Viktoria Waltz: 1 Artikel
Jerusalems Weg zu einer segregierten Kleinstadt in Großformat
Ein Jahrhundert zionistischer Planung haben Jerusalem grundlegend verändert. Vor allem seit 1967 hat die israelische Regierung alles daran gesetzt, mit Hilfe von Planen und Bauen Jerusalem in eine mehrheitlich israelisch jüdisch bestimmte Stadt zu verändern und Bevölkerungsmehrheiten zu Gunsten israelisch jüdischer Mehrheiten zu schaffen – so wie es bereits die zionistische Bewegung seit Beginn des Jahrhunderts für das Land Palästinas durchgeführt hat. Erst recht seit Beginn des sogenannten Friedensprozesses im Jahre 1993 hat die israelische Regierung die Anstrengungen vervielfacht, die palästinensische Seite mehr und mehr zu unterdrücken, zu entmachten, ihre Anwesenheit zu verringern und das soziale und wirtschaftliche Leben der Menschen zu kontrollieren und zu beschneiden. Seit 1993 ist Ost-Jerusalem von der West Bank quasi vollständig abgeschnitten. Als Sharon, umgeben und abgeschirmt von vielen Sicherheitskräften und Militärs, im September 2000 den Haram Al Shareef, den heiligen Bezirk von Felsendom und Salomon Tempel, beschritt, brachte er nur zum Überlaufen, was bereits seit Jahren gekocht hatte. Heute leben in der Altstadt etwa 30.000 und in gesamt Jerusalem etwa 210.000 Palästinenser (vgl. PCBS 1998). Sie bilden in Ost-Jerusalem in den von Israel gesetzten Grenzen von 1967 neben etwa 170.000 illegalen Siedlern noch die Mehrheit der Einwohnerschaft, bezogen auf Gesamt-Jerusalem haben sie allerdings nur noch einen Anteil um die 30%. Noch definiert sich die Stadt gleichermaßen als christliches wie als islamisches Weltzentrum. Noch ist der Salomon-Tempel nicht wieder errichtet, wovon manche der reaktionärsten Siedlergruppen träumen mögen wie einst Theodor Herzl (vgl. Herzl, 1897).

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