in Wissenschaft & Frieden 1989-2: Sind Gesellschaft und Militär noch vereinbar

zurück vor

Der Militär-Industrie-Komplex (MIK)

Nachdenken über die Rolle der Wirtschaft im Prozeß der Rüstungsdynamik1 / Unzufriedenheit mit dem MIK-Konzept

Dirk Ipsen

In der Friedensforschung der jüngsten Zeit spielt das MIK-Konzept im Unterschied zu den 60er und 70er Jahren keine nennenswerte Rolle mehr. Abgesehen von den Beiträgen einiger marxistischer Autoren ist damit auch die Thematik der endogenen, wirtschaftlich induzierten Rüstungsdynamik leider wieder in den Hintergrund getreten.

Es wäre sicherlich etwas zu vordergründig argumentiert, wenn man diesen Sachverhalt allein darauf zurückführen wollte, daß die Friedensforschung nun einmal überwiegend von Politikwissenschaftlern betrieben wird, denn es hat durchaus eine intensive Diskussion um das MIK-Konzept gegeben, und aus dieser Diskussion folgte eine nennenswerte Zahl von Kritikpunkten.

Es ist die Auffassung des Verfassers, daß mit der eher peripheren Behandlung von Wirtschaftsinteressen in der Friedensforschung eine Erklärungslücke entstanden ist, die uns umso mehr zu schaffen machen wird, als wir durch die veränderte Sicherheitspolitik der sozialistischen Länder vermehrt mit dem Sachverhalt konfrontiert werden, daß der westliche Rüstungsprozeß eine große Beharrlichkeit gegenüber Änderungen in der »Systemumgebung« aufweist – also offensichtlich starke endogene Kräfte am Werke sind.

Diskussion: Rüstungsdynamik

Das krasse Mißverhältnis zwischen den allenthalben spürbaren Möglichkeiten der Rüstungsreduzierung und den Schwierigkeiten der Verwirklichung hat der Frage nach den Triebkräften des Wett- bzw. Aufrüstens neue Aktualität verliehen. In der kritischen Friedensforschung der späten 60er und der 70er Jahre gab es bereits eine intensive Debatte über die Ursachen der Rüstungsdynamik. Welches sind die bestimmenden Faktoren? Außenpolitische Konstellationen oder innergesellschaftliche Strukturen? Kommt den ökonomischen oder den politischen Verhältnissen Primat zu? Gibt es eine »Eigendynamik« des wissenschaftlich-technischen Fortschritts? Einen wichtigen Diskussionsstrang im Kontext dieses Streites bildete die Theorie vom »Militärisch-Industriellen Komplex«. Der Darmstädter Ökonom Dirk Ipsen hat versucht, sich kritisch mit den bisherigen Positionen auseinanderzusetzen. Dabei sollen bestimmte Einsichten der MIK-Theorie für die neuerliche Diskussion fruchtbar gemacht werden. Seine Thesen bilden den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung, die wir in den nächsten Heften zu diesem Thema führen wollen.

Um die Diskussion vorwärts zu bringen, muß die Intention des MIK-Konzepts mit seiner Betonung der endogenen, besonders wirtschaftlich induzierten Rüstungsdynamik aufgegriffen werden, jedoch unter Berücksichtigung wichtiger Kritikpunkte der vorausgegangenen Diskussion.

In diesem Sinne möchte ich über das MIK-Konzept nachdenken und prüfen, inwiefern es zu einer Integration von Änderungen in der Lage ist, die sich aus der MIK-Kritik ergeben.

Welches sind nun die zentralen Kritikpunkte am MIK-Konzept? Auskunft gibt hier vor allem ein von St. Rosen herausgegebenen Sammelband unter dem Titel „Testing the Theory of the Military-Industrial Complex“, in dem wesentliche Argumente bereits im Jahre 1973 vorgetragen worden sind:

Die meisten dieser Kritiken konzedieren durchaus, daß die Wirtschaftsinteressen „irgendwie“ von Bedeutung sind, relativieren jedoch die Betonung der Dominanz wirtschaftlicher Interessen, die in der Rezeption des MIK-Konzepts – vor allem in der Bundesrepublik – vorherrscht (Grünewald 1988).

