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2010-3
Afghanistan: Krieg ohne Ende

der führenden Wissenschaftszeitschrift
für Friedensforschung, Friedensbewegung und Friedenspolitik

Aktueller Beitrag

öffnen Debakel auch im Irak-Krieg

Johannes M. Becker

Der Irak-Krieg ist in der Berichterstattung zwar weitgehend vom Geschehen in Afghanistan verdrängt worden, das Debakel ist gleichwohl immer noch unfassbar. Die Zahl der Anschläge der äußerst diversifizierten Widerstandsbewegung ist, den kurdischen Norden ausgenommen, enorm angestiegen. Der Juli 2010 war, vor allem in der Zivilbevölkerung, der blutigste Monat seit mehr als zwei Jahren.
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2010-3 Afghanistan: Krieg ohne Ende

Spätestens mit dem Bombardement eines stecken gebliebenen Tanklastzugs bei Kundus im September 2009 mit seinen vielen toten Zivilisten ist der Afghanistankrieg auch in der deutschen Öffentlichkeit angekommen. Die Aussichtslosigkeit des Unterfangens, Afghanistan mit militärischen Mitteln zu befrieden und auf der Grundlage von westlichem neoliberalem Gedankengut in eine (nach unseren Vorstellungen) moderne, demokratische, gleichberechtigte Gesellschaft umzuwandeln, ist sogar bei den Regierungsparteien angekommen; die Offenlegung zehntausender US-amerikanischer Dokumente in Wikileaks beschleunigt die Debatte um Ausstiegsszenarien noch.
Unterschiedliche Aspekte des Afghanistankrieges werden in dieser Ausgabe von W&F aufgegriffen, vom Völkerrecht und der neoliberalen Ökonomie bis hin zur Rolle der deutschen Friedensbewegung und Alternativen zur Fortsetzung des Krieges.
Außerhalb des Schwerpunkts können Sie u.a. Beiträge zur Mitwirkung von Nichtregierungsorganisationen bei der Militarisierung »humanitärer Hilfe«, über Theater als Waffe des Friedens und über Drohnen in der modernen Kriegsführung lesen.

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 Kirche, Krieg & Frieden

Dossier 65

Kirche, Krieg & Frieden

Die beiden christlichen Amtskirchen in Deutschland beanspruchen im Sinne des von ihnen verkündeten Evangeliums, ethisch-moralische Leitlinien vorzugeben, an denen die Gläubigen ihr Leben ausrichten können. Dies betrifft auch das Thema Krieg, widerspricht das Töten von Kriegsgegnern – und all zu häufig auch von Zivilisten – doch dem Gebot der Bewahrung von Leben und der Feindesliebe.
Das W&F-Dossier beleuchtet die Haltung der Kirchen – und in den Kirchen – zum Militärischen, das in Deutschland angesichts der aktiven Kriegsteilnahme der Bundeswehr in Afghanistan in jüngster Zeit wieder eine geradezu sakrale Erhöhung erfährt. Die vier Autoren untersuchen diesen Trend, die Rolle der Militärseelsorge und die Friedenspolitik in der alten DDR und BRD.

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Gastkommentar

zum Artikel Sturm auf die Mavi Marmara

Matthias Jochheim
Gastkommentar

Wohl selten hat eine einzelne Aktion für Frieden und für Solidarität mit einer bedrängten Bevölkerung eine so rasche und effektive Wirkung gehabt wie der Versuch von über 600 Aktiven aus 30 Ländern, auf Schiffen und Booten den 1,5 Millionen Menschen im abgeriegelten Gaza-Streifen zu Hilfe zu kommen, indem sie die umfassende Blockade durchbrechen.

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In der aktuellen Ausgabe

zum Artikel Neoliberaler Umbau und Guerillakrieg

Testfall Afghanistan

Jürgen Wagner

In der Debatte über die Hintergründe des Afghanistan-Kriegs wurde in zahlreichen Veröffentlichungen auf geostrategische Interessen verwiesen. Tatsächlich existierten in Washington schon lange vor den Anschlägen des 11. September Pläne für eine bewaffnete Intervention, u.a. weil eine militärische Präsenz in unmittelbarer Nähe zu Russland sowie der angrenzenden ölreichen kaspischen Region angestrebt wurde. Zudem wird das westliche Interesse hervorgehoben, Afghanistan als alternative Transitroute zu erschließen, um die enormen kaspischen Energievorkommen unter Umgehung Russlands dem Weltmarkt zuführen zu können. Zweifellos spielten und spielen diese Überlegungen eine wichtige Rolle, allerdings verwundert es dennoch, wie wenig Aufmerksamkeit dem radikalen neoliberalen Umbau Afghanistans gewidmet wird, obwohl sich dieser als ein wesentlicher Eskalationsfaktor erwiesen hat.

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zum Artikel Zivil, selbstbestimmt und politisch Handeln

NGOs im Kontext der Militarisierung des Humanitären

Thomas Gebauer

Hauptziel der Entwickklungszusammenarbeit ist entsprechend dem Vertrag über die Arbeitsweise der EU (Artikel 208) die Bekämpfung der Armut und auf längere Sicht deren Beseitigung. Der für dieses Gebiet zuständige deutsche Minister, Dirk Niebel, setzt offensichtlich andere Schwerpunkte. Er möchte die Entwicklungszusammenarbeit auf die Wahrung deutscher Interessen und die Zuarbeit zum Militär verpflichten. Anfang Mai stellte er im BMZ die neue NGO-Fazilität für Afghanistan vor. In dem Fördertopf sind 10 Millionen Euro enthalten, die nur an Organisationen gehen sollen, die sich zur Kooperation mit dem Militär bereit erklärt haben. Unser Autor geht ein auf die Gefahren, denen die zivilen Helfer an der Seite des Militärs ausgesetzt werden. Zivil-militärische Zusammenarbeit hat für ihn nicht die Zivilisierung eines militärischen Einsatzes zum Ziel, sondern die Steigerung dessen Wirksamkeit. Er fordert ein Recht auf Unabhängigkeit für die Hilfsorganisationen.

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zum Artikel Kriegsführung mit Drohnen

Loring Wirbel

Im März 2010 berichtete Ronald Arkin vom Georgia Institute of Technology der Zeitschrift The Economist, seine Forschungsgruppe arbeite an der Software »Ethical Architecture« zur Steuerung unbemannter Flugkörper (Unpiloted Aerial Vehicles/UAVs, das sind so genannte Drohnen). Mit dem Programm sollen Drohnen in die Lage versetzt werden, während des Flugs unter ethischen Kriterien über einen bewaffneten Angriff zu entscheiden. Das scheint zunächst makaber, zeigt aber ein Bewusstsein für die ethischen Probleme, die durch Drohnenangriffe auf Menschen aufgeworfen werden, das die Regierung unter Barack Obama seit ihrem Amtsantritt im Januar 2009 vermissen ließ.

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Redaktion und Vorstand von W&F bedanken sich bei der Deutschen Stiftung Friedensforschung,
deren Förderung 2007 diese Internetpräsentation von Wissenschaft & Frieden ermöglicht hat

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Unser Dank gilt der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die 2009 die Überarbeitung dieser Internetseiten förderte