Albert Fuchs: 23 Artikel / 3 Dossiers

Zivil-militärische Zusammenarbeit aus der Sicht der Bundeswehr
Interview mit Oberst i.G. Volker Fritze
Das folgende Interview zum Verständnis der Bundeswehr von zivil-militärischer Zusammenarbeit (CIMIC / ZMZ) konnte nicht rechtzeitig für unser entsprechendes Schwerpunktheft 4/06 realisiert werden. Wir tragen es auch als Novum für W&F in dem Sinne nach, dass wir die von uns ansonsten eher grundsätzlich kritisch-objektivierend beobachtete Institution Bundeswehr in der Person von Oberst i.G. Volker Fritze selbst zu Wort kommen lassen. Bevor man argwöhnt, jetzt sei auch W&F einer Akzeptanz-Offensive des Militärs via CIMIC / ZMZ erlegen, sollte man sich unsere Fragen und die gegebenen Antworten genauer ansehen. Grob gesprochen liegt der Akzent entweder auf der Sachinformation oder der politischen Bewertung. Wir glauben, dass die gebotene Sachinformation zumindest in Teilen durchaus Neuigkeitswert hat. Andererseits wird bei den Antworten auf die Bewertungsfragen – sofern die Frageintention aufgegriffen wird – niemand entgehen, wie »mainstreamig« im Sinne der neu-deutschen Außen- und Sicherheitspolitik der CIMIC / ZMZ-Ansatz bei der Bundeswehr verstanden wird. Allerdings ist im Auge zu behalten, dass die Antworten erkennbar nicht auf das tatsächliche Denken von Bundeswehrangehörigen abstellen, sondern auf die Programmatik – im Unterschied zu der einen oder anderen der für W&F von Albert Fuchs gestellten Fragen. Der »Apparat« wurde von der Redaktion hinzugefügt. Wir danken Herrn Fritze und dem Presse- und Informationsstab der Bundeswehr, dass sie die vorliegende W&F-Novität ermöglicht haben.
Gerechter Krieg?
Anmerkungen zur bellum-iustum-Lehre
Ist vom moralischen Standpunkt aus Krieg gleich Krieg, ist jeder Krieg gleich verwerflich? Oder gibt es gute und böse, gerechte und ungerechte oder doch zumindest mehr und weniger gerechtfertigte Kriege? Oder liegt Krieg »jenseits von Gut und Böse« und ist allenfalls im Lichte von Interessen- und Machtkalkülen zu bewerten? Mit diesen Fragen sind die wichtigsten Positionen zur moralischen Bewertung von militärischer Gewalt markiert: Pazifismus, Belli(zi)smus und »Realismus« (oder Militarismus). Im vorliegenden Beitrag wird die bellistische Position zunächst in ihren Grundzügen nachgezeichnet und dann kritisch beleuchtet. Der Autor diagnostiziert fünf interventionsethische Schwachstellen, die augenscheinlich weit gehend irreparabel sind. Abschließend versucht er, das Dilemma zu entschärfen, das eine Fundamentalkritik am Bellismus für viele impliziert. Hauptkennzeichen des Bellismus ist das Operieren mit irgendeiner Form der im politisch-moralischen Diskurs der Vorwendezeit eher als obsolet geltenden bellum-iustum-Lehre, der Lehre vom »gerechten« oder »gerechtfertigten« Krieg.1 Deren Wiederbelebung nach der Epochenwende kann man kaum eindrucksvoller beispielhaft belegen als mit der folgenden Meinungsäußerung des Wissenschaftstheoretikers und Philosophen Karl Popper in einem Spiegel-Interview im Zusammenhang des Zweiten Golfkriegs: „Unser erstes Ziel heute muss der Friede sein. Der ist sehr schwer zu erreichen in einer Welt wie der unseren, wo Leute wie Saddam Hussein und ähnliche Diktatoren existieren. Wir dürfen hier nicht davor zurückschrecken, für den Frieden Krieg zu führen. Das ist unter den gegenwärtigen Umständen unvermeidbar… Es muss eine Art Einsatztruppe der zivilisierten Welt für solche Fälle geben. Im überholten Sinn pazifistisch vorzugehen wäre Unsinn. Wir müssen für den Frieden Kriege führen. Und selbstverständlich in der am wenigsten grausamen Form…“ (Popper, 1992 – zit. nach Popper, 1996, S. 288)
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Gewalt für Frieden?
Diskussionsbeitrag zur Pazifismusdebatte
Seit dem Ende der West-Ost-Konfrontation und insbesondere mit dem Zweiten Golfkrieg und dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat der Glaube an die militärische Gewalt als Mittel der Politik – nicht zuletzt als Mittel der Friedenspolitik – eine kräftige Wiederbelebung erfahren. Selbst unter Friedensbewegten oder vormals Friedensbe­wegten feiert er fröhliche Urständ. Das ist vielleicht insofern wenig er­staunlich, als es die Friedensbewegung ja nicht gibt und niemals ge­geben hat. Zudem war zu Zeiten der gegenteiligen Außendarstellung eine Auseinandersetzung über weiterreichende Perspektiven unter­blieben. Die Zukunft einer »Friedenspolitik von unten« dürfte aller­dings wesentlich davon abhängen, daß diese Auseinandersetzung nicht länger zurückgestellt, sondern offen und argumentativ geführt wird.Im vorliegenden Beitrag setzt sich unser Redaktionskollege Albert Fuchs mit den Positionen auseinander, die unlängst von dem katholi­schen Theologen Norbert Greinacher und dem bei »Ohne Rüstung Le­ben « engagierten evangelischen Pfarrer Werner Dierlamm in der Zeit­schrift Publik Forum vertreten wurden. Greinacher versteht sich selbst als »Nuklearpazifist«, Dierlamms Position wird von Fuchs als »Polizeipazifismus« charakterisiert. Beiden friedenspolitischen Orien­tierungen werden aus »radikalpazifistischer« Sicht Ungereimtheiten und Halbherzigkeiten nachgewiesen. Die Ausführungen von Fuchs werden wahrscheinlich nicht die ungeteilte Zustimmung unserer Lese­rinnen finden. Wissenschaft und Frieden steht als Forum für eine Fort­setzung der Diskussion zur Verfügung.
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