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Eine neue soziale Bewegung?Nun also, nach Tunesien und Ägypten, nach Spanien, Israel, Frankreich, England und Chile, nach dem unmittelbaren Vorbild der »Occupy the Wall Street/Besetzt die Wall Street«-Bewegung in den USA, kommt die Bewegung auch nach Deutschland. Auch wenn hämische Kommentare in Anspielung an den Slogan „Wir sind 99 %“ schreiben, dass „99 % daheim“ blieben, so war am 15. Oktober doch überraschenderweise eine fünfstellige Zahl von Menschen hierzulande auf den Straßen. Gemeinsam war beim weltweiten Aktionstag die Forderung nach Arbeitsplätzen, nach Gerechtigkeit und Bildung. Vornehmlicher Demonstrationsort waren die Bankenviertel. Das Finanzkapital wurde ebenso heftig kritisiert wie die sie bislang protegierende staatliche Politik.
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In Tunesien und Ägypten ist es der aufgebrachten, hartnäckigen und mutigen Bevölkerung mit ihrem Protest gelungen, die Diktatoren zu vertreiben und dabei trotz teilweise brutaler Gewaltanwendung der fallenden Machtapparate selbst gewaltfrei zu bleiben. Hier bangen die Menschen nun um die Früchte der Revolte – ein Sieg der Demokratie ist in diesen Ländern längst nicht garantiert. Noch viel weniger ist dies in Libyen der Fall, wo der Sturz des Gaddafi-Regimes von den NATO-Bombern erzwungen wurde. Und in Syrien haben Militär und Sicherheitskräfte bereits tausende Menschen erschossen, noch viel mehr inhaftiert, ein Ende des Assad-Regimes ist beim Erscheinen des neuen Heftes aber nicht in Sicht.
Mit dem Umbrüchen im arabischen Raum und einigen spezifischen Aspekten von »Arabellion« befasst sich W&F im Schwerpunktteil.
Weitere Artikel beleuchten die neue Landnahme in Afrika, schauen zurück auf die Geschichte des Friedensnobelpreises 1926 und 1927, hinterfragen Kooperationsabkommen der Friedensbewegung mit Kultusministerien und berichten über Vernetzung in der »Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung«.
Zum 11. September dieses Jahres waren die Endlosschleifen auf den Fernsehbildschirmen wieder zu sehen: Ein Flugzeug kracht in eines der Hochhäuser des New Yorker World Trade Center, kurz darauf ein zweites. »9/11« ist zur Chiffre geworden für die Attentate in New York und Washington – und zur Rechtfertigung für Kriege, Einschränkungen von Bürgerrechten, Islamfeindlichkeit und vieles andere. Das Dossier in diesem Heft beleuchtet »9/11 und die Folgen«: Peter Strutynski untersucht den sicherheitspolitischen Aspekt, Ingar Solty beschreibt die politischen und wirtschaftlichen Folgen in den USA, Elke Steven macht eine Bilanz der Rechtsveränderungen im Bereich der »inneren Sicherheit« in Deutschland auf und Albert Fuchs hinterfragt die politisch-medialen Konstruktionen rund um 9/11.
Kein Frieden ohne Frauen in Afghanistan
Zehn Jahre werden im Dezember vergangen sein, wenn nach der ersten Afghanistankonferenz auf dem Petersberg in Bonn 2001 afghanische und internationale PolitikerInnen erneut zusammenkommen, um über das Schicksal Afghanistans zu entscheiden. Viel hat die internationale Gemeinschaft in das Land investiert – Hoffnung, Kraft, Wissen, militärisches Engagement und reichlich Geld –, doch noch immer befindet es sich im Krieg. Derzeit ist ein Ende der Gewaltspirale – Kampf gegen Aufständische auf der einen und die Zunahme terroristischer Anschläge auf der anderen Seite – nicht in Sicht.
