des 1. Weltkriegs eine Loslösung von den offiziellen, und eine Hinwendung zu den privaten Quellen, zu Tagebüchern und Briefen. Daß auch diese Quellen, ja sogar die Briefe von Toten, in eine kulturelle Hegemonie kooptiert werden können, hat Bernd Ulrich in seinem Aufsatz „Die Perspektive von unten …“ 4 sehr gut dokumentiert.

„Die Zerstörung war wechselseitig“

Für die Historiographie des Vietnamkrieges sind diese privaten Quellen besonders wichtig. Denn nach dem offiziellen Ende der amerikanischen Partizipation im Februar 1973 überantwortete man Vietnam einem Orwellschen »Erinnerungsloch« . In den frühen 70iger Jahren wurden dutzende Vietnamkriegsmemoiren oder Romane geschrieben, von denen die allerwenigsten eine breitere Öffentlichkeit erreichten. Wieviele Bücher erst gar nicht angenommen wurden, darüber kann nur spekuliert werden. 1974 wurde das Buch des weltberühmten Autors James Earl Jones Viet Journal im Magazin TIME mit den Worten rezensiert: „ … a book about Vietnam for a public that doesn't want to hear anything more about Vietnam“, und die Rezension desselben Buches in der New York Times beginnt folgendermaßen: „Quick – before your mind fogs up at the prospect of yet another report on Vietnam.“.5 Ebenfalls in der NYT wird Michael Herrs Non-Fiction Novel Dispatches 1977 im einem ähnlichen Duktus besprochen: „If you think you don't want to read any more about Vietnam, you are wrong. Dispatches is beyond politics, beyond rhetoric. It is as if Dante had gone to hell with a cassette recording of Jimi Hendrix and a pocketful of pills: our first rock-and-roll war.“ 6 Der Rezensent insinuierte, daß man das Buch lesen könne, ohne dabei an Vietnam denken zu müssen, und selbst wenn man diesen Bezug nicht unterdrücken könne, von Fragen der Politik nicht inkommodiert zu werden. Von Fragen der Moral ganz zu schweigen, wie eine Äußerung von Jimmy Carter im selben Jahr belegt. Die USA hätten gegenüber Vietnam keine Verpflichtung zu Reparationszahlungen,- sagte Carter, „because the destruction was mutual.“ 7

Als Michael Cimino 1978 seinen Film The Deerhunter präsentierte, stürzte sich die Kritik vor allem auf ein total inauthentisches Detail, nämlich die Folterung von US-Gefangenen durch Vietcong-Soldaten, indem sie sie zu russischem Roulette zwangen. Andere spezifische Bedingungen des Kriegs wurden weder durch den Film noch in der Kritik aufgegriffen. Apocalypse Now (1979) beruht auf dem Roman Joseph Conrads Heart of Darkness (1896). Dem Publikumserfolg dieser Streifen gegenüberzustellen ist der totale Mißerfolg von authentischen Filmen dieser Jahre wie The Boys in Company C (1977) oder Go Tell the Spartans (1978). Sie wurden von der Kritik ignoriert und verschwanden sehr rasch in der Versenkung. Ebenfalls ignoriert wurde der nach 1967 erste Band mit Soldatenbriefen, herausgegeben 1975 im Selbstverlag von der Indochina Curriculum Group, Front Lines: Soldiers' Writings from Vietnam.8

Und selbst die 1981 erscheinenden Bände von Oral Histories, Nam (ed. Mark Baker) und Everything We Had (ed. Al Santoli ) werden teilweise von der Kritik mit Etiketten versehen, die ihnen entweder ihr spezifisches Diskurspotential für diesen spezifischen Krieg rauben, oder ihr Potential für einen ethischen Diskurs, oder beides. Drei Beispiele dafür aus Rezensionen von Mark Bakers Nam (alle drei als book blurbs ausgewählt)

Nam speaks with the one true voice, the voice of the universal soldier. (Chicago Tribune.)

Nam is not a political tract. It doesn't try to fix blame. It just overpowers the reader with the images of that catastrophe . (Hartford Courant) (Wer »overpowered« ist, kann nicht mehr nachdenken)

Here is the whole tragic catastrophe that was our involvement in Vietnam.9 (Harry Crews, novelist.)

Dieselbe Tendenz zur Entpolitisierung, die wir in Worten wie »catastrophe« oder »tragedy« finden (im Hegelianischen Sinne denotiert »tragisch« den Konflikt zwischen »gut« und »gut«), steckt auch in der Rezension der Washington Post Book World von Al Santolis Anthologie: „If there are to be any heroes in America then let us begin with the 33 men and women in this book“ 10 Auch Dear America weist eine solche Bucheinbandsrezension vor:

Das Buch präsentiere „the immediate, poignant and gloriously heroic voice of the American serviceman in Vietnam“.11

