in Wissenschaft & Frieden 1988-2: Einblicke: Ist SDI tot? Plant die NATO neue Aufrüstung?

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Japanische Wissenschaftlerbewegung gegen SDI und Militärforschung (II)

Kapitel 2: Nuklearwaffen und japanische Wissenschaftler

von Zenshiro Hara

1. Die Entwicklung der Atombombe in Japan

Die Entwicklung einer Atombombe wurde initiiert an der Universität von Kyoto durch Prof. B. Arakatu. Er wurde durch die Marine ab 1941 unterstützt. Zugleich begannen Arbeiten an dem Institut für Physikalische und Chemische Forschung durch Prof. Y. Nishina, unterstützt durch die Armee ab 1943. Prof. Nishina hatte fünf Jahre bei Niels Bohr studiert.

Es ist nicht klar, ob Prof. Nishina in einer aktiven Weise mit der Armee kooperierte oder ob er zusammenarbeitete, um seine jungen Wissenschaftler vor dem Militärdienst zu schützen. Im Mai 1949 wurde Prof. M. Taketani, der zu dieser Zeit Forscher an diesem Labor gewesen war, wegen gefährlicher Gedanken eingesperrt. Prof. S. Tomonaga ebenfalls Mitglied des Nishina-Labors komplettierte die Theorie über das Magnetron ausstrahlende VHF für Radar. Es ist eine bekannte Geschichte, daß Prof. Arakatu, nachdem er das Gerücht gehört hatte, Kyoto würde das nächste Ziel der Atombombe, sagte: „Es ist eine günstige Gelegenheit für Atomphysiker und wir müssen diesen Augenblick von der Spitze des Mt. Hiei beobachten.“ Er bereitete sich tatsächlich darauf vor.

Bevor es die Technologie der Urananreicherung vollständig beherrschte, war Japan geschlagen. Später, als der Wissenschaftsrat die früher erwähnte Erklärung abgab, sich nie mehr an der Wissenschaft für den Krieg zu beteiligen, war Prof. Nishina Vizepräsident des Rates.

Nach dem San-Francisco-Abkommen über einen Separatfrieden, das 1952 in Kraft trat, wurde die Atomenergiepolitik überall in Japan diskutiert. Der Wissenschaftsrat nahm eine Erklärung an, die drei Prinzipien bei der Erforschung, Entwicklung und Anwendung der Atomenergie forderte: Offenheit, Unabhängigkeit und Demokratie. Damit sollte eine militärische Nutzung der Atomenergie im Rahmen einer Wiederbewaffnung durch die Regierung verhindert werden. Später wurden diese Grundsätze in das Atomenergiegesetz eingeführt.

2. Die Bewegung gegen Atomwaffen

Der Test einer Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll 1954, die Leiden der Besatzungen japanischer Fischerboote und die Verseuchung der Fischfanggebiete im Pazifischen Ozean weckten Mitglieder der Vereinigung Demokratischer Wissenschaftler und viele andere Wissenschaftler auf. Sie engagierten sich für eine sozial verantwortliche Wissenschaft. Nationale Bewegungen gegen die Atombombe wuchsen an und der erste Weltkongreß gegen die A- und H-Bombe fand statt. Japanische Wissenschaftler trugen viel dazu bei.

Der Atomtest bewegte gleichfalls weltweit bekannte Wissenschaftler. 1955 appellierten Bertrand Russell, Albert Einstein, Hideki Yukawa, Joseph Rotblat und sieben andere Wissenschaftler gemeinsam an die Wissenschaftler der Welt. Mit einem Kongreß sollten die Regierungen dringend darauf aufmerksam gemacht werden, daß angesichts der Tatsache der drohenden Vernichtung der Menschheit durch Nuklearwaffen der Sache der Wissenschaften durch Krieg wahrlich nicht gedient werden könne.

Als Folge dieses Appells – bekannt als „Russell-Einstein-Manifest“ – startete die Pugwash-Konferenz 1957 und begann das Problem der Atomwaffen zu diskutieren. Die Professoren H. Yukawa, S. Tomonaga und 1. Ogawa nahmen an der ersten Pugwash-Konferenz teil. Der Pugwash-Bewegung entsprechend fanden nationale Wissenschaftlertagungen, Kyoto-Wissenschaftler-Konferenz genannt, einige Male seit 1962 statt.

