in Wissenschaft & Frieden 2002-4: Israel – kein Friede in Sicht

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Thema Naher Osten

Literatur- und Internetempfehlungen

von Claudia Haydt

Literatur

Gudrun Krämer: Geschichte Palästinas, Verlag C.H. Beck, München, 2002. Ohne die üblichen religiösen und ideologischen Mythen präsentiert Krämer (Professorin für Islamwissenschaft) eine Sozialgeschichte Palästinas von 1750 bis zur Staatsgründung Israels im Jahre 1948. Sie beschreibt im ersten Teil ihres Buches die häufig vernachlässigte Zeit vor dem Eintreffen der ersten jüdischen Einwanderer, die politische, soziale und ökonomische Entwicklung der Region, osmanische Verwaltungs- und Wirtschaftsreformen im 19. Jahrhundert und die daraus resultierenden sozialpolitischen Dynamiken. Der zweite Teil widmet sich den Auswirkungen der jüdischen Besiedlungen auf die arabische Bevölkerung und der britischen Orientpolitik.

Meron Benvenisti: Sacred Landscape: The Buried History of the Holy land Since 1948, University of California Press, Berkeley u.a., 2000 (Original Hebräisch) Benvenisti, der unter Teddy Kollek stellvertretender Bürgermeister von Jerusalem war, dokumentiert detailreich und anschaulich den Umgang des israelischen Staates mit der palästinensischen Kulturlandschaft. Er beschreibt wie im Laufe der Jahre weite Teile des palästinensischen Erbes ausgelöscht wurden, indem so gut wie alle arabischen Landschaftsnamen durch hebräische ersetzt wurden, Dörfer, Heilige Orte, Moscheen, Friedhöfe, Olivenhaine, Weinberge zerstört und dem Erdboden gleichgemacht wurden. Dadurch verschwand das, was in Hunderten und Tausenden von Jahren als Ergebnis menschlicher Geschichte entstanden ist. Das Bedürfnis vieler jüdischer Einwanderer nach eigener Identität vollzieht er dabei genauso nach, wie das dadurch entstandene Unrecht und die Trauer der palästinensischen Bevölkerung über den Verlust ihrer Heimat und ihrer Geschichte.

Uta Klein / Dietrich Thränhardt (Hrsg.): Gewaltspirale ohne Ende? Konfliktstrukturen und Friedenschancen im Nahen Osten, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., 2002. Die Autoren beleuchten die verschiedenen Konfliktfelder (Wasser, Flüchtlinge, Rüstung) ebenso wie die gesellschaftliche Situation – Demokratie, Religion, Kultur, Selbstverständnis – in Israel und Palästina. Es finden sich darüber hinaus spannende Beiträge zu Einfluss und Interessen von USA und Europa im Nahen Osten.

Illan Pappé (Hrsg.): The Israel/Palestine Question, Routledge, London und New York, 1999. Illan Pappé versammelt in diesem Band israelische »Neue Historiker« und arabische Wissenschaftler, die in teilweise kontroversen Beiträgen – und doch gemeinsam – versuchen Geschichte jenseits von ideologischen Scheuklappen neu zu schreiben. Es geht u.a. um die Aufarbeitung des Krieges von 1948 und um die Frage der Ursachen des palästinensischen Flüchtlingsdramas.

Karin Joggerst: Getrennte Welten –Getrennte Geschichte(n)? Zur politischen Bedeutung der Erinnerungskultur im israelisch-palästinensischen Konflikt, Lit-Verlag, Münster-Hamburg-London, 2002, ISBN 3-8258-5968-1, 144 S., € 15,90. Im israelisch-palästinensischen Konflikt spielt die kollektive Erinnerung an die eigene Vergangenheit sowie der Umgang mit der Geschichte »des Anderen« eine zentrale Rolle für die Gegenwart. In diesem Buch geht die Verfasserin der Frage nach, welche politische Bedeutung der Erinnerungskultur im Konflikt und dessen möglicher Überwindung zukommt. Im Anhang sind Interviews mit Benny Morris, Ilan Pappe, Tom Segev, Moshe Zimmermann und Moshe Zuckermann.