»Helden« sind erstens zeitlos, und lassen zweitens keine moralische Ambiguität zu. Die vielleicht krasseste Einebnung einer spezifischen Evidenz sehe ich, und das nicht ganz zufällig, in einigen Lobhudeleien zu Wallace Terrys Sammlung von Augenzeugenberichten schwarzer Soldaten in Vietnam.12 TIME Magazine schrieb: „A portrait not just of warfare and warriors but of beleaguered patriotism and pride . (…) Some of these men have witnessed the very worst that people can inflict on one another … their experience finally transcends race; their dramatic monologues bear witness to humanity.“ War die ganz offenkundige Absicht des Herausgebers, vor allem die Ungleichheit von Schwarz und Weiß im Vietnamkrieg, die Ungerechtigkeiten im Apparat und den offenen wie versteckten Rassismus der Militärbürokratie herauszuarbeiten, so postuliert der Rezensent eine vage und alles verbindende »Humnanität« in den Beobachtungen der schwarzen Zeugen, ja er verschließt sogar die Augen vor der Evidenz des Rassismus und spricht von einem „Transzendieren“ der Rassenbarrieren. Oder der Rezensent der Associated Press: „(Terry) wrote a compelling portrait of Americans in combat, and used his words so that the reader (…) knows the soldiers as men and Americans, their race overshadowed by the larger humanity.“ 13

„Eine Tragödie epischen Ausmasses“

Vietnam wird enthistorisiert, moralisch neutralisiert, und schließlich mystifiziert. Es dient als Planke für Diskussionen über die menschliche Psyche, über episches Drama, über Postmodernismus.14 Ausgespart werden alle Fragen über die spezifische Moralität. So z. B. vom Historiker Stanley Karnow, der als Begleitbuch zur PBS-Fernsehserie ein dickes Geschichtsbuch herausgab: „In human terms at least, the war in Vietnam was a war that nobody won – a struggle between victims. (…) But whether a valid venture or a misguided endeavor, it was a tragedy of epic dimensions.“ (S.11)15 An einer anderen Stelle des Buches legt sich Karnow allerdings doch fest: der Vietnamkrieg sei ein fehlgeschlagener Kreuzzug gewesen (43). Eine weitverbreitete Metapher für Vietnam ist auch der »Sumpf« (quagmire), in den der unschuldige Riese USA tapste bzw. von seinem südvietnamesischen Partner hineingezogen wurde. Bestenfalls ist Vietnam, wie schon anklang, eine Katastrophe, ein Desaster, so wie ein Erdbeben oder ein Wirbelsturm, für den niemand etwas kann. Die heute weitverbreitete Metapher für den Krieg »The Vietnam Experience« belegt den Prozeß der Extraktion von Aktanten; von Nutznießern, von Kausalitäten.16 Geradezu olympische Distanziertheit zeigt der Buchtitel, den ich eingangs zitiert habe: A History of the Indochina Incident. Auch in zwei Fällen, in denen Gerichtsverfahren angestrengt worden waren, manifestierte sich diese unbefriedigende Tendenz der Verschleierung, des Vermeidens von Konflikten. General Westmoreland klagte 1984 den Fernsehkonzern CBS an, der in einer Dokumentation dargelegt hatte, daß der einstige Oberbefehlshaber in Vietnam in seinen Berichten nach Washington bewußt die Sachlage verfälscht hatte. Im Verlauf des Prozesses wurde immer klarer, daß der General verlieren würde. Aber anstatt die Sache bis zum Ende durchzustehen und die gerichtliche Imprimatur für die Richtigkeit der Anschuldigungen zu erhalten, akzeptierte CBS einen faulen Yergleich, in dem Westmoreland seine Klage bei Übernahme aller angelaufenen Kosten zurückzog; und CBS im Gegenzug eine öffentliche Ehrenerklärung für den General abgab. Der zweite Fall: die Veteranenorganisation VVA klagte 1982 Dow Chemicals, die Herstellerfirma des dioxinhaltigen Entlaubungsgiftes Agent Orange, auf Wiedergutmachung für hunderte an Krebs erkrankte amerikanische Soldaten. Auch hier kam es 1985 zu einer außergerichtlichen Einigung: Dow zahlte 180 Mio. Dollar in einen Hilfsfond ein, ohne zugeben zu müssen, daß die Krebsfälle wirklich durch Agent Orange verursacht wurden; und die Fragen, was die Experten von Dow Chemicals über die Gefährlichkeit des Dioxinmittels genau wußten, und wie fahrlässig unvollständig die Beschreibungen des Mittels wirklich waren, können nie mehr geklärt werden.

In seinem Vorwort zu Everything We Had schreibt Al Santoli: „It must always be remembered that the Vietnam War was a human ordeal and not an abstract heroic adventure as might be understood by Hollywood or a politician's speechwriter.18 hat Michel Foucault zwischen hierarchischen und damit historischen sanktionierten Diskursen und »subjugiertem« Wissen unterschieden, welches er als „those blocs of historical knowledge“ bezeichnet, „which were present but disguised within the body of functionalist and systematising theory.“ (82). Damit war es immer ein »machtloses« Wissen, ein marginalisiertes, diffamiert als amorph, bar jeder Theorie und damit jeder Wissenschaftlichkeit. Aber indem sich die Vorstellung von der reinen und wissenschaftlichen Wahrheit, von der desinteressierten Objektivität sich mehr und mehr als eine Schimäre herausstellt, verliert im selben Maße das tradierte Corpus von geordnetem, scholastischem, funktionalistischem Wissen an Bedeutung:

„I would say that what has emerged in the course of the last ten or fifteen year is a sense of the increasing vulnerability to criticism of things, institutions, practices. A certain fragility has been discovered in the very bedrock of existence“ (…)(80)

Es ist dies, wie im weiteren klar wird, v.a. eine Fragilität jener Theorien, die die Totalität der Welt umfassen wollen, z. B. des Marxismus. Nur eine Aufgabe solcher Ansprüche kann uns in der Forschung weiterbringen: „the attempt to think in terms of a totality has in fact proved a hindrance to research.“ (81)