Die Pugwash-Konferenzen scheinen eine bedeutende Rolle bei der Minderung der internationalen Spannung zwischen den zwei militärischen Blöcken, die gegeneinander rüsteten, gespielt zu haben. Jedoch konnten die Diskussionen über Atomwaffen und die Strategien die Axiome nuklearen Gleichgewichts und der atomaren Abschreckungstheorie nicht überwinden. So gerieten die Konferenzen zu einem anderen Verhandlungsplatz zwischen den Supermächten.

Damit unzufrieden, kamen die Professoren Yukawa und Tomonaga zu dem Gedanken, daß auf der Basis der nuklearen Abschreckung das atomare Wettrüsten nicht verhindert werden könne. Die dringendste Aufgabe sei vielmehr heute die Abschaffung aller atomaren Waffensysteme. 1975 legten sie eine gemeinsame Erklärung vor, die die Theorie nuklearer Abschreckung überwand. Viele japanische Wissenschaftler teilten diese Idee. Bedauerlicherweise starben die Autoren, bevor sie ihre neue Logik den Wissenschaftlern und Politikern der Welt begreiflich machen konnten.

1985 veranstaltete die Japanische Wissenschaftlervereinigung ein internationales Symposium über das vollständige Verbot und die Ausschaltung atomarer Waffen, zu dem Wissenschaftler aus fünf anderen Ländern eingeladen wurden. Das Symposium folgte dem von Yukawa und Tomonaga vorgezeichneten Weg.

In der gegenwärtigen Situation, wo selbst Wissenschaftler, die gegen SDI opponieren, nur zögerlich die drastische Reduzierung der Atomwaffen fordern, ist es eine besondere soziale Verantwortung der japanischen Wissenschaftler, ihre Auffassung von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Abschaffung der Atomwaffen zu entwickeln. Japan war schließlich das erste und einzige Land, das mit A-Waffen angegriffen wurde.

Kapitel 3: SDI und die japanischen Wissenschaftler

1. SDI und die Vernichtung von Atomwaffen

Am 2. Januar 1985 sprach Premierminister Nakasone in seinen Gesprächen mit Präsident Ronald Reagan sein Verständnis für das SDI-Forschungsprogramm aus, und im Februar ließ er erkennen, daß er bereit sei, in der SDI-Forschung mit den USA zu kooperieren, solange es um Technologien ginge, die für ein breites Einsatzspektrum geeignet seien. Am Ende des Monats ging dann ein Brief des amerikanischen Verteidigungsministers Weinberger ein, der Japan offiziell zur Teilnahme an der SDI-Forschung aufforderte und eine entsprechende Antwort innerhalb von 60 Tagen verlangte. Damit wurde SDI zu einem Thema von nationalem Interesse. Auf der anderen Seite initiierte die Liberal-Demokratische Partei (LDP) eine sogenannte Nationale Bewegung, die ein Gesetz zur Verhinderung von Spionage forderte und dem Reichstag ein entsprechendes Gesetz vorlegte.

Die japanische Wissenschaftlervereinigung erhob zuerst ihre Stimme gegen SDI. Im Mai verabschiedete die Vereinigung in ihrer 20. Generalversammlung eine Resolution gegen jede Kooperation mit dem SDI-Forschungsprojekt sowie eine Stellungnahme gegen die Verfügung des Staatsgeheimnisgesetzes. Die Resolution drückte die Auffassung der Wissenschaftler aus, daß sowohl alle Arten der Kooperation mit SDI zurückzuweisen seien, die das nukleare Wettrüsten in den Weltraum ausdehnen, wie auch die, die die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen vorsehen und die Menschheit dem Nuklearkrieg näherbrächten. Die Resolution sprach sich ebenfalls gegen die Abschreckungstheorie aus, die nach den Worten des US-Präsidenten angeblich überwunden werden sollte, und forderte dagegen, daß der Nuklearkrieg selbst durch die Vernichtung der für ihn benötigten Waffen verhindert werden sollte.

Danach begann im Frühling dieses Jahres in einigen Wissenschaftsbereichen, zum Beispiel in der Physikalischen Gesellschaft von Japan, eine Diskussion über SDI. In einem Workshop im Herbst wurde dann eine Stellungnahme von Physikern gegen SDI verfaßt und eine Unterschriftensammlung begonnen. Bis zum nächsten Jahr, wo ein Symposium über die soziale Verantwortung der Wissenschaft in der Frühjahrssession der Physikalischen Gesellschaft von Japan abgehalten wurde, konnten mehr als 1900 Unterschriften in mehr als 190 Universitäten und Forschungsinstituten gesammelt werden. Dies zeigte, daß der Geist der Physiker, die einst die militärisch-wissenschaftliche Kooperation verweigert hatten, noch immer lebendig war.