Sumaya Farhat-Naser: Verwurzelt im Land der Olivenbäume – eine Palästinenserin im Streit für den Frieden, Lenos Verlag, Basel, 2002. Farhat-Nasser macht die erdrückende Lebenssituation der Palästinenser im »Gefängnis der Besatzung« deutlich, sie zeigt die palästinensische Frauenfriedensarbeit und dokumentiert die gelegentlich schwierige Suche nach gegenseitigem Verständnis mit israelischen Partnern.

Felicia Langer, Quo vadis Israel? Die neue Intifada der Palästinenser, Lamuv Verlag, Göttingen, 2001, 173 S., ISBN 3-88864-334-1, € 15,00. Langer beschreibt aufgrund welcher politischer Fehler der Friedensprozess scheiterte und welche Erfahrungen alltäglicher Demütigungen und Rechtsverletzungen die Menschen in Palästina machen.

Internet

Grundlageninformation

Vereinte Nationen: www.un.org/Depts/dpa/qpal/index.html Übersicht über UN-Resolutionen, UN-Initiativen und Geschichte des Konflikts

Palestinian Academic Society for the Study of International Affairs (PASSIA): www.passia.org/ Detaillierte Hintergrundinformationen, sowie eine unfangreiche Kartensammlung (1878 bis heute).

Friedenspolitischer Ratschlag: www.uni-kassel.de/fb10/frieden/regionen/Israel/ Umfangreiche Sammlung deutscher Texte und Übersetzungen: Analysen, Dokumente und Berichte zum Nah-Ost-Konflikt.

Foundation for Middle East Peace (FMEP), Washington: www.fmep.org/ Gut aufbereitetes Informationsmaterial zum Nahen und Mittleren Osten. Der Schwerpunkt liegt auf Informationen zur israelischen Siedlungspolitik.

Friedensinitiativen und -gruppen

Gush Shalom (Friedensblock): www.gush-shalom.org Die Homepage von Gush Shalom bietet aktuelle Informationen über die Aktivitäten der israelischen Friedensbewegung, Texte von Uri Avnery sowie zahlreiche Grundlagendokumente über die politische Situation in Israel. Darunter ein detaillierter Bericht von Human Rights Watch zu den Vorkommnissen in Jennin (http://www.gush-shalom.org/archives/human_rights_watch_jenin.html) und ein ganz konkreter Vorschlag für einen möglichen Friedensvertrag zwischen Israel und Palästina (http://www.gush-shalom.org/archives/altpeace.html). Einige Texte von Gush Shalom sind in deutscher Übersetzung auf www.hagalil.de zu finden.

Bat Shalom: www.batshalom.org/ Die israelische feministische Friedensorganisation bildet zusammen mit der palästinensischen Friedenorganisation »Jerusalem Center for Women« den »Jerusalem Link«. Die gemeinsamen Programme und politischen Aktionen sind auf der Homepage dokumentiert.

Not in My Name: www.nimn.org/ NIMN ist eine US-amerikanische jüdische Friedensgruppe, die die israelische Regierungspolitik scharf kritisiert. Auf der Homepage finden sich u.a. Informationen zur Zusammenarbeit zwischen USA und Israel.

Perspektiven

Israel Palestine Center for Research and Information (IPCRI): www.ipcri.org 1988 wurde das ehrgeizige Projekt eines gemeinsamen israelisch-palästinensischen »Politik Think-Tank« gegründet. IPCRI bemüht sich um praktisch umsetzbare Lösungen für die wichtigen Fragen des Israelisch-Palästinensischen Konfliktes (Grenzen, Status von Jerusalem, Siedlungen, Wasserverteilung, Umweltschutz, Sicherheit …) und arbeitet darüber hinaus an zahlreichen Friedenpädagogischen Projekten. Viele Lösungsvorschläge sind auf der Web-Site dokumentiert.

Menschenrechtsorganisationen

B’Tselem; Israelische Menschenrechtsorganisation: www.btselem.org/ Schwerpunkt: Dokumentation der Opfer von Gewalt, Verstoß gegen die Menschenrechte von Gefangenen in Israel und Palästina, Siedlungspolitik.