In dieser Situation tritt das temporär unterdrückte, fragmentierte und regionale Wissen auf den Plan, ein Wissen; das sich nicht als anti-intellektuell versteht, nicht als anti-kognitiv, sondern zuvörderst als insurrektiv, als in Opposition stehend zu den Machtansprüchen des herrschenden Diskurses. Foucault spricht von einer

„(…) insurrection of knowledges that are opposed primarily not to the contents, methods and concepts of a science, but to the effects of the centralising powers which are linked to the institution and functioning of an organised scientific discourse within a society such as ours.(84)20

Man müßte nun zur Schlußfolgerung kommen, daß im letzten Jahrzehnt subversive Formen des Diskurses über Vietnam die Oberhand gewonnen haben. Feministinnen, radikale Veteranenorganisationen, Theatergruppen wie das Vietnam Veterans Ensemble Theatre in New York, Vereinigungen von ethnischen Minoritäten innerhalb der Veteranen würden wichtige Beiträge leisten zu einem Vorgang der konterkulturellen Verarbeitung von Vietnam. Die simple Tatsache ist aber, daß wir – wie noch auszuführen sein wird – gerade das Gegenteil davon erleben, nämlich eine Rekonstruktion des Konsensus über Vietnam in allen kulturell irgendwie bedeutsamen Medien und Repräsentationsformen. Diese Vereinnahmung ist Teil der amerikanischen Ideologie, von der John Carlos Rowe schreibt: „What is unique and singular about American ideology – the ideology first to have made the most efficient political uses of diverse cultural representations – is the speed with which it can incorporate a wide variety of critical perspectives in an enveloping rhetorical system designed to maintain traditional order and values.“(S. 200)21

Dies ist das große Erscheinungsbild. Wie das im kleinen mit einer Herausgabe von Soldatenbriefen funktioniert, will ich im letzten Teil meiner Ausführungen zeigen.

„Ein Buch der Wahrheit“

Ich habe vorhergehend die These aufgestellt, daß dem heutigen Soldatenbericht a priori mehr Relevanz für das Bemühen um Wahrheit zugestanden wird als z. B. im Gefolge des 1. Weltkriegs. Als Beispiel führe ich die Buchbesprechung des Boston Globe an, in der befunden wurde : „(Dear America) is not a history book, not a war novel, it is a book of truth“ 22. Wenn dieser Rezensent „a book of truth“ als Opposition zu „a history book“ empfindet, dann ist er in seinem Mißtrauen gegenüber offiziellen Instanzen als Mediatoren der Wahrheit ein wahres Kind des Postmodernismus. Auch der Film Dear America deklariert sich bereits im Vorspann als ein Film der Wahrheit. Oral Histories schießen – in Europa wie in den USA – wie die Schwammerln aus dem Boden; das ist bekannt. Augenzeugenberichte aus dem Krieg in Vietnam sind in den letzten Jahren populärer als fiktionalisierte Behandlungen. Die wichtigen Indochinakriegsfilme seit 1985 (The Killing Fields, Platoon, Hamburger Hill, Hanoi Hilton, Casualties of War, Dear America, und Born on the 4th of July) basieren auf authentischen Berichten. (Nur 3 Ausnahmen: Gardens of Stone, Coppola; Full Metal Jacket, Stanley Kubrick, und Komödie Good Morning Vietnam.) Man mißtraut jedem Anspruch auf eine höhere, objektive Wahrheit und hält sich lieber an Fragmente subjektiver Wahrheit, die dem Leser zwar eine höhere Arbeitsleistung abfordern, ihm dafür aber ein echtes Beteiligungsangebot bei der Sinnkonstitution sowohl der Texte wie auch der Kontexte bietet.

Briefe aus dem Krieg, vor allem Briefe von später Getöteten, beeindrucken uns nicht nur wegen ihrer ungeschminkten Authentizität. Sie berühren uns, weil wir in Besitz und Kenntnis der weiteren Geschichte sind, welche den Schreibern der Briefe verborgen blieb. Sie besitzen damit eine Kraft, die aus der Universalität des Leides herrührt, und diese Kraft des Leides sollte allein genügen, uns die Faszination am Krieg abzugewöhnen.