Auch den japanischen Mathematikern war die Erfahrung noch bewußt, die mit der Unterschriftenkampagne gegen den Vietnam-Krieg begonnen hatte, die auf der Internationalen Mathematiker-Konferenz 1966 in Gang gesetzt worden war. Im Juli 1985 gaben sie eine Stellungnahme zum Frieden heraus und verlangten die Vernichtung von nuklearen Waffen, und im Oktober veröffentlichten sie eine weitere Stellungnahme, die sich gegen das amerikanische SDI-Programm und die japanische Beteiligung daran wandte. 700 Mathematiker unterzeichneten die Stellungnahme. Dieses Mal war die Anzahl der Unterzeichner doppelt so hoch wie die auf dem bereits oben erwähnten Statement gegen den Vietnam-Krieg.

Im Mai 1986 präsentierte die Regierung dem Reichstag ein Gesetz zur Förderung des Forschungsaustauschs. Trotz der Beteuerungen der Regierung, daß das Gesetz beabsichtige, den beiderseitigen Austausch zwischen nationalen, privaten und ausländischen Forschungsinstituten zu unterstützen, war es offensichtlich, daß es darauf abzielte, die Kooperation zwischen Technischen und Entwicklungsforschungsinstituten, der Japanischen Verteidigungsagentur und anderen nationalen Forschungsinstituten voranzutreiben. Schließlich wurde gerade in dem Moment, in dem es dem Reichstag vorgelegt wurde, eine Geheimhaltungs-Schutzklausel eingefügt. Die Forscher der nationalen Forschungsinstitute fühlten intuitiv, daß das Gesetz aufgelegt worden war, um die Akzeptanz für das SDI-Programm zu erhöhen. Es passierte dann auch den Reichstag. Im August erklärten 3506 Forscher in nationalen Forschungsinstituten in der Wissenschafts-Stadt Tsukuba ihre Ablehnung des SDI-Programms. Sie bezeichneten es als ein ganz offensichtlich militärisches Forschungsprogramm. Sie seien nicht bereit, sich selbst in der SDI-Forschung oder in irgendeiner anderen Militärforschung zu beteiligen. Die bei dieser Gelegenheit verabschiedete Deklaration weist darauf hin, daß die zivile Anwendung der Resultate von Hochtechnologie-Forschung durch die Beteiligung an SDI verhindert würde und die Beteiligung auch die Remilitarisierung Japans befördern würde.

2. Verschiedene Aktivitäten gegen SDI

1986 breitete sich eine Welle von Aktivitäten gegen SDI in Japan aus. In dem Bezirk Aich begann im April eine Unterschriftensammlung, ausgehend von einem Aufruf von 52 Wissenschaftlern inclusive Professor S. Iijima, dem Präsidenten der Nagoya-Universität. Bis September waren 1250 Unterschriften gesammelt. Im Juni wurden in Hokkaido und im Juli in Nagana Statements gegen SDI nacheinander veröffentlicht, ermutigt durch den Aufruf der Wissenschaftler von Aich. Die Erklärung von Hokkaido weist darauf hin, daß sich in Japan, sollte es dem SDI-Programm beitreten, die militärischen Geheimhaltungsvorschriften verschärfen würden, die Publikation von Forschungsergebnissen restriktiver gehandhabt würde, die Freiheit der Forschung eingeschränkt und eine gesunde Entwicklung von Forschung und Wissenschaft unmöglich gemacht werden würde.

Am 9. September entschied die Regierung, sich am SDI-Forschungsprogramm zu beteiligen. Zunächst mußte dann die Rahmenvereinbarung der Beteiligung ausgehandelt werden, und später konnten dann private Firmen einzelne Verträge der US-Regierung abschließen. Im ersten Stadium können sich nur private Firmen beteiligen. In der Zukunft werden nationale Universitäten und Forschungsinstitute gedrängt, die allgemeine Politik der Regierung, die auf eine Unterstützung der wissenschaftlich-industriell-militärischen Kooperation hinausläuft, mitzutragen. Die Regierung verteidigt jedoch SDI weiter ernsthaft als eine nichtnukleare Verteidigungstechnologie zur Vernichtung von Atomwaffen und übergeht konstant die Tatsache, daß SDI eindeutig militärischen Zwecken dient.