»Im Schatten der Brüder«?Die führende Rolle von Frauen in den Rebellionen in Tunesien und Ägypten hat verbreitete Imaginationen und Projektionen in der westlichen Öffentlichkeit ein für allemal widerlegt, wonach die Frauen in den arabischen Gesellschaften als bedauernswerte unterdrückte Opfer, als passiv und unmündig wahrgenommen werden. Sie hat Ansprüche, arabische Frauen im Sinne einer »civilizing mission« von »außen« befreien zu wollen, einmal mehr als paternalistische Bevormundungsversuche und Rechtfertigungsversuche für neokolonialistische Hegemonialinteressen diskreditiert. Sie hat zudem Vorstellungen, wonach »der Islam« per se für die Benachteiligung der Frauen in der Region verantwortlich sei, endgültig in die Rumpelkammer des »Orientalismus« verbannt. (vgl. ausführlich Kreile 2009, S.253 ff.)1
Neuausrichtung der NachbarschaftspolitikAnfangs wurden die revolutionären Umbrüche im arabischen Raum zumindest in einigen europäischen Ländern vorrangig als Bedrohung wahrgenommen – schließlich war man mit den autoritären Machthabern in der Region bis dato relativ gut zu Rande gekommen. Schnell wurde aber aus der Not eine Tugend gemacht und überlegt, wie aus der veränderten Situation (buchstäblich) Kapital geschlagen werden könnte.
Die Friedensnobelpreise 1926 und 1927Der Friedensnobelpreis ist ein politischer Preis. Das wird deutlich in der Ehrung von Persönlichkeiten und Bewegungen, die sich besonders für Frieden und Verständigung, gegen Massenvernichtungswaffen und Menschenrechtsverletzungen eingesetzt haben. Das wird aber auch sichtbar, wenn Politiker ehemals verfeindeter Länder oder Konfliktparteien für Schritte zur Lösung der Probleme gemeinsam den Nobelpreis bekommen, z. B. Henry Kissinger und Le Duc Tho nach dem Vietnamkrieg, Jitzchak Rabin, Schimon Perez und Jassir Arafat nach der Vereinbarung von Oslo, John Hume und David Trimble nach dem Nordirland-Abkommen. Unser Autor behandelt eine Besonderheit in der Nobelpreisgeschichte. In zwei aufeinander folgenden Jahren wurden Politiker und Friedensaktivisten für ihre Arbeit am selben Projekt – der »Überwindung der so genannten deutsch-französischen Erbfeindschaft« – ausgezeichnet: 1926 die Außenminister Frankreichs und Deutschlands, Aristide Briand und Gustav Stresemann, und nur ein Jahr später der französische Friedensaktivist Ferdinand Buisson und der deutsche Pazifist Ludwig Quidde.
Wenn sie W&F für zwei Jahre abbonieren, geben wir Ihnen eine dieser interessanten Veröffentlichungen dazu:
Afghanistan: Krieg in der Sackgasse
von Johannes M. Becker und Herbert Wulf (Hg.)
Lit-Verlag, ISBN 978-3-643-10460
Krieg und Frieden.
Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie
von Gert Sommer und Albert Fuchs (Hg.)
Verlagsgruppe Beltz, ISBN 978-3-621-27536-1
Friedensgutachten 2011
der fünf großen deutschen Friedensforschungsinstitute
Herausgegeben von Margret Johannsen, Bruno Schoch, Corinna Hauswedell, Tobias Debiel und Christiane Fröhlich
Lit-Verlag, ISBN 3-643-11136-4
27 Jahre W&F auf CD-ROM
27 Jahre W&F auf CD-ROM: Ein einmaliges Zeitdokument
für alle friedenspolitisch Engagierten, für Wissenschaft und Politik.
Ein einmaliges Zeitdokument für alle friedenspolitisch Engagierten, für Wissenschaft und Politik.
Ein Exemplar kostet 19.- €
Redaktion und Vorstand von W&F bedanken sich bei der Deutschen Stiftung Friedensforschung,
deren Förderung 2007 diese Internetpräsentation von Wissenschaft & Frieden ermöglicht hat
Unser Dank gilt der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die 2009 die Überarbeitung dieser Internetseiten förderte