Editorial
Sabine Korstian
Im Haus der Vernunftflucht
„Immer wenn es um die Iren ging, ist bei den Briten die Vernunft aus dem Fenster geflogen.“ An diesen Spruch einer nordirischen Bekannten muss ich oft denken, wenn über den Islam diskutiert wird. Nicht wegen Iren und Briten, sondern wegen der Vernunftflucht, die offenbar einsetzt, sobald das Stichwort Islam fällt. Im multikulturell bewohnten Haus der Vernunftflucht wimmeln die üblichen Verdächtigen – Intoleranz, Ignoranz, verzerrte Wahrnehmung, Neid, Vorurteile, Aus- und Abgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus, Rassismus – meist geschmückt als Kulturdeterminismus – und ähnlich hässliche Hausgenossen, die verstärkt und ermuntert seit 9-11 mit einem neuen Jargon ihren Hass- und Projektionsobjekten religiöse Etikette anheften. Da Menschen im Guten wie im Bösen gleich sind, sollte das nicht überraschen, sondern eher die Frage aufwerfen, ob es nicht weniger das »Anderssein« ist, an dem man sich stört, als vielmehr das hässliche Spiegelbild des Eigenen. So verwundern weitere Gemeinsamkeiten nicht, wie Demokratiefeindlichkeit, Gewaltverherrlichung, Sexismus, Homophobie und Antisemitismus.
Gastkommentar
Presseschau
Frieden und Krieg im Islam
Massenvernichtungswaffen
Ulrike Kronfeld-Goharani
C-Waffen-Abrüstung
Ein unterschätztes Problem?
Chemische Waffen (CW), auch als chemische Kampfstoffe oder Giftgas bezeichnet, können ganz allgemein als Gifte betrachtet werden, die Funktionsstörungen, Gesundheitsschäden oder den Tod von Mensch, Tier oder Pflanze verursachen. Die Wirkung eines Giftes hängt dabei von der verabreichten Menge und Konzentration, der Löslichkeit, dem Ort und der Dauer der Einwirkung sowie vom individuellen Zustand des Opfers ab.
Da CW durch ihre Sofortwirkung oder durch eine chronische Vergiftung Tausenden von Menschen Schaden zufügen können, werden sie neben den nuklearen und biologischen Waffen zur Kategorie der Massenvernichtungsmittel gezählt.
Am 29. April 1997 trat das CWÜ in Kraft das zum Ziel „im Interesse der gesamten Menschheit“ weltweit alle chemischen Waffen und deren Produktionsanlagen bis zum Jahr 2012 zu vernichten. Ein termin, der mit Sicherheit nicht eingehalten wird. um die Möglichkeit vollständig auszuschließen, dass CW jemals wieder eingesetzt werden.
Länderspezifisches
Alexander King
Wiederaufbau in Haiti
Von außen oder von unten?
Verfluchtes Land, ewiger Bittsteller, Fass ohne Boden – so kennen wir Haiti von jeher aus der Berichterstattung. Das Erdbeben, das am 12. Januar 2010 die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince und umliegende Städte zerstörte, hat dieses Bild geradezu grotesk zugespitzt. Haiti braucht Hilfe, Unterstützung beim Wiederaufbau. Aber in welcher Form?
Die UN-Militärmission MINUSTAH, die mit 7.000 Soldaten und 2.000 Polizisten seit 2004 in Haiti stationiert ist, wurde nach dem Erdbeben um 2.000 Soldaten und 1.500 Polizisten verstärkt. Dazu kommt der enorme militärische Aufmarsch von zeitweise über 20.000 US-Soldaten, der sich nach dem Erdbeben in Port-au-Prince vollzog. Die EU schickte 300 Gendarmen und kündigte eine eigene Militärmission an. Soldaten und Gendarmen, so wird argumentiert, seien nötig, um die Ankunft und Verteilung der humanitären Hilfe abzusichern. Vor Ort tätige Hilfsorganisationen, wie medico international oder die Diakonie, sehen das ganz anders.
Friedensbewegung
Zivile Konfliktbearbeitung
Kongresse und Tagungen