Genau wie im 1. Weltkrieg wurden Soldaten des Vietnamkriegs dazu ermuntert, regelmäßigen Briefkontakt mit Angehörigen und Freunden zu pflegen. An die Stelle der Feldpostkarte (die man lesen und ev. zensurieren konnte) trat der kostenlose (und selbstverständlich nicht zensurierte) Flugpostbrief. Es gab dafür ein eigenes Kuvert mit dem Landkartenumriß von Vietnam, wo man an die übliche Stelle der Briefmarke lediglich das wort »free« schrieb. Von diesem Privileg, so berichtet William Broyles, wurde ausgiebig Gebrauch gemacht; einige seiner Leute schrieben bis zu 27 Briefe an einem Tag!23 Wie in jedem anderen Krieg, bestand die besondere Aktualität dieser Briefe oft in der bewußten Reflexion der eigenen Existenz, der Unsicherheit der eigenen Zukunft. Raymond Griffith, einer von diesen, schrieb: „I can tell you truthfully, I doubt if I'll come out of this war alive. In my original squad l'm the only left unharmed. In my platoon there's only 13 of us. It seems that every day another young guy 18 and 19 years old like myself is killed in action (…).“ (277.) Die Befürchtung sollte sich in ihrer Gänze bewahrheiten, denn am 4. July 1966 wurde Private Griffith getötet. Andere Männer knüpften gerade wegen der existentiellen Unsicherheit große Hoffnungen an ihr Leben, das mit dem Ende der 365 Tage Kriegsdienst erst richtig beginnen würde. Joseph Kerr Bush, 25, reagierte am 5.2.1969 auf die Sorgen seiner jungen Frau, er würde sich nach Ende seines Jahres freiwillig zu einem weiteren Jahr Gefechtsdienst melden: „Don't worry, old Joseph will come home to his wife and daughter in April as planned even if he has to swim the Pacific.“ (282) Er kam noch sechs Wochen vor diesem Datum nach Hause, in einem Sarg. Einen der bewegensten Briefe schrieb Tyrone Pannell am 11.8.1965 an seine neugeborene Tochter. „When I next see you …“ schließt er sein Schreiben, aber diese Begegnung sollte nie erfolgen.(246) 6 Monate später wurde er von einer Mine zerrissen, und das zaghafte Versprechen dieses Briefes konnte nicht eingelöst werden.

Andere Soldaten waren in ihren Berichten robuster, ja ungerührt; das ging hin bis zu jenem Infanteristen, der seinem Mädchen das abgeschnittene Ohr eines Vietcongs schickte, und sich dann wunderte, warum keine Post mehr kam.

Denn umgekehrt war das Erhalten von Briefen außergewöhnlich wichtig. Broyles gibt an, auf Soldaten seiner Einheit, die wenig oder keine Post erhielten, ein besonderes Augenmerk gehabt zu haben, es waren seine Sorgenkinder. Besonders gefürchtet waren die sogenannten »Dear John« Briefe, Briefe; mit denen ein geliebtes Mädchen, zuweilen sogar die angetraute Frau, eine Beziehung aufkündigte. In seiner Autobiographie erzählt William D. Ehrhart, wie sein Kamerad Calloway sich auf einen solchen Brief hin vor den Augen der entsetzten Freunde erschoß.24

Der Band Dear America: Letters Home from Vietnam muß in diesem Licht gesehen werden. Sein Zustandekommen ist eher ungewöhnlich. Auf den großen Erfolg des Vietnam Veterans Memorial hin konstituierte der New Yorker Bürgermeister Ted Koch 1982 eine Kommission mit dem Ziel, 1985 (zum 10-Jahresjubiläums des Kriegsendes) ein Vietnam-Denkmal in Manhattan einzuweihen. Das Exekutivkommittee; dem kein geringerer als Donald Trump als Vizepräsident angehörte, entschied bei 1.100 unterbreiteten Modellen25 auf einen Denkmalsentwurf in der Form einer durchscheinenden Glasziegelmauer in den Proportionen 20 mal 4,88 Meter. In die Glasziegeln einzuätzen waren Auszüge von Soldatenbriefen. Und das stellte die Kommission vor das Zusatzproblem der Auswahl: was sollte auf dem Denkmal stehen? Was ins Auge springt, ist die Verwässerung der ursprünglichen Idee, als Texte nur Feldbriefe zuzulassen; denn es finden sich auf dem Denkmal auch Aussprüche von vier ehemaligen Präsidenten der USA sowie von Martin Luther King, etliche Nachrichtenfetzen aus der New York Times, dazu noch einiges andere Material, das fehl am Platz erscheint. Da man aber schon mehr als 3000 eingesandte Briefe26 gelesen hatte, entstand die Idee, aus einer Auswahl davon ein Buch zu machen. Von der hardcover-Erstausgabe (1985) wurden insgesamt 47.000 Exemplare verkauft, auf welche zwei Taschenbuchversionen folgten, mit insgesamt 125.000 verkauften Exemplaren. Das Buch ist nach immerhin 5 Jahren seit der Ersterscheinung weiterhin im Druck und erhältlich.27 Die Rezensionen in amerikanischen Zeitungen waren mit der einzigen (aber bedeutsamen) Ausnahme der Washington Post positiv bis hymnisch, das Nachrichtenmagazin TIME brachte sogar ausführliche Auszüge daraus. Der Fernsehkonzern HBO kaufte 1986 für eine nicht bekannte Summe die Filmrechte. Gedreht wurde der Film auf den Philippinen bei einem relativ bescheidenen Budget von 1 Mio Dollar28; die Filmpremiere fand im April 1987 im HBO-Fernsehkanal statt. Nachfolgend wurde der Film im September 1988 in einer sehr begrenzten Anzahl von Kopien in den USA und Kanada gezeigt, aber wegen des offensichtlich nicht sehr großen Interesses nach 2 Wochen abgesetzt. (Schlechtes Timing, im TV seit 1/2 Jahr »Tour of Duty«, im Sommerkino »Good Morning Vietnam«) Daraufhin erfolgte die Freigabe auf Video. Besser erging es dem Film in Europa, Asien und Australien, wo er 1989 die Runde machte. Insgesamt sahen mehrere Millionen Menschen die Filmversion, womit sicherlich die Kosten mehrfach hereingebracht wurden. Damit hat aber diese Briefsammlung die bei weitem größte Breitenwirkung in der Geschichte des Genres erzielt.