Seit der Entscheidung der japanischen Regierung hat sich die Bewegung der japanischen Wissenschaftler gegen SDI zusammen mit der Bewegung, die die Abschaffung aller Atomwaffen und die Rücknahme des Staatsgeheimnisgesetzes fordert, mehr und mehr ausgeweitet.

Im November 1986 hielten fünf Organisationen von Wissenschaftlern und Ingenieuren (Japanische Wissenschaftlervereinigung, Universitätssektion der Lehrergewerkschaft, Private Schulsektion von JTU, Rat der Gewerkschaften in Wissenschaft und Industrie und Forschungsinstitute in Tsukuba) ein Symposium ab unter dem Titel „Wissenschaft und Technologie in Japan und SDI“. Hier wurde der Einfluß von SDI auf Wissenschaft und Technologie und die Bedeutung der Wissenschaftler- und Ingenieur -Bewegung gegen SDI diskutiert. Das Symposium unterstützte die Bewegung gegen SDI.

Inzwischen ist – ausgehend von einem Aufruf von 43 führenden Wissenschaftlern – eine Kampagne gestartet worden, die Wandzeitungen mit dem Aufruftext gegen SDI und das Staatsgeheimnisgesetz herstellt und vertreibt. Hier sind inzwischen 1535 Unterschriften von einzelnen Personen und von 70 Organisationen zusammengekommen. Das Poster wurde am 8. Januar 1987 in den Zeitungen veröffentlicht. Bis jetzt sind 15000 Bestellungen des Posters Sets im ganzen Land verschickt worden, darunter an Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Studenten, Ladenbesitzer und andere.

Im November 1986 erreichte die japanischen Wissenschaftler ein Brief von den Professoren John Kogut und Michael Weissman von der Universität von Illinois-Urbana, von der seit dem Sommer 1985 eine Bewegung ausgegangen war, das SDI-Projekt in den USA selber zurückzuweisen.

Aus dem Brief ging hervor, daß 50 oder 35 mehr Prozent der dortigen Fakultät dafür plädiert hatten, nicht an der SDI-Forschung zu partizipieren. Dies sei ebenso in jeder von 110 physikalischen oder ingenieurwissenschaftlichen Abteilungen der US-Universitäten der Fall, in denen mehr als 3800 Wissenschaftler und Ingenieur-Professoren und mehr als 2900 Stipendiaten arbeiten. Kogut und Weissman baten die japanischen Wissenschaftler, in ihrer Bewegung mitzumachen. Im Februar 1987 erreichte die japanischen Wissenschaftler ein anderer Brief – diesmal aus Großbritannien -, der besagte, daß 774 Wissenschaftler und Stipendiaten von mehr als 30 Universitäten einen Appell unterschrieben hätten, nicht an der SDI-Forschung zu partizipieren.

In den Vereinigten Staaten kann ein Wissenschaftler, wenn er die SDI-Forschung verweigert, von anderen Forschungsunterstützungsleistungen ausgeschlossen werden. Besonders jüngere Wissenschaftler bekommen keine Jobs in den Firmen, die mit der Militärforschung verbunden sind. Trotz dieser Widrigkeiten verweigern viele amerikanische Wissenschaftler die Mitarbeit an SDI. Dies ist ein Zeichen dafür, daß der Wille, sich nicht an der Militärforschung zu beteiligen, kein spezifisch japanisches Phänomen ist, sondern eine universal sich ausbreitende Erscheinung. Sie ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Vernichtung der Menschheit durch den Nuklearkrieg heute möglich ist.

3. Friedenserklärungen in Universitäten und Forschungsinstituten

Was wird nun an den Universitäten und Forschungsinstituten studiert, die militärische Forschung verweigern? An der Universität von Nagoya wurde am 5. Februar 1987 auf einem bewegenden Treffen in der Toyota-Halle der Hochschule eine Friedenserklärung verabschiedet und verkündet. Präsident Iijima wie auch der Generalsekretär der UNESCO, Mr. A. M. M'Bow gaben entsprechende Erklärungen ab. Die Charta stellte fest, daß die Mitglieder des Lehrkörpers und die Studenten der Universität niemals, egal aus welchen Gründen, eine Lehre oder Forschung verfolgen würden, die auf den Krieg abzielte. Stattdessen wollten sie sich für eine wissenschaftliche Untersuchung der Fragen von Frieden und Krieg einsetzen, die auf unabhängigen und kreativen wissenschaftlichen Normen basiert, um die Mittel herauszufinden, mit denen eine friedliche Zukunft hergestellt werden könne. Die Erklärung betont nachdrücklich die Bedeutung des Beitrages der Universitäten für die Gestaltung einer friedlichen, wohlhabenden Gesellschaft, die die menschliche Würde garantiert.