Der Verfasser - zumal als Ökonom - möchte sich mit diesem „irgendwie“ des wirtschaftlichen Einflusses nicht abfinden, und deshalb geht die Frage dahin, ob das MIK-Konzept so „geöffnet“ werden kann, daß es zur Formulierung von Hypothesen und zur Operationalisierung des wirtschaftlichen Einflusses auf die Rüstungsdynamik kommen kann. Dabei soll der Gefahr widerstanden werden, unmittelbare, plausible, ad hoc-Behauptungen zu formulieren, sondern methodologische Überlegungen anzustellen, die es erlauben und reizvoll erscheinen lassen, Forschungsaktivitäten in dieses Feld zu investieren. Entscheidend erscheint es mir hierfür, den Begriff des Komplexes von Interessen aufzulösen und in seine wichtigen Bestandteile zu zerlegen. Anstelle der a priori Annahme einer Interessenidentität von Rüstungswirtschaft und Politik (mit der Administration als Transmissionsinstanz) treten dann folgende Fragestellungen:

Welches sind die Elemente des wirtschaftlichen Interesses, sowie des politischen Interesses an der Rüstungsproduktion?

Unter welchen Bedingungen kann eine Interessenkoalition erwartet werden?

Wirtschaftliches Interesse an der Rüstungsproduktion

Zur Bestimmung des wirtschaftlichen Interesses gibt es den Vorschlag von J.R. Kurth (1972, 1973), das Interesse an der Auslastung von in der Rüstungsproduktion gebundenen Kapazitäten in den Vordergrund zu stellen (»follow-on-principle«). Das setzt die Unterscheidung zwischen der aktuellen Produktion (P) und der Rüstungskapazität (K) voraus; der Auslastungsgrad der Kapazitäten (K/P) liegt im Bereich kleiner/gleich 1. Sinkt der Auslastungsgrad infolge des Auslaufens eines Rüstungsmodells, so engagieren sich die Rüstungsfirmen in der Entwicklung eines Nachfolgemodells und organisieren mit Hilfe der Rüstungsadministration einen Nachfolgeauftrag, dessen Spezifikation ähnliche Strukturen aufweist wie die vorausgegangenen.

Impliziert wird hier auch offensichtlich eine politische Grundentscheidung für die Aufrechterhaltung einer nationalen Rüstungskapazität, die die Politiker in ihrer Entscheidungsfreiheit einengt auf die Optionen einer Erhaltungssubvention ohne Produktionsauftrag oder eben einen »follow-on«-Auftrag.

Nicht unproblematisch ist bei diesem Vorschlag die Annahme gegebener Rüstungskapazitäten, denn streng genommen bedeutet das eine kontinuierliche Produktion auf gegebenem Niveau; es handelt sich also um ein statisches Prinzip. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht des Managements ist das jedoch in mehrfacher Hinsicht problematisch: Zum einen gehört es zu den Aufgaben des Managements, die vorhandenen Kapazitäten wirtschaftlich abzuschreiben, so daß am Ende einer Produktionsserie die investierten Mittel (und ein Gewinnaufschlag) wieder zurückgeflossen sind. In diesem Sinne gibt es also keine fixen Kapazitäten. Zum anderen ist die Rüstungsproduktion fast immer nur ein Teil einer umfassenderen Produktpalette von zumeist großen Unternehmen. Das Interesse des Managements richtet sich deshalb auch eher auf die relative Rentabilität des eingesetzten Kapitals in den verschiedenen Produktionszweigen. Die Rüstungsproduktion müßte demgemäß mindestens die gleiche Rendite erbringen wie in den alternativen zivilen Produktionsbereichen.

Wenn es also nicht haltbar ist, von einer gegebenen Rüstungskapazität in technischer oder wirtschaftlicher Hinsicht zu sprechen, so stellt sich die Frage, in welchem Sinne überhaupt von einer gegebenen Kapazität gesprochen werden kann. Ich vermute, daß diese Kapazitäten letzten Endes in dem vorhandenen Potential an qualifizierten Arbeitskräften bestehen – also der sogenannten Kernbelegschaft einschließlich des Managements der Rüstungsabteilung. Der Auf- und Abbau dieses Potentials bei diskontinuierlicher Rüstungsnachfrage würde erheblichen Aufwand bedeuten; insbesondere könnte die "Wiederbeschaffung" von qualifizierten Arbeitskräften in einer einigermaßen florierenden Ökonomie zu erheblichen Schwierigkeiten, zusätzlichen Kosten und nennenswerten zeitlichen Verzögerungen in der Produktionsbereitschaft führen.