„Den Krieg vom Krieger trennen“

Der Herausgeber B. Edelman schildert die editoriale Vorgangsweise für das Zustandekommen des Bandes in einem einzigen Satz. Er lautet: „Zwei Kriterien wurden bei der Auswahl des Materials eingehalten: alle Briefe mußten während des Krieges geschrieben worden sein, und jeder Brief sollte eine Beschreibung oder eine psychologische Einsicht bieten, die uns irgendwie die menschliche Dimension der Erfahrung von Vietnam besser nahebringen würde.“ 29 In einem nachfolgenden Brief war Edelman spezifischer: „Weil die Aufgabe der Kommission darin bestand, zu heilen und zu versöhnen, den Dienst und die Opferbereitschaft der Angehörigen der Streitkräfte anzuerkennen und zu würdigen, darum entschieden wir uns schon sehr früh, daß das Buch wie auch das Memorial keine spezifische politische Richtung haben könne.“ Und der Kernsatz dieser Intention: „Wir versuchten, den Krieg vom Krieger zu trennen.“ 30

Hier haben wir jenen hierarchischen, funktionalistischen universitären Diskurs, den Foucault als repressiv bezeichnet: „den Krieg vom Krieger“ trennen – das wollten auch jene konservativen Abgeordneten in der Weimarer Republik. Es erübrigt sich zu sagen; das dies nicht möglich ist; und übrigens ist der Soldat der, letzte, der das will.31 Der Krieg ist ihm, egal ob er ihn verabscheut oder klammheimlich liebt,32 eine fundamental wertvolle existentielle Erfahrung, die er sich nicht nehmen läßt. Selbst der Berichterstatter Michael Herr konstatierte: „We came to cover the war, and the war covered us.“ 33 Was können daher die Motive sein, die den Herausgeber dazu verleiten, eine offenkundig nicht einlösbare Herausgabestrategie anzunehmen? Sie sind jenen ähnlich; mit denen sich 60 Jahre zuvor Mitglieder eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses herumschlugen (KuL 2,47): Die Froschperspektive des gemeinen Soldaten ist lediglich im Bereich des »rein menschlichen Erlebens« zu etwas zu gebrauchen, und jeder Versuch, diese Perspektive zur Beantwortung der wirklich entscheidenden Fragen heranzuziehen, dient dazu, Fragen z. B. über die Legalität des Krieges oder die angeblich »veredelnde Natur« des Krieges, von vornherein abzuwürgen.

In der Weimarer Republik ging es den konservativen Kräften darum, das Bild vom Krieg als »große und heroische Zeit« zu bewahren, und die Mär von der freudigen Soldatenbeteiligung an einem patriotischen Unternehmen fortzuschreiben. Die diskursive Strategie der Rekonstruktion des Konsensus über Vietnam in den USA verläuft ein wenig anders.34 Ausnahmesituation des homo bellicosus. Daran ist maßgeblich ein spezifischer Umstand beteiligt. Der Vietnamkrieg wird Amerikanern weniger deswegen in Erinnerung bleiben, weil 10.000 Meilen entfernt etwas Mörderisches vor sich ging, sondern er wird ihnen wegen der Ereignisse im eigenen Land in unangenehmer Erinnerung sein. Und man muß konstatieren, daß es über diese Ereignisse über die mannigfachen Proteste, die bis knapp an die Unregierbarkeit des Landes führten – heute noch immer keinen rechten Diskurs gibt. Der Vietnamdiskurs von heute konzentriert sich auf die Figur des ehemaligen Kämpfers. Über Jahre hinweg hatte man ihn entweder ignoriert oder ihn als Babykiller, als Heroinjunkie, als durch den Krieg psychisch Deformierten stigmatisiert. In den 1970ern findet sich der Vietnamveteran in einer Fülle von Filmen und Trivialromanen als Sociopath, als Krimineller, als Zombie dargestellt, sehon deshalb, weil es politisch weniger brisant war, den Vietnamsoldaten anzugreifen als den Vietnamkrieg. Die Regisseure versuchten also genau dasselbe wie der Herausgeber von Dear America: den Krieger vom Krieg zu dissoziieren.

Die Veteranen als unbedankte Heroen

Erst in den 1980ern bricht dieses Stereotyp zusammen, und zwar im Gefolge von zwei Aufdeckungen: 1) daß Tausende Vietnamveteranen, die mit dem Entlaubungsgift Agent Orange in Kontakt kamen, Krebs entwickeln, und daß ihre Kinder häufig genetische Schäden aufweisen, und 2) daß das »Post-Vietnam-Syndrom«, auch »Posttraumatischer Stress« genannt, ein massenweise real existierendes psychisches Problem ist, welches lange Jahre unter den Teppich gekehrt worden war. Es wurde zögernd akzeptiert; daß man den Veteranen Unrecht angetan habe. Das Bild des Veteranen macht eine 1800> Kehrtwendung; die Emphase ist jetzt auf einem neuen Stereotyp, des zu Unrecht Leidenden, des Patrioten, des unbedankten Heroen. In einer Reihe von Ritualen, wie z.B. den »Welcome Home Parades« 10 Jahre nach Ende des Krieges (7. Mai 1985 in New York, die dann in vielen anderen Städten nachgeahmt wurden) wird der ehemals Geächtete rehabilitiert. Der Vietnamveteran ist damit wieder in die Gesellschaft aufgenommen, allerdings um den Preis der Aufgabe seiner diskursiven Möglichkeiten. Denn die Zeit, in der man ihn ins Abseits drängte, die Zeit des Krieges selbst, war eine Zeit der »Zerrissenheit.«“ Will der Veteran seine in Vietnam gewonnenen spezifischen Erkenntnisse in einen öffentlichen Diskurs einbringen, so trägt er damit wieder zu gesellschaftlichem Zwiespalt bei. Wie es Bernard Edelman mit hörbarem Schauder sagt: „Vietnam was an era that wrenched apart our nation.“ 35 Dorthin will man bei Gott nicht zurück, schon gar nicht in einer Zeit, in der in öffentlichen Reden (vor allem vor dem Veterans Memorial in Washington D. C. permanent Phrasen wie »healing« und »reconciliation« gedroschen werden.36