Den Angaben der Nagoya-Universität zufolge wurde auch an der Yamanshi-Universität im Juli eine Erklärung veröffentlicht. In ihr drücken die Fakultät und alle ihre Angehörigen ihre Überzeugung aus, sich niemals an militärischer Forschung zu beteiligen, insbesondere nicht an der Forschung, Herstellung und Entwicklung von Nuklearwaffen.

Die Bewegung der Wissenschaftler und Studenten für die Umwandlung ihrer Universitäten in einen Platz der Forschung und Lehre, der zum Frieden beiträgt, weitete sich auf die Forschungsinstitute aus. Am 15. April informierten die Zeitungen darüber, daß am Elektro-Technischen Labor 570 Forscher (85 % der Vollmitglieder) eine Friedenscharta des Labors unterzeichnet hätten. DoD hatte dieses Labor als eine Einrichtung mit hohem Standard in der Halbleiter-, Laser- und Computertechnologie eingestuft. So sorgten sich die Forscher außerordentlich über ihre mögliche Einspannung in militärische Forschung, z.B. durch SDI-Projekte. In der Friedenscharta erklärten sie, geheime Forschung zurückweisen und offene Forschung zum Wohle des Friedens und der menschlichen Wohlfahrt betreiben zu wollen. Eine Beteiligung an Forschung, die vom Militär oder mit ihm verbundenen Einrichtungen finanziert werde – ob von heimischen oder ausländischen Stellen -, wird abgelehnt.

In Tsukuby Science City breitet sich, diesem Beispiel folgend, eine Bewegung aus, eine solche Friedenscharta an anderen Instituten zu thematisieren. Ende Juli nahmen neun dem Ministerium für Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft eingegliederte Forschungsinstitute die Friedenscharta an; Anfang August taten dies drei Institute, die mit dem Transportministerium verknüpft sind, und eines, das dem Ministerium für das Bauwesen zugehört.

4. Beiträge der Wissenschaftler und Ingenieure zur FRIEDENSWELLE

Am 8. August, am Tag vor dem 42. Jahrestag des Atombombenabwurfs über Nagasaki, fand ein Wissenschaftlerforum in Nagasaki statt. 147 Wissenschaftler aus Japan, den USA und der UdSSR diskutierten die soziale Verantwortung der Wissenschaftler. In der Diskussion wurde festgestellt, daß noch viele Fragen zur Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki offen sind: humane und soziale Aspekte, Re-Evaluation von Strahlungsdosen, Folgen des „black rain“ etc.

Delegierte von verschiedenen Universitäts- und Forschungsinstituten sprachen über ihre erfolgreichen Bemühungen, eine Friedenscharta zu verankern. Die Bedeutung, sich mit den Aktivitäten der Bevölkerung für die Eliminierung der Atomwaffen zu verbünden, wurde hervorgehoben. Prof. Viktor Berezin, ein Repräsentant der Weltföderation der Wissenschaftler, betonte die Rolle der Wissenschaftler bei der Herausbildung einer internationalen Kooperationsgemeinschaft für dieses Ziel.

Vor diesem Forum hatte bereits vom 1.-3. August in Tokio die Weltkonferenz gegen die A- und H-Bombe getagt. „Friedensaktivisten“ aus 35 Ländern waren anwesend. Sie analysierten, daß nunmehr die Abschaffung aller Nuklearwaffen auf die Tagesordnung der Weltpolitik gesetzt ist, noch müßten jedoch die Basisbewegungen anwachsen, um die Befürworter der Atomwaffen zu isolieren. Sie riefen zu Aktionen überall in der Welt auf, insbesondere schlugen sie die weltweite Unterstützung der 10. UN-Abrüstungswoche im Oktober '87 mit einer FRIEDENSWELLE vor. Überall sollten Unterschriften für den „Appell von Hiroshima und Nagasaki“ gesammelt werden. Die Wissenschaftler und die Ingenieure, die die Atomwaffen erfunden und gemacht haben, haben nun die Pflicht, sie wieder abzuschaffen.

zu Teil 1

Dr. Zenshiro Hara ist Mitglied des Präsidialkomitees der Japanischen Wissenschaftlervereinigung. Kontaktadresse: 1-9-16 Yushima, Bunkyo-ku, Tokyo 113, Japan.

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