Amnesty International: www.amnesty.de AI dokumentiert eindrücklich die Menschenrechtsituation in Israel und den besetzten Gebieten. Die internationale Seite von AI ist noch ausführlicher: http://web.amnesty.org/ai.nsf/countries/israel/occupied+territories

Addameer: http://www.addameer.org/ Addameer ist eine palästinensische Gefangenenhilfs- und Menschenrechtsorganisation

Palestinian Human Rights Monitoring Group: www.phrmg.org/ Überparteiliche Gruppe, die Menschenrechtsverletzungen gegen Palästinenser dokumentiert – egal ob durch palästinensische oder israelische Seite verübt.

Adva-Center: www.adva.org Gut aufbereitetes Material zum Thema soziale Gerechtigkeit und soziale Missstände in Israel, viele Berichte zum Download.

Rabbis for Human Rights: www.rhr.israel.net/overview.shtml RHR begründet aus jüdischer Tradition die Verpflichtung zu Frieden und zur Einhaltung von Menschenrechten.

Die kritische Begleitung des Prozesses gegen Marwan Bargouthi hat sich diese Seite zur Aufgabe gemacht: www.pal-plc.org

Medizinische Situation

The Union of Palestinian Medical Relief Committees: www.upmrc.org/ Die UPMRC ist eine der wichtigsten palästinensischen NGOs, Ziel: basisorientierte und dezentrale Gesundheitsversorgung, die mit großer Professionalität und unter hohem persönlichen Risiko auch unter Besatzungsbedingungen aufrechterhalten wird. Einer ihrer führenden Köpfe, Mustafa Barghouthi, ist ein wichtiger Exponent für die Option des gewaltfreien Widerstands gegen die israelische Besatzung. Auf der Homepage finden sich aktuelle Berichte über die Gesundheitssituation sowie über die politischen Rahmenbedingungen.

Palästinensischer Roter Halbmond: www.palestinercs.org/ Die stets aktuelle Seite des palästinensischen Roten Halbmondes macht die menschliche Tragik von Besatzung und Absperrungen eindrücklich sichtbar.

Medien

Ha’aretz: www.haaretzdaily.com/ Internetausgabe der liberalen israelischen Tageszeitung Ha’aretz (ist nicht immer identisch mit der Printausgabe) und Nachrichten-Ticker mit eigenen Berichten.

Indi-Media: www.indymedia.org.il/imc/israel/webcast/index.php3?language=en Die englische Übersetzung der israelischen Indi-Media Seite.

Washington Report on Middle East Affairs: www.wrmea.com/ Internetpräsenz des ca. monatlich erscheinenden Journals mit politischen Analysen und Stellungnahmen. Hier versammeln sich kritische ehemalige US-amerikanische Diplomaten und Politiker mit dem Bemühen „ausgewogene Informationen“ über die US-Beziehungen zu den Staaten des Mittleren Ostens zu liefern.

Electronic Intifada: http://electronicintifada.net Die »Electronic Intifada« ist ein ambitioniertes Gegeninformationsprojekt, das eigenständige Recherche mit kritischer Medienanalyse verbindet.

Verweigerer

Mut zur Verweigerung: www.seruv.org.il/defaulteng.asp Die Verweigerer aus Gewissensgründer haben mit Ihrem Offenen Brief Bewegung in die Diskussion um Menschenrechtsverletzungen durch das Militär gebracht. Auf dieser Seite kann aktuell verfolgt werden, wie viele Reservisten sich dem Aufruf angeschlossen haben.

Internat. Solidaritätsnetz für Verweigerer in Israel: www.couragetorefuse.org

Yesh-Gvul (Es gibt eine Grenze): www.yesh-gvul.org/english.html Die traditionsreiche Verweigererorganisation wurde 1982 nach der Invasion der israelischen Armee in den Libanon gegründet.

Sonstiges

Ta’ayush (Koexistenz): http://taayush.tripod.com Ta’ayush verbindet politische Aktionen mit konkreter Hilfe (Lieferung von Nahrungsmitteln oder Medikamenten in die West Bank).

University of Texas: www.lib.utexas.edu/maps/gazastrip.html Karten-Sammlung der University of Texas – West Bank und Gaza, Siedlungen.

Bob Mays Homepage: www.bobmay.info/index.htm Der Methodist Bob May macht auf seiner Homepage das Alltagsleben der Menschen in Bethlehem in eindrücklicher Weise sichtbar.

Die Liste hat lediglich Empfehlungscharakter und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

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