Was man dem Veteranen als Ersatz für ein echtes Einbringen von Erfahrung anbietet, ist die Rolle des Geschädigten und des Trauernden und diese Trauer wird uns v.a. in der Filmversion mit einer gewissen Penetranz aufgedrängt. In seiner individuellen Not nimmt ihn die Gesellschaft an, die ihrerseits profitiert, indem sie nicht mehr über Vietnam zu befinden hat, und aus dem Stadium der Zerrissenheit herausgetreten ist. Die alte kulturelle Hegemonie kann solcher Art rekonstruiert werden, ja, man kann sogar jenen eins auswischen, die damals gegen den Krieg opponiert haben: im Gegensatz zum Veteranen, der seiner Nation ohne Wenn und Aber diente, verloren sie das Vertrauen in Amerikas intrinsische Moralität. Sie sind in Wirklichkeit schuld am Dilemma der Veteranen, die sie zuerst in Vietnam, dann in der Heimat verrieten. (Rambo I und II!)

Ich erinnere an Bernard Edelmans Deklaration des editorialen Prinzips: „we determined that the book could not adopt any political bias.“ Eine nähere Prüfung einzelner Brief ergibt aber, daß weder die Forderung nach Vermeidung von »bias« wie von »politischen Inhalten« eingelöst wurde. Beispiele:

„Some people wonder why Americans are in Vietnam. The way I see the situation, I would rather fight to stop communism in South Vietnam than in Kincaid, Humboldt, Blue Mound, or Kansas City, and that is just about what it would end up being.“ (Jack Swender, 20.9.65. S.205).

(Aus einem Brief an eine Schulklasse:) „The reason that I and all the other soldiers are in Vietnam is so that you children will always be safe in our great country.“ (Robert B. Jackman, 21.5.66. S.206)

Einen schon etwas zweifelhafteren Ton schlägt Robert Salerno an: „There are so many things here that I 've seen that make me proud to be an American, proud to be a soldier. Yet there are times too when I wonder why things are the way they are in the war, in the Army.“ (30.10.69. S.223)

Marion Lee Kemper argumentiert, daß der Einsatz von US-Truppen in Vietnam mindestens genauso legitim ist wie frühere amerikanische Kriege: (ungewollte Ironie: genauso illegitim)

„Our claim to legality (…) is a lot more stronger than (…) before , such as (in) the Spanish American War, a host of expeditions against South American sovereignities, or, for that matter, our declaration of war against Germany in World War I. (…) As to the effect of the war upon the people, who can tell? All of our wars have had some effect, usually for the better (…)“ (9.8.66. S.206-7)

Rodney D. Baldra schreibt aus dem Lazarett, von wo er dennoch die hohe Moral der Truppe lobt: „The spirit of the men in Vietnam is overwhelming, for most every man believes that he is doing an important job and believe me, he is.“ Auch seine Verwundung kann ihn von dieser überzeugung nicht abbringen: „I was wounded about six weeks ago by a Russian pineapple grenade which was boobytrapped by a VC who was most likely just a brainwashed communist farmer.“ (June 1967. S.208)

Rodney Chastant schreibt an seine Eltern, er sei „proud to be an American, proud to be a Marine, proud to be fighting in Asia.“ Auch sonst kann er seinem Kriegsdasein allerhand abgewinnen, indem er ihnen von seiner Beförderung zum Hauptmann berichtet, und einer damit zusammenhängenden Gehaltserhöhung auf $ 9000 p.a.: 11.000 Dollar habe er sich bereits erspart, fügt er stolz hinzu: „That is not a bad start in life.“ Im September 1968 hätte Rodney nach seinem Einsatzjahr heim nach Alabama gehen können, verlängerte aber seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. Ein Monat später wurde er getötet. (19-10.67, S.210)

Und natürlich verbergen sich politische Aussagen in einem Corpus obsoleter Sprache, die Paul Fussell37 mit dem Begriff »high diction« charakterisiert hat: z.B. wenn die Todesfälle unter den Kameraden als „heroic deaths“ (212)bezeichnet werden. Dasselbe funktioniert auch umgekehrt, wenn in mehreren Briefen die gegen den Krieg protestierenden jungen Amerikaner als „a bunch of bloody bastard radicals“ (with) „feeble and deteriorating and filthy degenerate minds“ (226) bezeichnet werden. In seinem Brief vom 5. April 1968 weigert sich Phil Woodall, um den eben ermordeten Martin Luther King zu trauern, und reserviert diese für die – wie er sagt – „wirklichen Friedensapostel“, Leute wie er selbst ; auch darin erkenne ich eine politische Aussage (214). Wenn die Entscheidungen Nixons zur Eskalierung des Krieges nach Kambodscha ausdrücklich belobigt wird, steckt eine politische Aussage darin. (226) Das Ganze ist so offensichtlich, daß die Langatmigkeit meiner Darlegung nur aus der expliziten Aussage des Herausgebervorwortes zu rechtfertigen ist, dies sei ein unpolitisches Buch.

