in Wissenschaft & Frieden 1984-2: 1984-2

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Hochschule und Friedensbewegung

von Redaktion

Das Friedensengagement an den Hochschulen hat weiter zugenommen. Davon zeugt die Resonanz auf die zahlreichen Ringvorlesungen zur Thematik „Verantwortung für den Frieden“. So sprechen die „Aachener Nachrichten“ von der größten interdisziplinären Veranstaltung seit Bestehen der Aachener Hochschule. Ähnliches ließe sich von anderen Orten berichten. Diese Form der Friedensarbeit scheint auch Kontinuität zu erlangen: an zahlreichen Hochschulen werden die Veranstaltungen fortgeführt. Wir dokumentieren einige davon.

Zugleich regt sich das Bemühen zu konkreteren und verbindlicheren Formen des Widerstands gegen Kriegsbedrohung und Militarisierung der Wissenschaft zu kommen. Der Versuch, eine Formel zu finden, um der neuen Verantwortung der Wissenschaftler gerecht zu werden, steht hierfür. Bereits auf dem Mainzer Kongreß der Naturwissenschaftler wurde sie angeregt. Darmstädter Kollegen haben einen neuen hippokratischen Eid entworfen: die „Darmstädter Verweigerungsformel“. Gernot Böhme beschreibt ihre Erarbeitung - eine Aufforderung zur Diskussion und Unterstützung.

Die Auseinandersetzung um die eigene Tätigkeit als Wissenschaftler und die potentiellen Verstrickungen in rüstungsorientierte oder militärisch nutzbare Projekte hat sich inzwischen auch in den Institutionen der Hochschulen niedergeschlagen. Was dürfen Hochschulgremien beschließen? Die von Dietrich Rabenstein geschilderten Kontroversen an der Fachhochschule Hamburg stehen nur als ein Beispiel. Wir könnten ebenso über die Aufhebung des Konzil-Beschlusses an der TU Berlin (vgl. Informationsdienst 1/83), der auch die Einrichtung eines Friedensforschungsinstitutes beinhaltete, durch den Präsidenten berichten.

Aufsehen erregt hat die Arbeitsniederlegung von 90 Berliner Hochschullehrern aus Protest gegen die „Nach“rüstung. Die Bereitschaft zu solchen Aktionsformen scheint gegenwärtig noch denkbar gering. Dennoch: die Diskussion darüber sollte weitergehen.

Und: die Berliner Kollegen, die von Disziplinarverfahren bedroht sind, brauchen Solidarität!

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