Gehen wir also davon aus, daß von politischer Seite eine hinreichende Rendite der laufenden Rüstungsproduktion zugesichert wird (Kalkulation zu Selbstkosten plus Gewinnaufschlag als Vertragsgrundlage), so besteht das unternehmerische Interesse darin, trotz diskontinuierlicher Waffennachfrage seitens des Staates, die »qualitative Rüstungskapazität« in der Form des Potentials qualifizierter Arbeitskräfte aufrecht zu erhalten. Die unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten hierfür bestehen im Prinzip in den folgenden Alternativen:

  1. Bei Auslaufen einer Produktionsserie werden die Kernbelegschaften innerhalb des Mischkonzernes umgesetzt (interner Arbeitsmarkt), bis ein neuer Rüstungsauftrag eingeworben worden ist.
  2. Die Kernbelegschaft verbleibt im Rüstungsbereich und wird dort neben Wartungs- und Ersatztätigkeiten vor allem mit der Neuentwicklung von technisch überlegenen Nachfolgemodellen beschäftigt.

Welche der beiden Alternativen dominiert, hängt dann stark von den Expansionschancen in den zivilen Produktionsbereichen ab. Je geringer die Wachstumserwartungen dort sind, desto mehr verlagert sich der Druck auf die zweite Alternative. In dieser zweiten Alternative liegt jedoch ein erheblicher rüstungsdynamischer Effekt verborgen, denn jede erfolgreiche Rüstungsinnovation läßt die vorhandenen eigenen wie gegnerischen Waffen veralten: Der »qualitative Rüstungswettlauf« hat hier sein institutionelles ökonomisches Fundament.

Durchsetzungschancen im politischen Bereich

Ein explizites wirtschaftliches Interesse an der Aufrechterhaltung eines qualitativen Rüstungspotentials darf noch nicht gleichgesetzt werden mit der Umsetzung dieses Interesse in politische Entscheidungen für die Beschaffung von Rüstungsgütern oder die Vergabe von Entwicklungsaufträgen. Macht man Ernst damit, die innere Struktur des »Komplexes« zu beleuchten, so stellt sich die Frage nach den politischen Eigeninteressen an der Rüstungsproduktion und schließlich nach der Kompatibilität von politischen und wirtschaftlichen Interessen (Koalitionsbildung). Ich referiere hier aus den vorhandenen Untersuchungen folgende Elemente des politischen Interesses:

1. Das Element der Souveränitätswahrung enthält auch die Entscheidung für eine nationale Rüstungswirtschaft (s.o.) und schließt von vornherein die Wahlmöglichkeiten der Beschaffung von Waffen auf dem internationalen Markt aus.

2. Das Element der Wahrung der politischen Identität in ideologischer Hinsicht enthält auch eine Einschätzung der Bedrohungslage und beeinflußt im konkreten Fall das Abstimmungsverhalten in den Parlamenten. So zeigten Untersuchungen zum Abstimmungsverhalten US-amerikanischer Senatoren bei Rüstungsentscheidungen, daß die politische Grundauffassung sogar über lokale Interessen dominiert (Cobb 1973). Auf diese Weise nimmt die internationale Spannungslage indirekt Einfluß auf die Durchsetzungschancen wirtschaftlicher Interessen.

3. Da die bedeutenden Rüstungsentscheidungen stets auch staatliche Finanzmittel bindet, ohne einen für die Wähler unmittelbar spürbaren Vorteil zu gewähren, haben Politiker ein Interesse an der Verfolgung von politischen Sekundärzielen bei Rüstungsaufträgen wie Regionalförderung, Technologieförderung, Exportförderung (Mechtersheimer 1977).

Während das erste Element des politischen Interesses eine Einschränkung des politischen Handlungsfeldes bedeutet und eine grundlegene politische Verpflichtung gegenüber der nationalen Rüstungswirtschaft mit sich bringt, wirken die beiden weiteren Elemente eher in die Richtung einer Verbreiterung der politischen Akzeptanz bei konkreten Rüstungsentscheidungen: Je beängstigender die Bedrohungslage und je notwendiger die Verfolgung von Sekundärzielen ist, desto stärker wird die Akzeptanz von Rüstungsaufträgen in politischen Gremien sein.