Der Krieg war unamerikanisch, die Soldaten waren ehrenhaft

Es ist allerdings kein einseitiges Buch; Einseitigkeit wäre innerhalb einer amerikanischen Ideologie der größtmöglichen Diversizität (als Strategie der Entschärfung antihegemonialer Kräfte) ja nur kontraproduktiv. Briefe mit Kritik am Krieg gibt es, wenngleich auch diesen die spitzesten Zähne gezogen sind, und häufig das kritisiert wird, was man schon früher kritisieren durfte: die Arroganz von Vorgesetzten, die Verschwendung von Geld, besonders aber die Unzuverlässigkeit der verbündeten südvietnamesischen Armee. Immerhin werden in einigen Briefen Zweifel geäußert, ob man sich von dieser kriegsführenden Nation nicht lossagen sollte: Von „self-doubts“ ist Rob Riggan gequält (166), „I feel like I am at the bottom of a great sewer“ schreibt Tom Pellaton (106), als angstvoll ausgehöhlte Rassel bezeichnet sich John Houghton (200), und Joseph Morrissey, ein staff sergeant, forderte gar seinen Bruder auf, zu Hause an Demonstrationen gegen die Regierung teilzunehmen.

Im Vergleich zu Oral Histories oder zu Publikationen des zivilen Widerstandes in den USA fallen besonders jene Wahrheitslücken auf, die zur anerkannten Spezifizität dieses Krieges gehören: die zahllosen Verletzungen der Genfer Konvention, die bis hin zu Morden an der Zivilbevölkerung reichten38 (eine Ausnahme, S. 627) der weitverbreitete Gebrauch von Rauschgift, die ab 1970 zahlreichen Meutereien, die Praxis des »fragging«. Diesen unbequemen Fakten steuert Bill Broyles in seinem Vorwort bewußt entgegen, wenn er über die Vietnamsoldaten sagt: „(They) were the best we had, doing the best they could in a difficult and unpopular war.“ 39 Und schließlich ist noch ein subtiler wenngleich von den Briefautoren nicht zu verantwortender Mechanismus der Falsifizierung zu erwähnen: die in fast jedem Brief anzutreffenden liebevollen Anreden für Mütter, Väter oder Geschwister insinuieren eine mit sich im Frieden lebende amerikanische Gesellschaft, wenn doch genau das Gegenteil der Fall war. Die Intaktheit der Familie als Basiseinheit der Gesellschaft dient zur Approbierung ihrer unterlagernden Ideologie, ähnlich wie die Qualität der Kameradschaft, der Männerfreundschaft im Krieg als Argument dafür herhalten muß, daß nicht alles an ihm schlecht sein kann. In der Summe haben wir hier einen Diskurs, der über den Krieg selbst zwar zur Ansicht kommt, er sei falsch und unamerikanisch gewesen, doch für die Soldaten und ihr Verhalten nur ehrenvolle Attribute findet.

Anmerkungen

1) The History of the Joint Chiefs of Staff. The JCS and the War in Vietnam. A History of the Indochina Incident, 1940-54, The Pentagon. Washington D.C. 1989 (Quelle: Indochina Chronicle, VIII/4 (Oct.-Dec. 1989), 25 Zurück

2) Bernard Edelman (Hrsg.), Dear America. Letters Home from Vietnam, New York, Simon & Schuster/Pocket Books, 1986. (In Klammern gesetzte Zahlenangaben beziehen sich auf diese Ausgabe) Zurück

3) Fritz Fellner, Der Krieg in Tagebüchern und Briefen<169> in: Klaus Amann, Hubert Lengauer (Hg.), Der große Krieg 1914-1918, Wien, Christian Brandstätter, 1988, 205-213. Zurück

4) Bernd Ulrich, Die Perspektive »von unten« und ihre Instrumentalisierung am Beispiel des Ersten Weltkrieges<169>, Krieg und Literatur/War and Literature, I/2 (1989), 47-64 Zurück

5) Zit. von Zalin Grant, Vietnam as Fable<169>, The New Republic, 25 March. 1978, 31-34. Ein namentlich nicht angeführter Journalist befürchtete 1983, daß die Falsifizierungen über Vietnam weiter an Boden gewinnen würden und schließlich ein alles umfassender Gedächtnisverlust und Instinkt für Selbstrechtfertigung<169> in den USA die Oberhand gewinnen wird. (Newsweek, Oct. 3, 1983, 58) Zurück

6) Zit. in James William Gibson, The Perfect War. The War We Couldn`t Lose and How We Did, New York, Random House/Vintage Books, 1988, 4. Zurück

7) President Carter zit. von Noam Chomsky, »Dominoes«, Granta, 15 (Frühjahr 1985), 129-134 Zurück

8) Glenn Munson (ed.), Letters from Vietnam, New York, Parallax 1966, ict. die erste Briefedition. Eine zweite wurde hrsgg. von der Indochina Curriculum Group, Front Lines. Soldiers` Writings from Vietnam, Cambridge MA, 1975 Zurück

9) Mark Dukes (Hg.), Nam. The Vietnam War in the Words of the Soldiers Who Fought There, New York, Berkeley Books, 1983. (Die Zitate stammen vom rückwärtigen Einband dieser Ausgabe) Zurück

10) Al Santoli (Hg.), Everything We Had. An Oral History of the Vietnam War by Thirty-Three American Soldiers Who Fought There, New York, Ballantine Books, 1982. (Das Zitat aus der Rezension der Washington Post findet sich am rückwärtigen Einband) Zurück

11) Autor Joe Klein wird mit seiner Rezension am Einbanddeckel von Dear America, op.cit. zitiert. Zurück

12) Time zit. in Wallace Terry (Hg.), Bloods. An Oral History of the Vietnam War by Black Veterans, New York, Ballantine Books, 1984, i. Zurück

13) Associated Press zit. an derselben Stelle. Zurück

14) John C. Rowe, Bringing it All Back Home`. American recyclings of the Vietnam War<169>, in: Nancy Armstrong, Leonard Tennenbaum (Hg.), The Violence of representation. Literature and the History of Violence, New York, Routledge, 1989, 197-218 Zurück

15) Stanley Karnow, Vietnam. A History, New York, The Viking Press, 1983, 11. An einer anderen Stelle seines Buches nennt Karnow den Vietnakrieg einen gescheiterten Kreuzzug<169>, S. 43 Zurück

16) Time-Life gibt eine 24-bändige Geschichte des Vietnamkrieges heraus; der Titel: The Vietnam Experience. Philipp Beidler, einer der ersten Autoren einer Untersuchung über Vietnamkriegsliteratur, nannte seine Untersuchung American Literature and the Experience of Vietnam<169> (University of Georgia Press, 1982). Zurück

17) Everything We Had, op. cit., xv. Zurück

18) Michel Foucault, Power/Knowledge: Selected Interviews and Other Writings 1972-1977, New York, Pantheon Books, 1980, 82. (Hg. Colin Gordon, ins Engl. übersetzt durch Colin Gordon, Leo Marshall, John Mepham, Kate Soper) Zurück

19) Ibid., 80, 81, 84. Zurück

20) Michel Foucault, Geschichte der Sexualität (Bd.I), Frankfurt, Suhrkamp, 1977, S. 75-83. Zurück

21) Rowe, op. cit., 200 Zurück

22) zit. in Dear America, i. Zurück

23) William Broyles, Vorwort zu Dear America, 10. Zurück

24) William D. Ehrhart, Vietnam-Perkasie. A Combat. Marine Memoir, Jefferson N. C. and London, Mc Farland, 1983, 79. Zurück

25) Bürgermeister Ed Koch, Vorwort zu Dear America, 16. Zurück

26) Bernard Edelman, Einleitung zu Dear America, 23. Zurück

27) Edelman, persönl. Korrespondenz mit dem Verf., 3. Juli 1990. Zurück

28) ebd. Zurück

29) Einleitung zu Dear America, 23. Zurück

30) Persönl. Korrespondenz. Zurück

31) Bernd Ulrich, op. cit. Zurück

32) Dazu ein sehr persönlich gehaltener und ehrlicher Bericht von William Broyles, Why Men Love War<169>, Esquire, November 1984, 60-65. Zurück

33) Michael Herr, Dispatches, London, Picador Books, 1978, 24. Zurück

34) Ausführlicher dazu Adi Wimmer, The Vietnam Veterans in American Literature and Popular Art<169>, in Mirko Jurak (ed.), Cross-Cultural Studies, Ljubljana University, 1988, 201-214. Zurück

35) s. Fußnote 27 Zurück

36) Harry Haines, What Kind of War? An Analysis of the Vietnam Veterans Memorial<169>, Critical Studies in Mass Communication, 3/1 (March 1986), 1-20; and Richard Morris, The Vietnam Veterans Memorial and the Myth of Superiority<169>, in: Richard Morris, Peter Ehrenhaus (ed.), The Cultural Legacies of Vietnam. Uses of the Past in the Present, Norwood N.J., Ablex Publishing, 1990, 199-228. Zurück

37) Paul Fussell, The Great War and Modern Memory, Oxford University Press, 1975, 21 passim Zurück

38) Gibson, op. cit., vor allem Kapitel 5, hat überzeugend nachgewiesen, daß Verletzungen der Genfer Konvention im Vietnamkrieg die Norm darstellten und keineswegs auf einzelne Vorfälle beschränkt blieben. Zurück

39) An anderer Stelle hat Broyles allerdings konstatiert, daß viele ethisch unzureichend veranlagte Amerikaner nach Vietnam geschickt wurden, weil die besten jungen Männer diesem Krieg ihre Unterstützung verweigerten. Die Katastrophe von My Lai führt Broyles auf diesen Umstand zurück. Leutnant Calley sei ein drop-out and loser<169> gewesen, der nie jene verantwortungsvolle Position bekleiden hätte können, wenn sich die College Studenten der Einberufung nicht entzogen hätten (Brothers in Arms. A Journey from War to Peace, New York, Avon Books, 1986, 238) Zurück

Dr. Adi Wimmer ist Universitätsassistent am Institut für Amerikanistik der Universität Klagenfurt. Korrespondenzadresse: Universitätsstraße 65, A-9020 Klagenfurt. Der obige Beitrag ist Teil einer größeren Untersuchung über das kulturelle Erbe des Vietnamkrieges in den USA.

in Wissenschaft & Frieden 1991-1: Nach dem Golfkrieg

zurück vor

weitere Informationen dieses Fenster ausblenden