Hypothesen und Systemkonstellationen

In diesem Abschnitt der Überlegungen soll gezeigt werden, wie vor dem Hintergrund der vorgenommenen Differenzierungen und Spezifizierungen möglich ist, zu Hypothesen über Zusammenhänge von Systemzuständen und Aufrüstungsdruck zu kommen und verschiedene Typen von Systemkonstellationen zu unterscheiden. Dies sollte beispielhaft verstanden werden, denn der konkrete Untersuchungsfall erfordert sicherlich weitergehende Spezifikationen.

Aus dem Vorausgegangenen kann man schließen, daß ein beobachtbarer Aufrüstungsvorgang entweder einseitig induziert sein kann - sei es von der politischen oder von der wirtschaftlichen Interessenlage dominiert, oder beidseitig durch eine »große Interessenkoalition« hervorgerufen wird2. Folgende Beispiele sollen das illustrieren:

1. Wirtschaftlich induzierter Aufrüstungsdruck

Die wirtschaftliche Lage ist dann durch folgende Variablen gekennzeichnet:

Diese wirtschaftliche Interessenlage trifft auf eine politische Konstellation, die nur bedingt koalitionsbereit ist und zumindest nicht selbst aktiv die Rüstungsexpansion betreibt. Wir könnten als Beispiel folgende Konstellation vorfinden:

In dieser Konstellation gibt es einen eindeutig aktiven Part der Rüstungswirtschaft und eine zumindest partielle Interessenüberlappung zwischen beiden Bereichen.

2. Politisch induzierter Aufrüstungsdruck

Dieser Fall stellt gewissermaßen die Umkehrung des ersten Falles dar. Die politische Seite wird aktiv und stößt auf eine eher passiv agierende Rüstungswirtschaft. Hier müßte zumindest R größer 1 sein, eventuell begleitet von einer niedrigen Entscheidungskonzentration, so daß die Rüstungswirtschaft zivile Produktionen präferiert.

Dagegen wäre die politische Seite durch ein aktives Aufrüstungsinteresse charakterisiert (bedrohliche Spannungslage, nationale Option); auch wären die finanziellen Restriktionen gering, beziehungsweise die Bereitschaft zur Neuverschuldung groß.

Diese Konstellation erinnert in einigen Zügen durchaus an die erste Phase der Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland, als von wirtschaftlicher Seite deutliche Bedenken wegen des damit verbundenen Ressourcenproblems – vor allem der Arbeitskräfteknappheit – geäußert wurden. Auch die staatlichen Bemühungen zur Erhöhung der Rüstungskonzentration passen in dieses Bild.

3. Große Aufrüstungskoalition

Dieser Fall stellt gewissermaßen die größte Annäherung an die Vorstellung des MIK dar; hier treffen sich ein aktives wirtschaftliches und politisches Rüstungsinteresse in Kombination der beiden obigen Fälle. Allerdings kann in dieser Konstellation eher von einer Koalition als von der Dominanz einer der beiden Parteien gesprochen werden.

Vor diesem Hintergrund könnte auch die gegenwärtige Situation untersucht werden, in der viele Merkmale auf einen Aufrüstungsdruck verweisen, sich jedoch gleichzeitig die Spannungslage entschärft hat. Wichtige Rüstungsentscheidungen scheinen sich zur Zeit von der internationalen Lage abzukoppeln und verweisen darauf, daß hier – rein aus der Forschungsperspektive gesehen – ein Testfall für die Stärke der endogenen Kräfte im Prozeß der Rüstungsdynamik entsteht.

In politischer Hinsicht stellt sich natürlich die Frage, ob die hier vorgeschlagene Vorgehensweise geeignet ist, politische Eingriffsmöglichkeiten in den Prozeß der Rüstungsdynamik aufzuweisen. Obgleich man zurückhaltend sein muß mit der unmittelbaren Anwendung solcher abstrakten und methodischen Überlegungen, möchte ich auf einige solche Eingriffsmöglichkeiten hinweisen:

Die Eingriffsmöglichkeiten mit dem Ziel, die Dynamik des Rüstungsprozesses zu stoppen und zumindest einen stationären Zustand zu erreichen, variieren je nach Systemkonstellation. So bietet die Konstellation der großen Aufrüstungskoalition naturgemäß fast keine Eingriffsmöglichkeiten aus dem System heraus. Es ist dies eher die Zeit für außerparlamentarische Bewegungen. Auch der Fall 2 einer politisch induzierten Aufrüstung verbietet es, an eine Politik der Rüstungsbegrenzung zu denken. Am günstigsten scheinen noch die Chancen im Falle eines wirtschaftlich induzierten Aufrüstungsdrucks zu sein, weil politische Interessen hier zumindest prinzipiell eine alternative Politik durchführen könnten. Dazu gehört nicht so sehr die heroische Ablehnungsgeste, sondern ein Bündel von weitreichenden Entscheidungen: Zu denken ist in erster Linie an die Aufhebung der nationalen Beschaffungsoption, die ohnedies angesichts multinationaler Blöcke und der Zerstörungsdrohung binnen Stunden keine reale Bedeutung bei der Wahrung der nationalen Souveränität besitzt, sondern eher eine symbolische Geste darstellt, die allerdings ungeahnte Folgewirkungen nach sich zieht. Darüber hinaus müßte eine systematische Veränderung der Renditerelation zugunsten ziviler Produktion und gegebenenfalls auch neu zu schaffender Betätigungsfelder (Entwicklungsländer, Umwelt usw.) das wirtschaftliche Eigeninteresse an Konversion zum Tragen bringen. Mit Sicherheit müßte ergänzend eine aktive Regional- und/oder Branchenstrukturpolitik betrieben werden, um die Folgewirkungen starker Anpassungs- und Umstellungsvorgänge bei der heute vorherrschenden hohen Wirtschaftskonzentration abzufedern. Damit muß die Gefahr unheiliger Allianzen von Arbeitnehmern, die um ihre Arbeitsplätze bangen und den etablierten Rüstungsinteressenten verhindert werden.

Vorstellbar und konzipierbar wäre dies alles, vorausgesetzt, die internationale Spannungslage entwickelt sich weiterhin zum Positiven und die MIK-Konstellation ist tatsächlich nicht der Standardfall, sondern einer von mehreren Systemzuständen, dessen Bedeutung also zu relativieren wäre. Für die Friedensforschung liegt hier ein wichtiges Betätigungsfeld, das die Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern erforderlich macht.3

Literaturhinweise:

Cobb, St.: The United States Senate and the Impact of Defense Spending Concentrations, in: Rosen, St. (s.u.) pp. 197-223
Grünewald, J.: Der Militärisch-Industrielle Komplex: Überblick über die theoretische Diskussion und der Versuch der empirischen Nachweise in der BRD, Manuskript Darmstadt 1988
Kurth, J.R.: The Political Economy of Weapons Procurement: The Follow-on Imperative, in: Am. Ec. Review, Paper and Proceedings 1972, pp 3o4-311
Ders.: Aerospace Production Lines and American Defense, in: Rosen, St. (s.u.) pp 135-156
Mechtersheimer,A.: Der militärisch-industrielle Komplex und das Rüstungsprogramm MRCA, in: K.E. Schulz (Hrsg.), Militär und Ökonomie, Göttingen 1977
Müller, E.: Rüstungspolitik und Rüstungsdynamik: Fall USA, Baden-Baden 1985
Rosen, St. (ed.): Testing the Theory of Military-Industrial Complex, Toronto, London 1973

Anmerkungen

1 Dieser Beitrag stellt die ausgearbeitete Form eines Vortrags auf dem Kongreß der Naturwissenschaftler-Initiative in Tübingen vom 2.-4.Dezember 1988 dar. Zurück

2 Die Interessen der militärischen Führung und der Rüstungsadministration wurden in den Ausführungen nicht explizit eingeführt. Das mag im konkreten Untersuchungsfall als Ergänzungsbedarf auftreten. Es gibt jedoch auch ein inhaltliches Argument hierfür: Das im militärischen und administrativen Bereich angelegte »worst-case-thinking« läßt im Zweifel mehr und bessere Waffen stets als besseren Zustand erscheinen. Insofern treten diese Interessen nicht als Beschränkungen in diesem System auf. Zurück

3 Es sei hier auf das Projekt einer interdisziplinären Forschungsgruppe zu naturwissenschaftlich-technischen Aspekten der Sicherheitspolitik an der TH-Darmstadt hingewiesen. Zurück

Dr. Dirk Ipsen ist Hochschullehrer im Fach Volkswirtschaft an der Technischen Hochschule Darmstadt.

in Wissenschaft & Frieden 1989-2: Sind Gesellschaft und Militär noch vereinbar

zurück vor